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kalkulierte Beleidigung der Geschmacksnerven

Jetzt im Kino - SHORT CUT TO HOLLYWOOD - eine beißende Satire auf Medienhysterie und Starruhm

Johannes Friederich Selinger ist Mitte 30 und hat außer Versagen nichts vorzuweisen im Leben. Nicht einmal mit dem Selbstmord will es klappen. Nur der Traum, es unbedingt zu Berühmtheit gebracht haben zu müssen, hält ihn auf Spur. Dafür sind ihm nun auch drastische Mittel recht. Mit zwei Freunden bricht er auf in die USA, wo er einen Film drehen will, wie es noch keinen gab, mit sich und unter seiner neuen Identität John Frederik Salinger in der Hauptrolle: Auf dem Weg von der Ostküste nach Los Angeles will er vor laufender Kamera ein Körperteil nach dem anderen opfern, um die Bewunderung der Massen zu ernten.

KRITIK

Geschmacklosigkeiten aller Art sind das Mittel der "Muxmäuschenstill"-Macher, um ihre ätzende Mediensatire über den American Dream auf Touren zu bringen.

Die kalkulierte Beleidigung der Geschmacksnerven geht mitunter so rabiat zu Werke wie Uwe Boll mit "Postal", zeitigt aber nicht so viele komische Vignetten wie "Brüno", der ein ähnliches Thema verfolgt: Nämlich ohne jedes Talent verzweifelt eine Berühmtheit zu werden. Die Idee dazu hat Johannes Salinger (Jan Henrik Stahlberg) mit seinen zwei Kumpels aus Kindheitstagen, Mattias (Marcus Mittermeier) und Christian (Christoph Kottenkamp) - er will sich nach und nach Körperteile amputieren und seinen Weg in den Tod vor laufenden Kameras dokumentieren lassen.

 Nachdem das naive Trio in Deutschland gescheitert ist, träumen sie in den USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, vom Mediencoup und von Johannes' Durchbruch als Snuff-Superstar. Der Erfolg lässt allerdings auf sich warten, bis sie als Bagdad Boys mit falschem Sprengstoffgürtel Bürger verschrecken und jäh Mittelpunkt eines Hypes werden.

 Während die Amateurchirurgen im Wohnwagen fröhlich ein Körperteil nach dem anderen amputieren, lernt der unerschrockene und bis dahin noch wild entschlossene Johannes von einem jungen Busenwunder die Wonnen des Lebens kennen und macht einen Rückzieher. Doch längst ist eine gigantische Medienmaschinerie angelaufen, die nicht so einfach wieder gestoppt werden kann - sein Tod ist Pflicht!

Die Mockumentary des "Muxmäuschenstill"-Teams verfolgt ihr Ziel, eine beißende Satire auf Medienhysterie und Starruhm, mit äußerster Konsequenz. Nur fehlen die flamboyante Ideenfülle eines Sacha Baron Cohen sowie interessante Charaktere - dafür nehmen die Filmemacher alles aufs Korn, was nicht augenblicklich in Deckung geht: Ganz besonders das talentfreie Trash-TV-Format DSDS samt Bohlen und Medlock hat es ihnen angetan.

 Keine vulgäre Provokation darf fehlen, wenn die Figuren 90 Minuten lang vorgeführt werden, um dann Mittelpunkt eines herzlich gemeinten Freundschaftsdramas zu werden. Bis dahin kokettiert die Loser-Ballade im Doku-Stil mit den Mechanismen der Seifenoper, um mit einem nicht minder radikalen Ende einen dicken Schlussstrich unter die respektlose Farce zu ziehen.

Komödie - Deutschland 2009
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren - 94 Min. - Verleih: Senator

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