Gesellschaft Freunde der Künste

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Filminstallationen 2004-2009

JULIAN ROSEFELDT AMERICAN NIGHT, bis zum 17.01.2010, in BONN

Julian Rosefeldt gehört zu den interessantesten und bildmächtigsten Künstlern an der Schnittstelle zwischen narrativem Film und komplexer Filminstallation. Seine international erfolgreiche, suggestive Bildwelt handelt seit Ende der 90er Jahre - mit deutlichen Anspielungen auf die barocken Traditionen des
„theatrum mundi“ - vom (kinematographischen) Spiel mit Schein und Sein und einem Leben in der ewigen Wiederholung.

Dies gilt insbesondere für seine Trilogy of Failure (2004/05), diese fulminante
filmische Trias über die ausweglosen Verstrickungen des Menschen in seine alltäglichen Rituale. Alle drei Arbeiten halten eine perfekte Balance zwischen der Konstruktion eines aufwändig vor uns ausgebreiteten, detailreichen Realismus und seiner langsamen Dekonstruktion, ohne dass es schlussendlich zu einer befriedigenden Auflösung käme, auf welcher Ebene die wahre Realität zu finden
wäre.

Zudem inszeniert der Künstler seine realistisch entwickelten, aber immer ins Allegorische mündenden Studien über die Psychopathologie unseres alltäglichen Lebens in einer kreisenden, zirkulären unendlichen Wiederholungsschleife, die – unterstützt durch eine wie körperlos langsam hinund herpendelnde Kamera – die Ausweglosigkeit des Gezeigten unterstreicht.

Das Kunstmuseum Bonn zeigt aus dieser Trilogie den ersten Teil. „The Soundmaker“ (2004) konfrontiert uns mit einem Protagonisten, der, gefangen in einem ewigen Kreislauf, aus allen Einrichtungsgegenständen
seines Zimmers seinen persönlichen Turmbau zu Babel errichtet, nur um ihn kurz darauf wieder abzubauen und den Originalzustand des Zimmers wieder herzustellen. Begleitet wird er dabei von einem mit ihm identischen Geräuschemacher, der, einmal aus der Frontal- und einmal aus der
Vogelperspektive gefilmt, den Sound zu seinem Auftritt liefert.

„Lonely Planet“ (2006) variiert diese mit der Konstruktion und Dekonstruktion von Kinomythen spielende zirkuläre Erzählstruktur, indem der Film einen von Rosefeldt selbst gespielten Rucksacktouristen aus der Wüste auftauchen lässt, der mit dem Boot über einen Fluss in eine Stadt übersetzt, und dort in ein vollbesetztes Kino gerät, in dem er seine Ankunft in der Stadt als Film erlebt. Das Kino selbst erweist sich allerdings selbst als Film-Kulisse, die der Rucksackreisende verlässt, um schlussendlich wieder in den Tiefen der Wüste zu verschwinden.

Auf einer weiteren Ebene spielen fast alle Arbeiten Rosefeldts aus den letzten sieben Jahren mit der Idee des tableau vivant und seiner bewegten Bewegungslosigkeit. Deutlich wird dies beispielsweise in Ship of
Fools (2007), einer auf dem deutschen Barockgut Schloss Sacrow gedrehten Auseinandersetzung mit den Wandlungen und Kontinuitäten des deutschen Nationalgefühls von der Romantik über den Nationalsozialismus und die DDR bis hin zu den Neonazis.

Auf vier Projektionsblöcken, die nebeneinander auf dem Boden stehen, gruppieren sich, unterlegt von permanentem Schäferhundegebell, an Caspar David Friedrich gemahnende Szenen voller Melancholie und minimal bewegter Statik zu einem grüblerischen, skeptischen Epitaph auf mehr als zwei Jahrhunderte deutsche Befindlichkeit.

In seiner visuell überwältigenden, vom Kunstmuseum Bonn mitproduzierten 5-Kanal-Film-Installation „American Night“ (2009) reflektiert der Künstler zum einen das Genre des Westerns im Hinblick auf seine zentralen Motive, wie beispielsweise das Lagerfeuer, die Dorfstrasse, den Saloon, die wartende Frau
etc. und entlarvt dabei zugleich die filmische Logik der Szenen, indem er auch den Blick hinter die Kulissen auf das Set und den Produktionsprozess gewährt.

In seinem Kern ist „American Night“ aber vor allem eine sarkastisch pointierte Abrechnung mit der Hegemonial-Politik Amerikas unter seinem früheren
Präsidenten George W. Bush. In einem rein aus Zitaten aus Filmen, Songtexten und Politikeräußerungenzusammengesetzten Lagerfeuer-Gespräch zwischen fünf Cowboys zerstäubt der im Western gespiegelte
Gründungsmythos des Landes über das amerikanische Konzept von Freiheit zu einer Litanei hohler Phrasen.

Dauer der Ausstellung bis zum 17.02.2010

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