Schon als Kind hatte Günther Uecker eine innige Beziehung zu Papier. Das erzählt er in dem Film „works on paper“, der am Freitagabend zum ersten Mal in der Galerie Geuer & Breckner gezeigt wurde. Er erzählt von Liebesbriefen, die er dann doch lieber zerknüllt hat, ohne sie abzuschicken und von der Scham seiner Gefühle als Jugendlicher.
Neben dem Film von Michael Kluth, Fotos von Uecker bei der Arbeit und scheinbar bunt-verspielten Aquarellen werden sieben neue Werke mit dem Titel „Kalender“ noch bis zum 19. April in der Galerie gezeigt. Beeindruckend und auf eine wunderbar anschauliche Weise zeigt Kluths Film, wie Günther Uecker das neue Mappenwerk „Kalender“ in der Schweiz geschaffen hat. Nicht zart und leicht ist der Umgang mit dem Papier, sondern körperliche Schwerstarbeit: Uecker steht über einer Holzplatte gebeugt und hackt wuchtig mit einer Axt vertikale Linien in das Material, das später auf Papier gedruckt wird. Ein anderes mal strichelt er fast zärtlich mit dem groben Werkzeug feine Linien. Auch seine berühmten Nagelarbeiten werden in Papier gebannt – mit Prägedrucken. Sie zeichnen sich hell und plastisch gegen die arbeitsintensiven, konzentrierten Lithographien ab, die Uecker gemeinsam mit seinem Lithographen in der Schweiz immer und immer wieder überarbeitet, bis auch das letzte Pünktchen Schwärze genau an seinem Platz sitzt. Auch hier fasziniert die Körperlichkeit, die Arbeit mit der Presse. Beeindruckend wird auch die Herstellung des Büttenpapiers von Ueckers Papiermacher Heini Schneider gezeigt, das Schöpfen, Pressen und Trocknen. Der Clou des Regisseurs bei diesen Szenen: Kluth hat die intensive Arbeit nicht mit Hintergrundmusik versehen, sondern lässt die Stimmen, das Schnauben, Reißen, Knittern, Hacken oder das Ächzen der Presse für sich Sprechen. Der Zuschauer wird so unmittelbar in den Arbeitsprozess mit einbezogen. „Mein Körper spielt für meine Arbeit eine wichtige Rolle“, kommentiert Uecker die Szenen. Seine Füße, Hände und Finger kommen zum Einsatz.
Für diese Arbeiten ist nicht der feine Pinsel sein Werkzeug. Obwohl er auch die leichten Techniken beherrscht, wie seine zarten, scheinbar verspielt wirkenden Aquarelle in der Ausstellung zeigen. Entstanden sind sie ab 1980, als er mit seiner Kunstklasse in einer Psychiatrie arbeitete. Erst bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass es nicht nur grüne, gelbe oder blaue Tupfer und Striche sind. Ein grober Anhaltspunkt in den Aquarellen sind die Landschaften, in denen sich der Düsseldorfer Künstler aufhält.
Uecker selber ist begeistert von dem Film, von dem starken Eindruck über seine Arbeit in der Werkstatt. „Die Handlungen werden zum Bild“, sagt er.
Die Ausstellung „works on paper“ wird noch bis zum 19. April in der Galerie „Geuer & Breckner“, Altestadt 6 - 7, in Düsseldorf gezeigt.
Der Film wird regelmäßig vorgeführt.
Informationen gibt es unter 0211-54 22 13 10 oder www.geuerbreckner.de
Chantal Tajdel

