Mit ‚Sweet Charity‘ gelang Cy Coleman 1966 ein sagenhafter Broadway-Erfolg, der alles hatte, was ein großes Musical braucht: eine ‚touching story‘, großartige Musik (u.a. den Welthit ‚Hey, big spender‘) und mitreißende Tanzszenen.
Die unverwüstlich an ihr Glück (und die Männer) glaubende Charity hatte Coleman Kino-Altmeister Federico Fellini entliehen, dessen Film ‚Die Nächte der Cabiria‘ allerdings noch nicht in New York, sondern in Rom angesiedelt war …
In ‚Sweet Charity‘ schlägt das Herz des ‚Big Apple‘ im Nachtclub-Milieu: im Fan-Dango-Club, wo Charity und ihre Kolleginnen solvente Herren ‚unterhalten‘ und nach Feierabend von einem bürgerlichen Leben und der ganz großen Liebe träumen. –
Charity, die soeben wieder einmal unschön verlassen worden ist (ihr Liebhaber warf sie in den Teich des Central-Park) gelingt es gar, den Filmstar Vittorio Vidal kennenzulernen (und eine Nacht – ohne ihn – in seinem Wandschrank zu verbringen), bevor ihr das Schicksal den schüchtern-treuseligen Buchhalter Oscar Lindquist zuzuführen scheint.
Ist endlich er ‚der Richtige?‘
Hinreißende Dialoge, ein unnachahmlich swingender Orchestersound und eine couragierte und beherzte Titelfigur, die den Mut hat, an die Liebe zu glauben, haben ‚Sweet Charity‘ schon vor mehr als 40 Jahren in den Musical-Olymp aufsteigen lassen. Von dort aus findet Colemans Meisterwerk immer wieder seinen Weg in die deutschen Theater – und hinterlässt jedes Mal ein restlos begeistertes Publikum!
Musical in zwei Akten von Cy Coleman
Libretto von Neil Simon nach Federico Fellinis Film ‚Die Nächte der Cabiria‘
Liedtexte von Dorothy Fields
Besonders gelungen präsentiert sich die Szene in der Garagenkirche des Patchworkpredigers Daddy Brubeck (Lemuel Pitts), köstliche Persiflage auf die haschischgesättigten Liebes- und Friedensphantasien der Hippiekultur.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2010
Unter der Leitung von Wolfgang Wengenroth liefert das Orchester des Staatstheaters eine klanglich opulente, beschwingt bewegte Interpretation dieser Partitur, die außer dem Ohrwurm ‚Big Spender‘ eine Reihe hübscher Details aufweist.
Der sehr einfallsreichen Choreografie von Iris Limbart gelingen mitreißende Szenen, so in der Garagenkirche, in der ein Hippiepriester (Lemuel Pitts) das ‚Evangelium des Rhythmus‘ verkündet und die Gläubigen wie Marionetten zappeln lässt. Und manchmal schafft sie traumschöne Bilder wie ein schwebendes Luftballon-Ballett auf Coney Island.
Darmstädter Echo, 18.10.2010
‚Da wird ein Stück Amerika nach Wiesbaden transportiert.‘
hr2 frühkritik 18.10.2010
Auch Limbarths Inszenierung nimmt die Moden der ‚wilden Sechziger‘ auf, zeigt aber auch, wie die Akteure noch mit einem Bein im Sumpf der Nachkriegsjahre festsitzen: die Mädchen mit ihren bescheidenen Karriereträumen (Garderobiere, Vorzimmerdame), die Verklemmtheit eines braven Bürgers oder der fade Glamour des schwülen Traumpaares im Art-Deco Schlafgemach.
Durch all diese Szenen hupft und singt sich Vasiliki Roussi, eine so robuste wie routinierte Charity. Erik Biegel als biederer Gegenpart versieht die Rolle des Oscar mit einer gehörigen Prise Woody Allen.
Frankfurter Rundschau, 18.10.2010
Mit Vasiliki Roussi hatte das Staatstheater für die Titelrolle eine überzeugende Darstellerin gefunden. Ein quirliges Mädchen, in das sich auch ein steifer Versicherungsmann hemmungslos verlieben kann. Erik Biegel ist dafür mit Trenchcoat und Hornbrille der passende Typ.
Frankfurter Neue Presse, 19.10.2010

