Lieber Harald Schmidt,
hatte ich doch kürzlich das Vergnügen Ihre Ko-Regie (mit Christian Brey) in der Düsseldorfer Oper bewundern zu dürfen. Sie haben genau den Ton getroffen, den Ihre treue Anhängerschaft von Ihnen erwartet hatte, so groß war der Jubel der angereisten Massen. Vorbereitet durch Ihre Rolle beim "Traumschiff" wurde die Generation ZDF keineswegs durch "Regie-Theater" vergrätzt, sondern konnte mit (J)Opi Heesters und des Führers Lieblingsstück einer Schmonzette in allerbester 70er ZDF-Fernsehshow-Manier einen wirklich netten Abend verbringen.
Böse überrascht wurden nur diejenigen, die den anderen Harald Schmidt kennen und schätzen, vielleicht sogar etwas wie seine herrlich Monty Python-hafte Inszenierung des "Prinzen von Dänemark" erwartet hatten. Nur selten blitzten kleine Gemeinheiten und Seitenhiebe auf seine ehemalige Wahlheimat auf, größtenteils war es eher eine etwas lahme Klamotte. Trotzdem waren auch die wenigen jungen Bank-Azubis diesseits der 60 die sich ins Publikum verirrt hatten gaaanz begeistert.
Musik, Bühnengestaltung und Kostüme waren ordentlich, wenn auch durchaus nicht überragend. Besonders die Bühnengestaltung bewegte sich immer am Rande des Kitschs, wenn das teilweise sicherlich auch so gedacht war. Ich sage nur: "Keith Hering". Die Choreographie der Tänzer erinnerte stark ans Fernsehballett der DDR, für dessen Persiflage (Funkenmariechen) reichte es aber nicht.
Ich rechne Ihnen hoch an, dass Sie Ihren mittlerweile nicht mehr ganz so guten Ruf vor den Karren einer wirklich erhaltenswerten Institution gespannt haben. Schließlich ging es ja um nichts weniger als die Rettung der Oper mittels "1000fach ausverkauften Vorstellungen". Ob man da an den Erfolg den Franz Lehár seinerzeit hatte noch mal anknüpfen kann?
Wer Spaß an einer Operette hat und vielleicht sogar mitsingen kann: LIPPEN SCHWEIGEN, S´FLÜSTERN GEIGEN: HAB´MICH LIEB! … und gerne mal einen Klatschmarsch mitmacht, wer also einen "wirklich netten Abend" mit seiner Schwiegermutter verbringen möchte, dem sei angeraten schnell noch eine Karte zu besorgen und unter den Weihnachtsbaum zu legen.
Dies dürfte kein Problem sein, schließlich hat die Opernleitung sich zum Erfolg verdammt und alleine in dieser Spielzeit noch 25 Aufführungen eingeplant.
Ob das auf diese Weise gelingt, wage ich aber zu bezweifeln. Dann schon lieber eine richtige Oper, mutig inszeniert wie die Salome in Düsseldorf oder gar Amsterdam.
Zum Schluss ein Zitat aus "DIE ZEIT" von 1910:
Nicht selten wird uns der Vorwurf gemacht, dass wir uns bereichert hätten. Mein Gott, nach einer gewissen Unabhängigkeit strebt doch jeder Mensch, und wenn ich in Stellung wäre, würde ich doch nicht so ruhig und nicht so sorgfältig selbstkritisch schaffen können, als dies jetzt der Fall ist, und wenn ich Geld verdiene, verdienen es hunderte andere auch durch mich…. (Nein nicht Harald Schmidt, das schrieb Franz Lehár.)
Autor: Marco Huppertz
Termine: 12. 17. 23.01.2010 im Opernhaus Düsseldorf
und weitere Termine in März, April, Mai im Theater Duisburg
Dauer: ca. 2 1/2 Stunden, eine Pause
Preise: 16,80 - 75,10 €
Link: http://www.operamrhein.de/index.php?page=events&highlight=calendar&sub=detail&id_event_date=6662424
FOTO Hans Jörg Michel
Bildunterschrift: Christian Brey und Harald Schmidt

