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In der Herrenabteilung eines Kaufhauses......

Herrenbestatter (UA) von Theresia Walser bis zum 30.12.2010 in Mannheim

In der Herrenabteilung eines Kaufhauses: Es ist der letzte Arbeitstag von Herrn Ellenbeck, einem Verkäufer, der seit über 20 Jahren dort arbeitet und nun, ein paar Jahre vor seiner Rente, gekündigt worden ist. An Ellenbecks Seite steht bereits sein junger Nachfolger, Herr Lenz, der sich, obschon er Ellenbecks Korrektheit belächelt, vor einer ähnlichen Zukunft fürchtet.

Gemeinsam müssen sie diesen letzten Tag an der „Front“ verbringen, wo sich nicht viele Kunden blicken lassen, zumal das Kaufhaus seine besten Zeiten hinter sich hat und Gerüchte von Insolvenz ebenso die Runde machen wie die Nachricht, im obersten Stockwerk würden die Regale bereits nicht mehr aufgefüllt.

Trotz alledem kommt Frau Irrwein, die Abteilungsleiterin, mit immer abstruser werdenden Verkaufsideen daher und versucht, ihre Mitarbeiter zu „Munterkeitssoldaten“ zu erziehen, die ihre Waren mit einer so grotesken Sprache anpreisen sollen, dass man beim besten Willen nicht mehr weiß, worum es sich handelt. In dieser tolldreist versinkenden Welt ziehen allerhand Gestalten durch die Kaufhausflure: Eine junge Frau, die für ihren toten Vater einen Anzug kaufen möchte, ein Ehepaar, das nach einer Hose für ihn sucht und dabei einen Kleinkrieg anzettelt, der sich am Ende gegen die Verkäufer wendet, bis hin zu einer männlichen Kassandra, die mit apokalyptischer Lust den Untergang unserer gefräßigen Warenwelt vorhersagt.

Ungeachtet all dieser Turbulenzen steht mittendrin Ellenbeck mit stoischer Haltung, der hier seinen letzten Tag verbringt und so, als sei nichts Besonderes, seine Kunden wie stets zuvorkommend behandelt, obwohl dieser Beruf seine einzige Leidenschaft ist, und er jetzt vor dem Nichts steht.

Herrenbestatter ist nach Ein bißchen Ruhe vor dem Sturm und Monsun im April das dritte Stück, das Theresia Walser für das Nationaltheater schreibt.

Pressestimmen

„Burkhard C. Kosminski, der „Herrenbestatter“ jetzt im Mannheimer Nationaltheater erstmals auf die Bühne bringt, setzt ganz auf die komischen Effekte des Stücks. […] Seine Entscheidung, aus „Herrenbestatter“ eine zeitgemäße Insolvenz-Burleske zu machen, ist verständlich und klug. […] Die Kunden des Kaufhauses haben kein Geld mehr, die Angestellten keine Würde, die Manager keine zündenden Ideen – und das Unternehmen keine Zukunft. Wenn alle dennoch so tun, als seien noch irgendwelche großartigen Ziele zu erreichen, wirkt das sowohl sehr komisch als auch sehr bitter. Dem Ensemble gelingt es, beides zugleich spüren zu lassen. Die Schauspieler denunzieren ihre Figuren nicht: Selbst hinter den grotesken Selbsttäuschungen und clownesken Hampeleien verstehen sie noch eine Portion Existenzangst zum Vorschein zu bringen.
Die Welt, 22.12.2009

„Kosminski macht aus der Kaufhaus-Untergangs-Komödie ein fröhliches Endspiel an der Kundenfront. Die 90 Minuten machen also viel Spaß. Sven Prietz gibt den Nachwuchsverkäufer Lenz als wuseligen Torero, der mit der Modefarbe Gelb die Kundschaft reizt. Anke Schubert spielt die Abteilungsleiterin Frau Irrwein als somnambule Umsatzstrategin und Rolltreppenbeschleunigerin. Reinhard Mahlberg ist ein bauernschlau abgebrühter Investoren-Romantiker. Gabriela Badura und Jacques Malan ein von Abhängigkeit, Hass und vielen Jahren ineinander verbissenes Mutter-Sohn-Gespann im fortgeschrittenen Alter. Auch die junge Frau (Jenny König) und Herr Sims (Hans Fleischmann) sind als Kundschaft keine leichten Fälle. […] Vielleicht könnte Herr Ellenbeck ja alle retten, aber der hat ja leider seinen letzten Tag. Peter Rühring spielt diesen Herrenbekleidungs-Ritter von der traurigen Gestalt so wunderbar, dass man ihm gern noch ein Weilchen gegönnt hätte.“ Die Rheinpfalz, 21.12.2009

„In „Herrenbestatter“ erweist sich Theresia Walser als Matadorin des gehobenen Boulevards, indem sie zeigt, dass Untergangsstimmung und Humor genauso miteinander verwandt sind wie Unglücksraben und Spaßvögel. Der Mannheimer Schauspiel-Chef Burkhard C. Kosminski sorgt in seiner weitgehend realistisch angelegten Inszenierung dafür, dass die schwarzhumorige Boulevard-Mechanik immer schön weiterrotiert – ganz so wie die Kaufhausdrehtür am linken Bühnenrand […]“ Rhein-Neckar-Zeitung, 21.12.2009

„Sprachpoesie, Humor und starke Schauspieler: Das neue Stück „Herrenbestatter“ der Dramatikerin Theresia Walser (42) ist am Freitagabend am Mannheimer Nationaltheater mit großem Beifall aufgenommen worden.“
dpa, 21.12.2009

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