Während sich die Herrenchiemsee-Festspiele 2008 (»Zeitenwende«) und 2009 (»Stilleben. Nature morte«) politisch-historischen bzw. ökologisch-kulturellen Themen verpflichteten, widmet sich das Programm der Saison 2010 wieder König Ludwig II. und seinem Schloss auf der Herreninsel. Ausgangspunkt der Erwägung war dabei die eigentümliche Doppelgesichtigkeit seiner Architektur: Zum einen als übersteigertes Abbild eines extrovertierten Macht- und Repräsentationsbewusstseins in der Baugesinnung von Versailles. Zum anderen als unzugängliche »Festung der Einsamkeit«, als Traumrefugium einer verstörten Seele.
Licht und Schatten solcher Allmachts-Träume äußern sich signifikant in den beiden Opern-Hauptwerken der Festspiele, im Sonnenkönigtum von Mozarts Zauberflöte und seinem Gegenpol im Reich der Königin der Nacht; aber auch im Antagonismus zwischen dem leichtlebigen Herzog und seinem tragischen Schatten Rigoletto in Verdis gleichnamiger Oper. Imperiale Fest- und Trauermusiken sind ebenso Teil des umgebenden Programm-Konzeptes wie die Nachtstücke und Schattenreiche romantischer Klang-Fantasie.
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