Gesellschaft Freunde der Künste

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offener brief

In Hagen wird sich totgespart

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Sehr geehrte Damen und Herren des Rates,

die positive Kulturentwicklung in Hagen ist ohne die fast hundertjährige Theatergeschichte undenkbar. Im Vergleich zu allen anderen Städten in der Region liegt die Finanzierung Ihres Theaters an der untersten Grenze.

Trotzdem erhält die Hagener Bevölkerung ein vielfältiges und hervorragendes Angebot verschiedener Kunstgattungen. Dies haben Sie in erste Linie dem besonderen Einsatz und den Opfern aller Mitarbeiter unter verschiedenen Leitungen dieses Institutes zu verdanken, die mit großer Leidenschaft ihren Beruf ausüben.

Mehrmals hat Ihr Theater Einsparungen über sich ergehen lassen und trug dabei - wie kaum ein anderes Amt Ihrer Stadt - einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung bei. Die Gagen der Ensemblemitglieder in Hagen gehören mit Abstand zu den geringsten in Deutschland. Eine nochmalige Zuschussreduzierung - die beabsichtigt ist - wird automatisch zum Abbau des Angebots, der Qualität und zu Einnahmenverlusten führen. Ein Teufelskreis wird ausgelöst, der das Ende des Theaters einläutet - ein irreparabler Schaden des kulturellen Lebens in Hagen!

Ihre sehr erfolgreiche, überregionale Beachtung genießende Tanzsparte unter der Leitung von Ricardo Fernando schließen zu wollen, wird bundesweit zu einer Blamage für Hagen führen. Auf eine Sparte, die viele Anhänger hat und eine sehr gute Auslastung nachweist, kann nicht einfach verzichtet werden. Ein späterer Wiederaufbau bei einer besseren Finanzsituation der Stadt ist politisch nicht mehr durchsetzbar. Vermeiden Sie bitte diese unverzeihliche Sünde und halten Sie an Ihrer einzigartigen und besonderen Tanzsparte, die Sie in dieser Form und diesem Zustand nie wieder bekommen, fest.

Zu den Grundversorgungen eines Theaters gehört selbstverständlich eine auskömmliche Finanzierung seitens der Stadt. Eine dauernde Debatte über Einsparungen lenkt von der eigentlichen Aufgabe des Theaters ab. Wenn die Stadt Hagen glaubt, ihre problematische Finanzsituation durch mehrmalige Einsparungen im Theater lösen zu können, dann begeht sie ein Vergehen gegenüber dieser Institution und verkennt die Realität. Die Folgen für die Kultur in Ihrer Stadt wären unverantwortbar.

Wie soll das Theater mit solchen finanziellen Sorgen planen und erfolgreich sein? Ein Theater, das Qualität einbüßt, verliert auch Zuspruch. Die Folge sind Mindereinahmen, die wiederum zu mehr Einsparungen führen. Diesem Teufelskreis können Sie nur begegnen, indem Sie Ihren Verpflichtungen nachgehen und die notwendige Finanzierung sichern.

Mit Ihrem Theater haben Sie nicht nur einen Standortfaktor-Vorteil für Ihre Stadt und die dort lebenden Menschen, sondern auch eine wichtige Säule für die Bildung, in die investiert werden sollte und muss. Gerade in schwierigen Zeiten sind Sie als Politiker gefordert Entscheidungen mit Weitsicht zu treffen. Vergessen Sie nicht, dass die Existenz aller Mitarbeiter des Theaters und deren Familien, die eine wertvolle Aufgabe für unsere Gesellschaft erfüllen, von Ihrem Handeln abhängt.

Ein klares „JA“ für Ihr Theater wird sich auszahlen! Die letzten 100 Jahre sind ein Beleg dafür. Einer Bürgerinitiative haben wir den Aufbau ihres Theater zu verdanken. Wollen Sie als Totengräber des Theaters in Erinnerung bleiben? Wir hoffen und wünschen es nicht.

Wir brauchen mehr Kultur und nicht weniger!

Wir wünschen Ihnen und uns weise Entscheidungen!

Mit freundlichen Grüßen

Adil Laraki

GDBA Landesverbandsvorsitzender