In einem polnisch-deutschen Grenzstädtchen wächst der 15-jährige Tomek heran. Der ambitionierte Schüler will seinem dumpfen Umfeld und Elternhaus entfliehen.
Als seine Hoffnungen auf ein schulfinanziertes Astronomie-Projekt scheitern, gibt er sich auf und wird ein Herumtreiber wie die meisten anderen seines Alters. Um seine neue, naive Freundin Martha zu beschenken, lässt er sich auf kriminelle Geschäfte ein und verliert als Callboy seine Unschuld. Weder die hilflosen Eltern noch Bekannte können ihn retten.
KRITIK:
Eine Jugend in Polen: Der 15-jährige Tomek rutscht ins kriminelle Milieu ab, wird Stricher, schließlich Zuhälter. Hartes, brillantes und beklemmend realitätsnahes Drama.
Der Originaltitel von Robert Glinskis ("Unkenrufe") erschütternder Chronik bedeutet wörtlich "Schweinchen" und zeichnet das Bild einer moralfreien Gesellschaft, die sich der Realität verweigert und die Zukunft verspielt - besonders die ihrer Kinder. Angesiedelt im Jahr 2000, als mit dem Inkrafttreten des Schengen-Abkommens die Grenzkontrollen wegfallen, beginnen Menschenhändler in der polnisch-deutschen Grenzzone richtig gut zu verdienen.
Damit hat der 15-jährige Tomek (Filip Garbacz) zunächst nichts zu schaffen. Er ist ein heller Kopf zwischen Verblendeten, die sich entweder Illusionen hingeben oder sich längst aufgegeben haben. Seine Ambitionen erhalten einen schweren Dämpfer, als sein Astronomie-Schulprojekt wegen notorischem Geldmangels nicht finanziert wird.
Obendrein belasten ihn die desolaten Familienverhältnisse. Schwer enttäuscht gibt sich Tomek auf, versucht für seine naive Freundin Marta (Anna Kulej), die ihn nur ausnutzt und manipuliert, Geld zu verdienen, rutscht in die Illegalität ab und wird Callboy.
Daheim schottet er sich ab, allerdings versucht auch keiner ernsthaft ihn zu erreichen. Der Horizont des schwachen Vaters reicht nur bis zum Fußballplatz, die hilflose Mutter und die zynische ältere Schwester schwanken zwischen Desinteresse und Überforderung.
Anfangs scheint Tomek auch nicht zu verstehen, dass er in die Fänge von Zuhältern geraten ist. Als er nach einer Sex-Orgie verprügelt und wie Müll abgeladen wird, ist seine Seele zerbrochen. Er beginnt selbst eine Karriere als Zuhälter, eiskalt, berechnend, ein Lost Boy, der über dem Abgrund taumelt.
Natürlich endet dieser kühl inszenierte und stark gespielte Abstieg in die Hölle in einer Katastrophe. Die Tragödie weckt in vielerlei Hinsicht Assoziationen an Lukas Moodyssons "Lilja 4-Ever".
Das traurige Ende einer Kindheit könnte nicht stimmungsvoller, realitätsnäher und frappierender sein. Eine kaltblütig wie brillant gefilmte Elegie, die Polen als Alptraum schildert. tk.
Drama/Jugend - Polen/Deutschland 2009
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren - 94 Min. - Verleih: Salzgeber
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