Erleben Sie ab heute den Start des internationalen Hamburger Theater Festivals auf den großen Bühnen der Stadt! Ab jetzt erwarten Sie jedes Jahr Erfolgsproduktionen renommierter Ensembles. Lassen Sie sich begeistern, und freuen Sie sich auf spektakuläre Inszenierungen mit großartigen Schauspielern im Deutschen Schauspielhaus, im Thalia Theater und im St. Pauli Theater – den diesjährigen Spielstätten des Festivals.
Die Weltoffenheit der Hansestadt und die Neugier der Hamburger auf Theaterkultur aus anderen Städten und Ländern inspirierte zu der Idee, die Festivallandschaft Hamburgs um das internationale Hamburger Theater Festival zu bereichern.
Zeitlich gebündelt im Oktober 2009, können die Hamburger und ihre Gäste gemeinsam die Energie des Theaters spüren, die erfolgreichen Produktionen europäischer Bühnen und die Werke großer Autoren erleben, die unterschiedlichen Handschriften bekannter Regisseure sowie die Spiellust von Schauspielern wie Klaus Maria Brandauer, Ulrich Matthes, Fritzi Haberlandt, Joachim Meyerhoff, Ilse Ritter oder Michael Maertens in Hamburg kennen lernen.
Das Hamburger Theater Festival ist eine rein privat finanzierte Hamburger Kulturinitiative, deren Dank den vielen privaten Förderern und Förderern aus der Wirtschaft gilt. In Hamburg fanden die Künste, lange bevor es eine städtische Förderung gab, ihre treibende Kraft in der privaten Wirtschaft, bei den so genannten Pfeffersäcken, die so manche noch heute bestehende Kultureinrichtung in der Hansestadt errichteten. Dieser Verantwortung sind sich viele Bürger auch heute noch bewusst – nur dadurch wird die Durchführung des Hamburger Theater Festivals möglich.
Das Programm
Die Leiden des jungen Werther
Termin: 12./13. Oktober 2009, 20.00 Uhr
Nach Johann Wolfgang von Goethe. Produktion des Maxim Gorki Theaters, Berlin. Spielort: Thalia Theater. Regie: Jan Bosse. Mit Hans Löw, Fritzi Haberlandt, Ronald Kukulies.
http://www.thalia-theater.de/aktuell
Werther will weg, immer nur weg. Er flieht vor den Konventionen der Gesellschaft, den Erwartungen seiner Familie und vor der Verantwortung. Dem Wunsch seiner Mutter nach beruflichen Aktivitäten, setzt Werther eine ziellose Rastlosigkeit entgegen. Mit unüberwindlichem Abstand und tiefem Zynismus beobachtet er die Geschäftigkeit der Menschen und ist dabei immer auf der Suche nach sich selbst. Tief in seinem Innern aber spürt er eine Leere. Lotte soll diese Lücke füllen, denn allein bei Lotte fühlt er die "Ruhe der Seele".
Dass Lotte mit Albert so gut wie verlobt ist, spielt dabei keine Rolle. Werthers Fluchtinstinkt wandelt sich in eine unbedingte Hingabe. Bis Alberts Anwesenheit Werthers Traum von Erfüllung zerstört. Werther stürzt sich in sinnlose Tätigkeiten und verzweifelt einmal mehr an sich und an der Zeit.
Für Lotte und Albert bleibt der Weg in die bürgerliche Konvention, doch die "romantische Liebe" Werthers wird immer zwischen ihnen stehen. Jan Bosse hat gemeinsam mit der Dramaturgin Andrea Koschwitz aus dem berühmten Briefroman von 1774 eine eigene Theaterfassung gemacht, die, sich ganz auf Goethes Sprache verlassend, die Modernität des klassischen Textes neu erleben lässt.
Annäherung und Distanz, Unterhaltungswut und Besinnungslosigkeit in einer Gesellschaft ohne Werte und Halt kulminieren im Egoismus und der Selbstzerstörung eines verzweifelten Individuums.
Sturm
Von William Shakespeare. Produktion des Burgtheaters Wien.
Termin: 14./15. Oktober 2009, 20.00 Uhr
Spielort: Thalia Theater
Regie: Barbara Frey, Dramaturgie: Joachim Lux, Mit: Johann Adam Oest, Maria Happel und Joachim Meyerhoff
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Prosperos Insel ist ein Nirgendirgendwo, ein Reich der Phantasie: Shakespeares Theater. Prospero, vor Jahren auf einer Insel gestrandet, inszeniert dort ein Stück der Strafe, Buße und Umkehr, will die Figuren seines Lebens für ihre Verbrechen zur Verantwortung ziehen. Doch sie kommen über ihre alten Rollen, die Wiederholung vergangener Verbrechen und Intrigen, nicht hinaus.
Schließlich droht Prosperos Spiel von der Bestrafung in Rache umzukippen. Prospero, der Menschlichkeit sucht, ist in Gefahr, sie selbst zu vergessen und findet ausgerechnet durch einen Luftgeist namens Ariel die Kraft zu Gnade und Vergebung. Diese für ihn übermenschliche Anstrengung verlangt ihm alles ab. Am Schluss zerbricht er, erlöst, erleichtert, aber auch resigniert, seinen Zauberstab, der ihm die Macht gegeben hat, über Zauber und Magie zu herrschen.
In seinem letzten Stück, dem "Sturm", hat Shakespeare erstmals in seinem jahrzehntelangen Schaffen keine literarische Vorlage für seinen Text genutzt, sondern erfand sich selbst eine Welt. In und mit Prospero schafft er eine Konstruktion, die es ihm ermöglicht, den Antagonismus von Tragödie und Komödie aufzuheben.
Diese Welt ist die Insel, das Theater, ein Blick auf die Welt, nicht aber die Wirklichkeit selbst. In der Wiener "Sturm"-Inszenierung gibt es nur drei Schauspieler. Drei zentrale Gestalten – Prospero, Ariel und Caliban – leben in Shakespeares Labor der Phantasie. Sie erfinden und durchleben Machtkämpfe, die bereits auf Becketts elementare master-servant-Konstellation verweisen.
Und sie sehnen sich wie das Erdtier Caliban nach Verwandlung: um einer gelebten Liebe willen, die denkbar würde, wäre es ihm nur möglich, Prosperos schöne Tochter Miranda zu werden...
Amphitryon Von Heinrich von Kleist. Gastspiel des Burgtheaters Wien, eine Produktion des Schauspielhauses Zürich.Termin: 17./18. Oktober 2009, 20.00 Uhr Spielort: Deutsches Schauspielhaus Regie: Matthias Hartmann, Mit: Michael Maertens, Dörte Lyssewski, Robert Hunger-Bühler, Fabian Krüger, Oliver Masucci und Karin Pfammatter
http://www.schauspielhaus.de/karten/index.php?id_language=1
Als Amphitryons Knecht Sosias aus dem Feld kommt, um Alkmene, der frisch vermählten Gattin seines Herrn, dessen triumphalen Sieg im Kampf gegen Athen zu melden, wird er von einem Fremden aufgehalten, der behauptet, ebenfalls Sosias zu sein!
In Wahrheit handelt es sich um den Gott Merkur, der mit seinem Herrn Jupiter vom Olymp herabgestiegen ist. In der Gestalt Amphitryons und seines Knechts kehren sie am Hof von Theben ein, wo Jupiter die Nacht bei Alkmene zubringt. Mit dem anbrechenden Tag wird die Verwirrung offenkundig: Amphitryon, der echte, kehrt zurück…
Der zerbrochne KrugVon Heinrich von Kleist. Produktion des Berliner Ensembles.Termin: 25. Oktober 2009, 16.00 und 20.00 UhrSpielort: Deutsches SchauspielhausRegie: Peter Stein. Mit: Klaus Maria Brandauer, Tina Engel, Larissa Fuchs, Roman Kanonik, Michael Kinkel, Ilse Ritter, Michael Rotschopf, Stephan Schäfer, Andreas Seifert, Martin Seifert, Marina Senckel, Ninja Stangenberg und 12 Hühnern
"Wenn ihr selbst, Dorfrichter Adam, den Krug zerschlagen hättet, könntet ihr nicht eifriger allen Verdacht von Euch auf jenen jungen Mann hinwälzen als jetzt." Wie wahr die Aussage des strengen Gerichtsrats Walter tatsächlich ist, weiß nur der angesehene Dorfrichter Adam selbst. Schließlich war er es, der versucht hat, sich die Jungfer Eve gefügig zu machen, um dann auf der Flucht vor dem gehörnten Verlobten den Krug zu zerbrechen. Jetzt ist Gerichtstag; Adam, Täter und Richter zugleich, redet und richtet sich wegen Eve um Kopf und Kragen...
Ritter, Dene, Voss Von Thomas Bernhard. Produktion des Deutschen Theaters Berlin.Termin: 27./28. Oktober 2009, 20.00 Uhr Spielort: St. Pauli Theater Regie: Oliver Reese. Mit Ulrich Matthes, Constanze Becker und Almut Zilcher
http://www.st-pauli-theater.de/
Zwei Schwestern empfangen ihren Bruder. Ein Tyrann, ein Philosoph, ein Verrückter, der aus der Psychiatrie nach Hause kommt. Die Vorbereitungen der älteren Schwester sind minutiös. Die jüngere Schwester hingegen weiß: Der Besuch kann nur katastrophal enden... Thomas Bernhard hat mit "Ritter, Dene, Voss", das er nach den Schauspielern der Uraufführung benannt hat, ein Kammerspiel verbotener Wünsche und bitterer Komik geschaffen.
Virtuos hat er das Geschehen in einem Crescendo und Decrescendo der Emotionen arrangiert und die Themen wie in einer Fuge miteinander verwoben: Verzweiflung geht in Verführung über, während über dem Kontrapunkt inzestuöser Verstrickung das Motiv der Flucht erklingt.

