Die allein lebende Amateurpilotin und Zahnärztin Marguerite rechnet mit nichts Schlimmem, als ihr im Kaufhaus ihre Handtasche gestohlen wird. Die leere Tasche findet der rüstige Rentner Georges, der Marguerite kontaktiert. Aus Telefonanrufen werden Treffen.
Doch während Georges seine sexuelle Anziehungskraft nur austesten will, glaubt Marguerite in jeder seiner Gesten, in jedem Wort bedeutungsschwangere Liebeserklärungen zu sehen. Das kann nicht gut gehen.
KRITIK:
Altmeister Alain Resnais beweist in dieser unterhaltenden Lektion über Liebe, Freiheit und Fantasie erneut Esprit, jugendliche Kraft und Eleganz.
Er kann's auch mit fast 90 Jahren nicht lassen: Alain Resnais schafft es immer noch, mit seinen hintergründigen Geschichten und großartigen Bildern zu verführen, egal, ob das Leben nun ein "Roman" oder ein "Chanson" ist, die "Herzen" sich mal wieder nicht finden.
"Vorsicht Sehnsucht" warnt schon im Titel, vor zuviel emotionalen Erwartungen der Protagonisten, die sich mal wieder auf das dünne Eis der Gefühle begeben und einbrechen (können).
Marguerite ist in den besten Jahren, kann sich damit aber nicht abfinden, macht auf kindlich. Der Raub ihrer Handtasche bringt eine "Affäre" ins Rollen, die eigentlich keine ist. Hätte George, der Finder mit den leicht grauen Schläfen, gewusst, was auf ihn zukommt, hätte er sicherlich nicht die ausgeleerte Tasche aufgehoben und die Dame kontaktiert.
Aus Telefongesprächen werden Treffen, falsche Hoffnungen, vergebliche Sehnsucht. Der Rentner lebt mit Partnerin in der Pariser Banlieue und will nur seine sexuelle Anziehungskraft austesten. Die Zahnärztin und Hobbyfliegerin sieht jedoch in jeder Geste, jedem Wort bedeutungsschwangere Liebeserklärungen. Das kann nicht gut gehen.
Nach Christian Gaillys Roman "L 'incident" webt Resnais ein Netz aus Wünschen und Fantasien, in dem die Wirklichkeit nur am Rande existiert, die Figuren manchmal wie in einem Comic reagieren. Bei der Besetzung setzt Resnais auf seine bewährten Schauspieler wie Sabine Azéma, die hier allerdings mit infantilem Geplapper nerven muss, und André Dussollier, wie immer routiniert und mit doppelbödig-rauem Charme.
Die Stimme des Erzählers lässt vieles ahnen, auch den Tod. Wie aus den absurden Flirtinitiativen und irrationalen Handlungen Zorn und Verletzung erwachsen, das zeichnet das romantische Drama in magischen nächtlichen Bildern von Eric Gautier und in einer gelungenen Verknüpfung von Charme, Ironie und Melancholie und verbeugt sich dabei vor dem Medium Film und seinen Kinoformen.
Die eng an die Vorlage angelehnten Dialoge strotzen vor unterschwelligen Andeutungen, es macht Spaß in den filigranen Wortspielen auf unterschiedlichen Ebenen die wahren Bedeutungen und Zeichen zu lesen. mk.
Drama - Frankreich/Italien 2009
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren - 103 Min. - Verleih: Schwarz-Weiss (Filmagentinnen)
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