Seine Heldentaten liegen lange zurück, der Augiasstall ist ausgemistet und die Hydra geköpft. Seine zwölf Frondienste hat Hercules, der Sohn des Gottes Zeus und der schönen sterblichen Alkmene, abgeleistet, die Menschheit von Plagen erlöst. Aber dem Fluch Heras, der beleidigten Göttergattin, kann der tragische Halbgott nicht entkommen.
Sie schlägt Hercules’ Gattin Dejanira mit Eifersucht, als der untreue Mann von einem Kriegszug die junge Prinzessin Iole, die ihm einst als Braut versprochen war, als Konkubine heimführt. Doch der Liebeszauber, den Dejanira an Hercules versucht, erweist sich als fatale Rache Heras. Tödliches Gift frisst sich in den Körper des Helden. Der letzte Tag im Leben des Hercules: Eine Passion.
Nachdem Georg Friedrich Händel das Kapitel der italienischen Oper in seinem Schaffen abgeschlossen hatte – das Genre war in London in eine Krise geraten – schuf er eine neue, ganz eigene Form des englischsprachigen musikalischen Dramas, in dem er verschiedenste Musiktraditionen wie Opera seria, Psalmenvertonungen, deutsche Passionen, französische Tragédie lyrique und englische Chorsätze (die sogenannten „Anthems“) miteinander verschmolz. Die lange gebräuchliche Gattungsbezeichnung „szenisches Oratorium“ trifft nicht wirklich.
Schon die Uraufführung am 5. Januar 1745 im King’s Theatre war „dekoriert in der Manier einer Krönungszeremonie“, wie Zeitgenossen schrieben. Auch wenn Händels Librettist, der Geistliche Thomas Broughton, das Sujet, das er der Tragödie „Die Trachinierinnen“ von Sophokles und den „Metamorphosen“ des Ovid entnahm, deutlich verharmloste, handelt es sich um ein veritables musikalisches Drama.
Nachdem das Team um Hilsdorf und den Dirigenten Jos van Veldhoven (Bühne: Dieter Richter, Kostüme: Renate Schmitzer, Chöre: Alexander Eberle) vor drei Jahren mit Händels „Semele“ erstmals ein solches Barockspektakel auf der Aalto-Bühne mit enormem Erfolg realisierte, liegt es nahe, erneut ein Werk Händels mit solcher meisterhaften Mischung von opernhaften und oratorischen Elementen und kraftvoller musikdramatischer Gestaltung szenisch fruchtbar zu machen.
Produktionsteam und Gäste:
Jos van Veldhoven (Musikalische Leitung) wurde im niederländischen Herzogenbusch geboren und studierte Musikwissenschaften an der Rijksuniversiteit Utrecht, und Chor- und Orchesterleitung am Koninklijk Conservatorium in Den Haag. Seit 1983 ist er als künstlerischer Direktor von The Netherlands Bach Society tätig. Seit 1976 dirigiert er darüber hinaus das von ihm gegründete Utrechts Barok Consort. Regelmäßig ist Jos van Veldhoven zu Gast bei Orchestern wie dem der Beethovenhalle Bonn, The Tokyo Philharmonic Orchestra, Telemann Chamber Orchestra, den Essener Philharmonikern.
In den vergangenen Jahren hat sich van Veldhoven mit Aufführungen „neuen” Repertoires innerhalb der Alten Musik einen Namen gemacht, u. a. mit Oratorien von Telemann und Graun, Vespern von Gastoldi, Rekonstruktionen von Bachs Markuspassion, der so genannten Köthener Trauer-Musik. Van Veldhoven dirigierte zahlreiche Premieren von Barockopern, u.a. von Mattheson, Keiser, Legrenzi, Conti und Scarlatti. Er ist als Dozent für Chorleitung am Konservatorium Amsterdam und am Koninklijk Conservatorium Den Haag tätig.
Gemeinsam mit dem Regisseur Dietrich Hilsdorf arbeitete Jos van Veldhoven seit 2001 an einem Zyklus inszenierter Händel-Oratorien an der Bonner Oper und brachte außerdem in der Saison 2007/08 am Aalto-Theater Händels „Semele“ zur Premiere.
Michaela Selinger (Dejanira) ist Österreicherin und studierte Gesang u.a. bei Ks. Walter Berry und Ks. Robert Holl an der Universität Wien. Von 2005-2010 war die Mezzosopranistin festes Mitglied der Wiener Staatsoper. Dort war sie u.a. als Cherubino in „Le nozze di Figaro“, Rosina in „Il barbiere di Siviglia“, Komponist in „Ariadne auf Naxos“, Magdalene in „Die Meistersinger von Nürnberg“ und als Siébel in der Neuproduktion von Gounods „Faust“ zu hören. Darüber hinaus gastiert(e) sie u.a. bei den Züricher Opernfestspielen (Orlofsky in „Die Fledermaus“) und den Salzburger Festspielen. Bei Konzerten und Opernaufführungen musizierte sie mit Dirigenten wie Bertrand de Billy, Kirill Petrenko, Christian Thielemann, Bertrand de Billy und Riccardo Muti. Seit der aktuellen Saison ist sie festes Ensemblemitglied des Aalto-Theaters, wo sie 2008/09 als Octavian debütierte und außer der Dejanira in Kürze zwei weitere große Partien ihres Fachs übernehmen wird: Dorabella in Mozarts „Così fan tutte“ und Romeo in Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“.
Auführungen bis zum 13.2.2011
Kontakt
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