Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten und Veranstaltungen in unserem Archiv

vom 9. bis 11. juni 2011 in Berlin

Internetseite zum 6. Kulturpolitischen Bundeskongress freigeschaltet

Staatsminister Neumann hält Eröffnungsvortrag

Die Digitalisierung verändert den Alltag der Menschen und die Kultur der Gesellschaft. Diese Veränderungen verlangen nach einer Neudefinition zentraler Codes der modernen Zivilgesellschaften wie Freiheit, Kultur, Eigentum, Muße, Privatheit und Öffentlichkeit.

Es geht um neue Formen der gesellschaftlichen Teilhabe und um die Frage, ob traditionelle Formen von Partizipation und Präsentation verschwinden. Auch die Kulturpolitik ist davon betroffen und muss nach neuen Antworten und Lösungsmöglichkeiten suchen. Der 6. Kulturpolitische Bundeskongress wird diesen Fragen nachgehen.

In sieben Panels und zehn Foren diskutieren u.a.: Dr. Inke Arns, Dortmund | Markus Beckedahl, Berlin | Dr. Mercedes Bunz, London | Prof. Dr. Oliver Castendyk, Berlin | Amelie Deuflhard, Hamburg | Axel E. Fischer, MdB, Berlin | Dr. Volker Grassmuck, Berlin | Prof. Monika Grütters, MdB, Berlin | Prof. Dr. Georg Hajdu, Hamburg | Dr. Jeanette Hofmann, Berlin | Prof. Dr. Heiner Keupp, München | Dr. Till Kreutzer, Hamburg | Andreas Lange, Berlin | Sibylle Lichtensteiger, Lenzburg | Geert Lovink, Amsterdam | Kathrin Passig, Berlin | Dr. Lisbet Rausing, London | Prof. Tim Renner, Berlin | Pavel Richter, Berlin | Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, Leipzig | Prof. Dr. Gerhard Schulze, Bamberg | Dr. Helga Trüpel, MdEP, Brüssel | Prof. Dr. Claudia Wegener, Potsdam, und Olaf Zimmermann, Berlin.

Den Eröffnungsvortrag hält Staatsminister Bernd Neumann, MdB.

Der Sechste Kulturpolitische Bundeskongress wird veranstaltet von der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. und der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH.

vom 9. bis 11. juni 2011 in Berlin

Die Zukunft der Kultur ist digital. Einerseits – andererseits
Eine kleine Zitatensammlung


»Hier taucht eine Massenkultur am Horizont auf, die mehr als frühere Kulturformen auf Partizipation und Kooperation beruht, sich um Suchen, Handeln, Teilen, Machen, Verändern dreht. Sie stimuliert, weil Menschen hier aktiv Teilhabende und Erschaffer von Kultur werden statt bloß Empfänger.«


Charles Leadbeater, Publizist, Trendforscher, Berater der britischen
Regierung (2010)


»Durch den Amateurkult wird es immer schwieriger, den Unterschied zwischen
Leser und Schriftsteller, Künstler und Medienmacher, Amateur und Fachmann
zu erkennen. Das Ergebnis? Ein Verfall der Qualität und Verlässlichkeit unserer
Informationen und eine Verzerrung, wenn nicht gar völlige Zerstörung der
staatsbürgerlichen Debatte in unserem Land.«


Andrew Keen, Publizist (2007)


»… das Internet, einst als Medium radikaler Demokratie gefeiert, (könnte) langfristig in Aufmerksamkeitsinseln zerfallen und den Nährboden der Demokratie, den Raum geteilter Erfahrung, zerfressen. Die Personalisierung verpuppt in seiner Sicht immer mehr Menschen in widerspruchslose Informationskokons, wo sie nur ihnen genehme Bruchstücke der Realität wahrnehmen und Fremdes bald nicht mehr integrieren können. Nerds unterhalten sich mit Nerds, Sozialstaatskritiker mit Sozialstaatskritikern, Hobbygärtner mit Hobbygärtnern – anderer Austausch findet kaum statt.«


Thomas Thiel, Cass Sunstein, Berater von US-Präsident Barack Obama,
zitierend (2010)


»Der digitale Strukturwandel der Öffentlichkeit vollzieht eine zweite Aufklärung, er leistet das, was die erste Aufklärung mit ihrem publizistischen Imperativ (Immanuel Kant) für die Druckkultur geleistet hat: abermals transzendiert Medientechnik die Bedingungen der Möglichkeit für Publizität.«


Frank Hartmann, Kommunikationstheoretiker (2010)


»Wenn täglich Hunderte von Mails gelesen und beantwortet werden müssen, kann von einer ‚Tyrannei der kleinen Entscheidungen‹ längst nicht mehr die Rede sein. Es ist viel schlimmer.«


Geert Lovink, Medienwissenschaftler (2010)


»Wer für andere Netzwerkmitglieder attraktiv sein möchte, muss kontinuierlich
interessanten Input liefern, Das erfordert – selbst bei hoch entwickelten Fähigkeiten zum Multitasking – doch einen erheblichen Teil der verfügbaren Freizeit, die dann für andere Aktivitäten nicht mehr zur Verfügung steht.«


Gerhard Franz, Medienforscher (2010)


»Im Kern aller Kritik am Medienwandel lebt die Klage über den Verlust der
Konzentration im unmittelbaren Leben: Ablenkung, Verführung, Verdummung.
Doch was sich als Sorge um eigentlich Menschliche ausgibt, ist – zumindest auch
– die Angst vor Macht- und Kontrollverlust.«


Ludwig Hasler, Publizist und Philosoph (2010)


»Digitalisten, besonders wenn sie Computerspiele verteidigen (11 Milliarden Euro Jahresumsatz weltweit), stellen sich gern als die Verfolgten eines Kultur-Estabishments dar, das ihnen immer dann mit Dünkel gegenübertrete, wenn der bildungsbürgerliche Kanon durch eine neue Kulturtechnik bedroht scheine.«


Susanne Gaschke, Publizistin (2010)


»In der virtuellen Welt werden Ressourcen tendenziell unendlich – ein einziger
Befehl kann ganze Kathedralen, Paläste, Planeten, Spezies entstehen und vergehen lassen, Knappheiten und Überflüsse verkehren sich in ihr Gegenteil. Wir können unglaubliche Schlösser bewohnen, Planeten vernichten, Atomkriege
auslösen – und schauen, was passiert, in 3D und Farbe, Infernos, unlimited.«


Matthias Horx, Trend- und Zukunftsforscher (2010)


»Am Anfang des Internets stand die große Hoffnung auf eine neue, bessere Welt. Virtuelle Paradiese wurden ersonnen, eine noch nie da gewesene Freiheit und die Überwindung des Körpers erträumt. Statt der erhofften Freiheit haben wir heute Möglichkeiten zur totalen Überwachung – und virtuell geführten Kriegen mit realen Toten.«


Florian Rötzer, Journalist (2010)


»Angesichts einer vernetzten Zukunft, die der Zerstreuung und nicht der Fokussierung, dem Automatischen statt dem Überlegten den Vorrang zu geben scheint, ist es an der Zeit, die Pause-Taste zu drücken und nach dem zu fragen, was dies alles für die Zukunft unserer Arbeit, unseres Lebens, ja gar unserer Spezies bedeutet.«


Douglas Ruskoff, Medienwissenschaftler, New York, (2010)


(zusammengestellt von Norbert Sievers)

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