Leben heißt spielen. Sagte Schiller. Nein, Leben heißt natürlich arbeiten, Freizeit genießen, sparen, sparen für Freude am Fahren, und so weiter. Sicherlich. Aber eigentlich ist es ein Spiel, bei dem wir Einsätze machen, gewinnen, und verlieren können. Und selbst, wenn wir nicht mitmachen, wenn wir nichts einsetzen wollen, sind noch immer wir selbst der Einsatz. Gewinnen können wir uns nicht, aber verlieren.
In der Küche sitzt ein Mann und versucht, die Dimension des großen Spiels zu ermessen. Nach welchen, nach wessen Regeln, seit wann, bis wann läuft das Spiel? Sind alle Züge sichtbar? Wer spielt, wer ist Figur? Spielen die Toten mit? Sitzt noch jemand auf dem Stuhl des Schiedsrichters? Viel weiß er, doch er möchte alles wissen, er kann nicht aufhören.
Der Mann hat aber auch eine Familie, und die braucht etwas zu essen. Welche Wert haben Kultur und Bildung, wenn die Kohle knapp wird?
Die Lotterie in Babylon erschien erstmals 1941 in Fiktionen, einem Band mit Borges' Kurzgeschichten. Seine phantastischen Erzählungen sind Modelle, Versuche der Welterklärung, Zeugnisse der Verwirrung und des Erkennens, Beschreibungen der unendlichen Weiten des Lesens und Denkens. Jede Gesellschaft braucht Geschichten, um zu bestehen, in ihnen lebt ihr Erbe. Das Erzählen darf nicht aufhören.
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