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Jiang Guo Fang verkörpert ein Kapitel chinesischer Zeitgeschichte

Jiang Guo Fangs „Bilder aus der Verbotenen Stadt" in Berlin, ART CENTER BERLIN, bis zum 31.12.2009

Jiang Guo Fang verkörpert ein Kapitel chinesischer Zeitgeschichte. Seine Erfolgsstory beschreibt den Weg des aus einfachsten Verhältnissen stammenden, hindurch durch die unglaublichen Wirren der Kulturrevolution, zu einem heute außerordentlich erfolgreichen Künstler. Die wichtigsten Faktoren für seine Karriere waren dabei neben seinem großen Talent sein enormer Fleiß und die absolute Hingabe zu seinem Thema: Die Verbotene Stadt.

Jiang Guo Fangs Werk ist ganz wesentlich geprägt durch die Auseinandersetzung mit der abendländischen Kunst. Auf beeindruckende Weise verbindet er chinesische Bildtraditionen mit denen alter europäischer Meister. Mit einem umfassenden Wissen über die Dynastien der chinesischen Kaiser ausgestattet, reflektiert Jiang Guo Fang in seinen Werken mit distanziertem Blick die Wiederentdeckung und Neubewertung der Geschichte seines Heimatlandes. Den Bildern der "Forbidden City"-Serie, den Portraits und Szenen aus dem 600 Jahre alten Kaiserpalast in Peking, verleiht der von ihm entwickelte eigene Malstil einzigartigen Ausdruck.

Als erstem zeitgenössischem Künstler überhaupt wurde ihm 2004 im Palastmuseum die Ehre einer Einzelausstellung in Pekings Verbotener Stadt zuteil. In Jiang Guo Fangs Bildern wird die machtvolle Architektur und luxuriöse Ausstattung der alten Kaiserresidenz ebenso lebendig wie die monarchischen Traditionen Chinas: als man Kinder auf den Kaiserthron setzte und in jüngstem Alter Mädchen, eingeschnürt in das Korsett höfischen Zeremoniells, ungefragt mit Eunuchen vermählte.

1951 in Shangjiang, einem Dorf in der chinesischen Provinz Jiangxi, als Sohn eines Handwerkers geboren, war Jiang Guo Fang während Maos Kulturrevolution (1966-1976) ab 1968 Mitglied der Armee und begann nach seiner Entlassung aus dem Militär 1970 seine künstlerische Laufbahn zunächst im Selbststudium. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, war er in diversen Jobs tätig, unter anderem in der 4,5-Millionen-Stadt Nanchang im Zentrum der Volksrepublik. Hier beteiligte er sich auch an mehreren von der Stadt organisierten Kunstprojekten.

1974, in den letzten Tagen der Kulturevolution, begann Jiang Guo Fang die Ölmalerei an der China Central Academy of Fine Art, der staatlichen Kunstakademie Pekings, zu studieren. Nun sah er erstmals die „Verbotene Stadt", ein Erlebnis, das ihn so nachhaltig beeindruckte, dass es ihn, wie er sagte, „bis in den Schlaf hinein" verfolgte. Von diesem Zeitpunkt an setzte er sich intensiv mit dem alten Kaiserpalast auseinander, und die „Verbotene Stadt" wurde für ihn zum Sinnbild einer tausendjährigen Kulturgeschichte Chinas. Die Verbotene Stadt in Peking ist ein Symbol für China, wie sonst nur die große Mauer.

Hier regierte der letzte Kaiser der Qing (1644-1911), die als letzte Dynastie den Ming (1368-1644) gefolgt waren. 1405 hatte Kaiser Yongle aus der Ming Dynastie die Hauptstadt des Chinesischen Reichs von Nanking nach Peking verlegt und zwischen 1407 und 1420 mit der Errichtung des monumentalen Palastes begonnen. Der Komplex aus Hunderten von Palästen und Tausenden von Räumen ist die Verkörperung der Jahrtausende alten chinesischen Zivilisation und Kultur.

1978 verließ Jiang die Hochschule als Graduierter und wurde im selben Jahr an deren Fakultät für Ölmalerei Dozent. Zusätzlich lehrte er an der Kunstabteilung des Central Institute of Drama in Peking, an dem er später Professor wurde. Seit 1998 arbeitet er als freischaffender Künstler.

Seit 1980 stellt er seine Werke in Gruppen- und Einzelausstellungen der Öffentlichkeit vor, zuerst in Chinas Kernland, ab den 1990er Jahren auch in den äußeren Provinzen seines Landes, schließlich in Europa und Amerika: Hongkong, Taiwan, Singapur, Brüssel, Rom, Sizilien, Paris, New York gehören zu seinen Karrierestationen. 1994 zeigte die Schoeni Art Gallery in Hongkong erstmals Bilder seiner Serie der „Verbotenen Stadt". Inzwischen wurden für Jiang Guo Fangs Gemälde auf internationalen Auktionen bereits Spitzenpreise von mehr als 400.000 US-Dollar gezahlt.

Jiang Guo Fangs Bilder, deren Stil eine Art neuer Historienmalerei kreieren, werden zu gemalten Meditationen über vergangene Zeiten, als der heute über 600 Jahre alte und mehr als fünf Quadratkilometer umfassende Palast die kaiserlichen Dynastien und ihre Familien beherbergte, als Kinderkaiser zwar offiziell auf dem Thron saßen, das Land jedoch von den Müttern, den Kaiserinnen, regiert wurde. Versteht sich der Betrachter auf die Entschlüsselung chinesischer Schriftzeichen, so wird auch eine feine Ironie spürbar, wie in dem Gemälde „Traum".

Dort schläft der Kindkaiser auf einem Thron, hinter dem auf einer goldenen Wandbespannung jene Regeln geschrieben stehen, nach denen der Herrscher sein Land und sein Volk zum Besten führen soll. Trügerisch scheint die Stille, die in Jiang Guo Fangs Gemälden herrscht und durch die sanfte Glätte seines Pinselstrichs mit heraufbeschworen wird: in den kaiserlichen Kreisen ging es bei den Intrigen um die Thronnachfolge meist wenig friedlich zu.

Was ich suche, sind die ästhetischen Elemente in den historischen Themen, Elemente mit bestimmten historischen Bedeutungen. Ich verwerfe Pragmatismus und möchte meine Kunst nicht in direkte Verbindung mit dem realen Leben bringen. Ich hoffe, dass, während man meine Werke würdigt, die Leute vielleicht Realität und Geschichte verstehen mögen, das Schöne und Symbolische, die menschliche Natur und die natur selbst in weiterem Sinn.

Ich lenke meine Aufmerksamkeit auf die nationalen und traditionellen Charaktere meiner Kunst, weil der majestätische lange Fluss unserer Geschichte ein riesiges und reiches kulturelles Erbe trägt. Sein Wunder ist eng verbunden mit der Erneuerung der chinesischen Nation. Im freien Raum der Vorstellungskraft verleiht er meiner Kunst einen einzigartigen Reiz. Das ist, woran ich glaube und wonach ich suche."

„Ich möchte mit meinen Bildern dazu beitragen, dass man das Kulturerbe besser versteht und würdigt - dies nicht nur von Seiten der Chinesen, sondern auch von den Menschen auf der ganzen Welt", sagt der heute fast 60-jährige Künstler über seine Arbeiten, die vor allem in seinem Atelier in der kleinen Stadt Yanjiao an der Grenze zwischen den Provinzen Peking und Hebei entstehen.

In seinen Werken sucht er nach einer Sprache, welche die östliche mit der westlichen Kultur harmonisch miteinander verbindet, indem er chinesische Geschichte nicht nur lediglich abbildet, sondern den Geist der chinesischen Tradition mit europäischen Stilmitteln reflektiert. Unentwegt strebt Jiang Guo Fang dabei nach künstlerischer Perfektion und nach dem letztendlich gültigen Ausdruck - gelegentlich auch über mehrere Variationen eines Motivs in Maß, Komposition und Farbe hinweg.

Ausgebildet in östlichen wie westlichen Maltechniken, spielt die traditionelle Ästhetik der chinesischen Malerei bei ihm eine große Rolle. Deswegen glaubt er, dass kein westlicher Maler die Verbotene Stadt in derselben Weise wiedergeben könnte wie er. Zwar haben sich schon andere östliche Künstler die chinesische Kaiserresidenz als Sujet gewählt, doch Jiang Guo Fang ist bislang der einzige, der dies in einer solchen Perfektion und in einem solchem Ausmaß betreibt. Auch in Zukunft wird er sich mit seiner Kunst der Verbotenen Stadt widmen.

Umgeben von scheinbar zeitlosem Luxus, wirken Jiang Guo Fangs Figuren wie aus einer fernen Welt - einer Welt, in der die alten Namen wie „Palast der himmlischen Klarheit" oder „Halle der mittleren Harmonie" noch nicht an Suggestionskraft verloren haben. Erst 1924 (Pu Yi hatte als letzter Kaiser Chinas bereits 1911 abgedankt) wurde die Verbotene Stadt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit 1987 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Dauer der Ausstellung 31.12.2009

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