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Armut und Hoffnungslosigkeit im heutigen, authentischen Amerika

IM KINO - Wendy und Lucy - Amerika ohne soziales Netz ist ein Ort ohne Hoffnung

Die obdachlose Wendy fährt in einem alten Honda mit ihrer heißgeliebten Hündin Lucy nach Alaska, wo sie auf einen Job hofft. Eine Autopanne zwingt sie zum unfreiwilligen Zwischenstopp im urbanen Niemandsland von Oregon, wo sie mittellos strandet. Ihr Versuch Hundefutter zu klauen, endet postwendend in Polizeigewahrsam, währenddessen die unbewachte Lucy verschwindet. Verzweifelt sucht Wendy nach ihr und erhält dabei lediglich von einem alten Parkplatzwächter Unterstützung.

KRITIK:

Amerika ohne soziales Netz ist ein Ort ohne Hoffnung. So muss es Michelle Williams in Kelly Reichardts bedrückendem, minimalistischen Independent-Drama feststellen.

Nach vielen Beispielen, in denen sich das US-Indie-Kino als sehr hollywoodaffin und gefällig zeigte, tauchen jüngst wieder Filme auf, die sich auf alte Stärken berufen und einer kleinen Gegenbewegung gleichkommen. Darunter befindet sich etwa "Shotgun Stories", und der von Independent-Ikone Todd Haynes ("I'm Not There") produzierte dritte Film von Kelly Reichhardt ("Old Joy"), die mit Michelle Williams ("Bokeback Mountain") ein fabelhaftes Gesicht fand, das Armut und Hoffnungslosigkeit im heutigen, authentischen Amerika trotzt.

Als Wendy steht die ehemals mit dem verstorbenen Heath Ledger verlobte Williams ganz am Rande der Gesellschaft. Alle Türen bleiben ihr verschlossen, sie wohnt fast mittellos in einem alten Honda. Allein ihre Hündin Lucy steht ihr nahe. Auf ihrer Fahrt nach Alaska, wo sie auf einen Job hofft, strandet sie nach einer Autopanne im abweisenden urbanen Niemandsland irgendwo in Oregon.

 Der Beginn einer Pechsträhne: Als sie Hundefutter für Lucy klaut, wird sie erwischt. Während sie sich in Gewahrsam befindet, verschwindet Lucy. Außer einem alten Parkplatzwächter hilft ihr später niemand bei der verzweifelten Suche nach dem einzigen Lebewesen, das ihr emotionalen Rückhalt gibt in einer menschlich erschreckend kalten Stadt, in der sie keinerlei Unterstützung findet.

 Die Kosten für die Reparatur ihres Wagens übersteigen ihre finanziellen Möglichkeiten bei weitem und so steht am Ende ein schmerzhafter Abschied an.

Kelly Reichardt bleibt ihrem asketischen Stil treu und erzählt ihre Geschichte ausgeprägt reduziert. Sie beschreibt mehr einen Zustand - und der ist kein behaglicher. Inspiriert von Hurrikan Katrina stellt sie bedrückende Fragen: Wie man ohne soziale Absicherung in den USA überleben kann, aber auch, ob die Gesellschaft noch zusammenhält, oder jeder auf sich gestellt ist.

Die großartige Michelle Williams stellt sich als Wendy diesen Bedingungen mit kämpferischer Würde, aber findet keinen Ausweg aus der Abwärtsspirale in einer feindlichen Welt, die eher an Wildnis denn an Zivilisation gemahnt. tk.

 

Drama - USA 2008
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren - 80 Min. - Verleih: Peripher
www.kino.de