2010 feierte die Israeli Opera ihr 25-jähriges Bestehen mit der Uraufführung eines großen Auftragswerkes. Entstanden ist ein Gesamtkunstwerk aus Literatur, Musik, Theater, Malerei und Bewegung, nach einem Stück des bekannten israelischen Dramatikers Hanoch Levin.
,The Child Dreams‘ (Kinderträume) ist eine visionäre Allegorie über Kinderschicksale in einer Welt zwischen Krieg, Zerstörung, Emigration und der Sehnsucht nach Frieden. Das Libretto entwickelten der Komponist Gil Shohat und der Regisseur Omri Nitzan.
Bühne und Kostüme schuf der für seinen hyperrealistischen und expressiven Malstil bekannte Künstler Gottfried Helnwein. Die Bewegungsarbeit übernahm der Choreograf Gregor Seyffert.
Hanoch Levin (1943-1999) darf als der wichtigste Theatermacher des israelischen Theaters gelten. Er konstruiert unauflösbare Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Figuren, die auf Mechanismen von Drohung und Aufschub basieren. Unter Levins Theaterstücken finden sich politische Satiren, Familien- und Nachbarschaftsgeschichten und mythische Stoffe. ,The Child Dreams‘ vereinigt all diese Elemente.
,The Child Dreams‘ zeichnet die Odyssee eines Kindes durch Krieg, Flucht und Vertreibung nach. Aus der Perspektive des Kindes werden unmittelbar einbrechende Ereignisse geschildert: Nach dem Ausbruch des Krieges und dem Tod seines Vaters ist das Kind zusammen mit der Mutter auf der Flucht. Es gelingt ihnen, als Passagiere eines Schiffes das Land zu verlassen.
Auf einer Insel muss das Kind sich entscheiden, ob es allein an Land und damit in Sicherheit bleibt oder die ungewisse Reise mit der Mutter fortsetzt. Es entscheidet sich für Letzteres. Am Ende jedoch wird das Kind sich allein zwischen Leben und Tod bewähren müssen. Mit den Augen des Kindes blicken wir auf eine Welt des willkürlichen Umgangs mit Leben und Tod.
Hanoch Levins poetisches Theaterstück führt eine allegorische Reise vor. Seine Inspiration ist das Schicksal des Flüchtlingsschiffes ,St. Louis‘ während des Zweiten Weltkriegs, das mit 900 Passagieren an Bord in Nordamerika keine Erlaubnis zum Anlegen erhielt und nach Europa zurückkehren musste.
Das Stück zeigt heimatlose Emigranten auf der Suche nach ihrer Seele. Es blickt mit kritischem Auge auf eine Gesellschaft, die gleichzeitig auch jede andere Gesellschaft sein könnte. Eine Gesellschaft, die Frieden mit sich selbst sucht, ihn jedoch nur schwer erreichen kann.
Levin behandelt in seinem Stück das Verhältnis von Mutter und Sohn, Mann und Frau, Staat und Individuum, Grausamkeit und Mitgefühl ebenso wie den schmalen Grat zwischen Realismus und Fantasie. ,The Child Dreams‘ ist ein universeller Stoff, der tief in der israelischen Gesellschaft verankert ist. ,Die Reise des Überlebens‘, so Librettist und Regisseur Omri Nitzan, ,ist eine Reise zur Essenz des Lebens.‘
Der Komponist Gil Shohat (*1973) schrieb nach ,Alpha and Omega‘ mit ,The Child Dreams‘ seine zweite große Auftragsarbeit für die Israeli Opera. Er legte den Schwerpunkt auf die poetischen und universellen Elemente des Stoffes.
‚In diesem Werk, besonders im letzten Teil, liegt ein existentieller Schmerz, welcher der Geschichte Menschlichkeit und Mitgefühl verleiht. Die Hoffnung, die aus seinen Worten und Klängen atmet, bildet eine ganz eigene Humanität.‘ (Gil Shohat)
Omri Nitzan (Inszenierung) leitete u.a. das Israel Festival und das Habima National Theatre und ist derzeit Intendant des Cameri Theatres in Tel Aviv. Er hat bereits mehrere Opern für die Israeli Opera inszeniert, darunter ‚L‘elisir d‘amore‘, ‚Otello‘, ‚L´italiana in Algeri‘ und die Uraufführung ‚A Journey to the End of the Millenium‘. In Antwerpen führte er Regie bei ‚Samson und Dalila‘ und am New National Theatre in Tokio bei ‚Nabucco‘.
Er gilt als Fachmann für die Theaterstücke von Hanoch Levin, von denen er zahlreiche auf die Bühne brachte. Seine Produktion von Levins ‚Mord‘ gastierte unter anderem in Weimar, Bonn und Heidelberg. Mit Shakespeares ‚Komödie der Irrungen‘ gastierte Omri Nitzan am Burgtheater Wien. 2001 waren auch am Frankfurter Schauspiel Inszenierungen von ihm zu sehen.
Neben Shakespeare und zeitgenössischer Dramatik gilt vor allem Brecht als Schwerpunkt seiner Arbeit. Omri Nitzan wurden in Israel zahlreiche Auszeichnungen verliehen, zuletzt 2011 der Israel State Award für sein Lebenswerk sowie die Special Contribution to the Society an das Cameri Theatre Tel Aviv.
Der österreichische Maler, Fotograf und Installationskünstler Gottfried Helnwein (Bühne und Kostüme) ist seit langem eine feste und unverwechselbare Größe in der Kunst. Seit Ende der 60er Jahre steht die Darstellung des Schmerzes, des verwundeten Körpers als Zeichen einer verwundeten Seele im Zentrum seines künstlerischen Schaffens.
Einen ganz besonderen Stellenwert nimmt in seinem Werk das Bild des Kindes und der Unschuld ein. Helnweins Bilder sind großflächig und in fotografischem Stil. Seit Ende der 1980er Jahre begann er Installationen im öffentlichen Raum in seine Arbeit einzubeziehen. Seit 1988 entwirft er auch zahlreiche Bühnenbilder, u.a. für die Choreografen Johann Kresnik und Gregor Seyffert sowie für die Regisseure Jürgen Flimm und Maximilian Schell.
Zur Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 errichtete Helnwein in Köln 1988 die 100 Meter lange Installation ‚Neunter November Nacht‘ mit überlebensgroßen Kinderporträts. Ausstellungen seiner Werke finden weltweit statt. 2004 zeigte das Fine Arts Museum San Francisco seine große Retrospektive ‚The Child‘.
Gregor Seyffert (Choreografie) studierte an der Staatlichen Ballettschule Berlin bei Martin Puttke. 13 Jahre tanzte er als Solist an der Komischen Oper Berlin. 1988 arbeitete er in New York mit dem American Ballet Theater unter der Leitung von Mikhail Baryshnikov zusammen.
1996 gründet er ‚Gregor Seyffert & Compagnie Berlin‘, mit der er im selben Jahr als offizieller deutscher Kulturbeitrag zu den Olympischen Spielen in Atlanta eingeladen wurde. 2004 entstand die erste eigene abendfüllende Produktion ‚Das Paradies und die Peri‘ in Kooperation mit dem Schumannfest Düsseldorf (Ausstattung, Kostüme, Video: Gottfried Helnwein).
Zwischen 2004 und 2009 leitete Gregor Seyffert als künstlerischer Direktor die ‚Gregor Seyffert Compagnie Dessau‘. In dieser Zeit entstanden zahlreiche abendfüllende Werke wie ‚Der kleine Prinz‘ (2005), ‚Tango Palast‘ (2007), ‚Peri – Ein Engel zwischen Himmel & Erde‘ (2008) oder ‚In 80 Tagen um die Welt‘ (2009). Das Cross-Genre-Spektakel ‚Marquis de Sade‘ wurde 2006 im Kraftwerk Vockerode uraufgeführt.
Hila Baggio (Das Kind) studierte an der Rubin-Musikakademie der Universität Tel Aviv und wurde anschließend Mitglied im Opernstudio der Israeli Opera Tel Aviv. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, u.a. belegte sie beim prestigeträchtigen Belvedere-Wettbewerb in Wien den 2. Platz.
Seit 2002 ist sie an der Israeli Opera tätig, zu ihren Rollen gehören Olympia in ‚Les Contes d‘Hoffmann‘, die Titelpartie in Janáčeks ,Das schlaue Füchslein‘, Despina in ‚Così fan tutte‘ und Rosina in ‚Il barbiere di Siviglia‘.
Ira Bertman (Die Mutter) wurde in Lettland geboren und war ebenfalls Mitglied des Opernstudios an der Israeli Opera, bevor sie 2001 ins Ensemble kam. Zu ihrem breiten Repertoire in Tel Aviv gehören Konstanze in ,Die Entführung aus dem Serail‘, die Titelpartien in ,Rusalka‘ und ,Suor Angelica‘, Pamina in ,Die Zauberflöte‘, Tatjana in ,Eugen Onegin‘, Valencienne in ,Die lustige Witwe‘ und Antonia in ,Les Contes d‘Hoffmann‘. Adina in ,L‘elisir d‘amore‘ sang sie auch bei einem Gastspiel der Israeli Opera an der Deutschen Oper Berlin.
Bracha Kol (Eine für die Liebe geborene Frau) singt seit 2001 an der Israeli Opera u.a. Olga in ,Eugen Onegin‘, Sesto in ,Giulio Cesare in Egitto‘, den Fuchs in ,Das schlaue Füchslein‘ und Angelina in ,La Cenerentola‘.
Mit dem Dirigenten Zubin Mehta und dem Israel Philharmonic Orchestra arbeitete sie als Flora in ,La Traviata‘ und Page in ,Salome‘ zusammen. 2008 debütierte sie beim Maggio Musicale in Florenz als Mercédès in ,Carmen‘ unter Zubin Mehta.
Guy Mannheim (Der Vater/Der Gouverneur) wurde beim Wiener Belvedere-Wettbewerb 2005 und beim Internationalen Gesangswettbewerb der Kammeroper Schloss Rheinsberg 2009 ausgezeichnet. Er gab kürzlich als Diomedes in ‚Penthesilea‘ sein Debüt an der Oper Frankfurt.
An der Israeli Opera singt der Tenor seit 2004 u.a. Joe in ,La fanciulla del West‘, Valzacchi in ‚Der Rosenkavalier‘ und die vier Dienerrollen in ,Les Contes d‘Hoffmann‘. Im Juni 2011 trat er als Siegmund in ‚Die Walküre‘ beim Choriner Musiksommer mit dem Brandenburgischen Staatsorchester auf.
Der Bariton Noah Briger (Der Kommandant/Der Kapitän) singt seit 2001 ein breites Repertoire an Rollen an der Israeli Opera, darunter Monterone in ‚Rigoletto‘, Fiorello in ‚Il barbiere di Siviglia‘, Schaunard in ‚La Bohème‘, Wagner in ‚Faust‘ und Barone Trombonok in ‚Il viaggio a Reims‘. Er ist Träger des Silverman Awards und arbeitete mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta zusammen.
Tief empfundene und bewegende Musik.
Opera Today
Dies ist eine Oper aus dem Reich der Emotion, die auf die Sinnlichkeit des Klanges und die Schönheit der Poesie setzt. Einfach faszinierend.
Yediot Achronot
,The Child Dreams‘ ist ein aufbauendes Werk, das es verdient, außerhalb Israels gewürdigt zu werden.
Opera Today
19.00 Uhr, Einführung im Foyer
Oper in vier Teilen von Gil Shohat
Libretto von Gil Shohat und Omri Nitzan
nach dem Theaterstück von Hanoch Levin
In hebräischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Auftragswerk der Israeli Opera Tel Aviv
Uraufführung: 18. Januar 2010, Performing Arts Center Tel Aviv
Freitag, den 04.05.2012, 19.30 Uhr
Großes Haus
| Musikalische Leitung | David Stern |
| Inszenierung | Omri Nitzan |
| Bühne / Kostüme | Gottfried Helnwein |
| Bewegung / Choreografie | Gregor Seyffert |
| Licht | Avi Yona Bueno |
| Mit: | |
| Das Kind | Hila Baggio |
| Die Mutter | Ira Bertman |
| Eine für die Liebe geborene Frau | Bracha Kol |
| Eine tröstende Frau | Efrat Ashkenazi |
| Der Vater / Der Gouverneur | Guy Mannheim |
| Der Kommandant / Der Kapitän | Noah Briger |
| Verkrüppelter Junge | Yaniv d' Or |
| Totes Kind | Einat Aronstein |
| Beamter der Einwanderungsbehörde | Sorin Semilian |
| Blutender Mann | Rami Baruch |
| Ein schockierter Beobachter | Vladimir Braun |
| Ensemble | Yael Levita |
| Rinat Goldman | |
| Revital Raviv | |
| Efrat Ashkenazi | |
| Anastasia Klevan | |
| Sharon Dvorin | |
| Karin Shifrin | |
| Ayala Zimbler | |
| Limor Ilan | |
| The Israel Symphony Orchestra Rishon LeZion | |
Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden 30 Minuten, eine Pause
Lucia Zimmermann
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The Child Dreams (Kinderträume) © Lena Obst












