Jeder liebt den Falschen, so ließe sich Tschechows tragikomisches Stück in einem Satz zusammenfassen. Alle Figuren suchen das Glück des Lebens woanders, malen sich den erträumten Erfolg auf der Bühne des Lebens in den buntesten Farben aus und übersehen dadurch systematisch den Horizont des Menschlichen, der sie umgibt. // Die Schauspielerin Arkadina hat in der Provinz einigen Erfolg gehabt.
Jetzt lebt sie von dem schwindenden Glanz ihrer Vergangenheit und liebt den erfolgreichen, aber etwas müden Schriftsteller Trigorin. Für ihren Sohn Kostja, einen jungen ehrgeizigen Dichter, hat sie eher Verachtung übrig. Kostja wiederum liebt die junge verwöhnte Nina, die die Hauptrolle in seinem ersten Stück spielt.
Doch diese verliebt sich in Trigorin, dessen Erfolg ihr aufregender erscheint als Kostjas Ehrgeiz. Kostja wiederum wird vollkommen unglücklich von Mascha geliebt – die aber, verschmäht, schließlich den Werbungen des Dorflehrers nachgibt, den sie nicht liebt.
Und die Verwalterin Polina, die mit Schamrajew verheiratet ist, schmachtet seit Jahren den schneidigen Arzt Dorn an, der aber offensichtlich schon genug Frauen in seinem Leben hatte.
Arkadinas Bruder Sorin schließlich, der Zeit seines aktiven Lebens brav seinen Job am Gericht gemacht hat, beklagt sich nun bei abnehmender Gesundheit, dass er überhaupt nie gelebt hätte. Als sich zwei Jahre später alle wieder treffen, ist alles noch schlimmer geworden. // Wie sollen wir leben?
Tschechows nüchterner, analytischer Blick erscheint uns heute, nachdem sich die Utopien des Fortschritts eher als Alpträume der Moderne erwiesen haben, geradezu heilsam zu sein. Die Frage, warum Menschen trotz Wohlstand und größten Freiheiten so unglücklich sein können wie Tschechows Figuren, ist weiterhin offen.
Besetzung
Christina Rubruck (Irina Nikolajewna Arkadina)
Björn Bonn (Konstantin Gawrilowitsch Treplew)
Uwe Steinbruch (Pjotr Nikolajewitsch Sorin)
Alina Rank (Nina Michailowna Saretschnaja)
Hans-Werner Leupelt (Ilja Afanassjewitsch Schamrajew)
Eva-Maria Keller (Polina Andrejewna)
Birte Leest (Mascha)
Enrique Keil (Boris Alexejewitsch Trigorin)
Jürgen Wink (Jewgeni Sergejewitsch Dorn)
Daniel Scholz (Semjon Semjonowitsch Medwedenko)
Waldemar Belov (Jakow)
Inszenierung: Volker Schmalöer
Bühne: Daniel Roskamp | Kostüme: Ulrike Obermüller
Premiere 7. Mai 2010 | Schauspielhaus
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