Romantischer Spätling und Künstlerdrama, Mysterien- und Machtspiel, scharfe Satire und traurige Todesverfallenheit: »Palestrina« birgt all das – vor allem aber eine unvergessliche, wundersame Musik.
Als mystisches Künstlerdrama behauptet das Werk einen festen Platz unter den spätromantischen Raritäten. Thomas Mann bewunderte Pfitzners »Musikalische Legende« als »Schlussstein« – ein passendes Bild, legt es doch auch die hoheitsvolle Architektur mittelalterlicher Kirchengewölbe nahe.
Ein »Schlussstein« ist »Palestrina« aber auch hinsichtlich seiner wundersamen, schmerzlich-schönen Klangwelt: Das 1917 uraufgeführte Stück führt Wagners Klangvorbild zur letzten Blüte und blickt zugleich zur herben, archaischen Tonsprache früherer Epochen. In Hamburg stand das Werk zuletzt 1979 auf dem Spielplan.
Äußerlich geht es in »Palestrina« um den gleichnamigen Komponisten der Renaissance und die Rettung der Kirchenmusik. Eigentliches Thema aber ist das Verhältnis von Kunst und Macht. Den Titelhelden Palestrina hat die künstlerische Inspiration verlassen.
Doch die Kirche zwingt ihn, einen Auftrag zu erfüllen. Palestrina aber plädiert für die völlige Freiheit des Geistes, die sich von keiner Macht befehlen lässt. Pfitzners Plädoyer für die Autonomie der Kunst ist ein spirituelles Bekenntniswerk.
Auch wenn der Komponist durch seine Verstrickung im Dritten Reich dieses Ideal selbst widerrufen hat, so bleibt »Palestrina« doch ein innerlich reiches, tief berührendes Stück, das sich bleibende kritische Fürsprache gesichert hat.
Regisseur Christian Stückl, Leiter der Passionsspiele Oberammergau und seit 2002 Intendant des Münchner Volkstheaters, spürt den spirituellen Wurzeln nach, unterschlägt aber auch die sarkastischen Seiten des Werks und seiner zahlreichen Rollenporträts nicht.
Bühnenbild und Kostüme entwarf Stefan Hageneier, den eine langjährige Zusammenarbeit mit Christian Stückl verbindet.
Simone Young übernimmt die Musikalische Leitung. Sie hat bereits die Premiere der Koproduktion an der Bayerischen Staatsoper in München dirigiert.
Die Hamburgische Generalmusikdirektorin sieht Pfitzners Hauptwerk zum einen in der Nachfolge von Wagners »Meistersinger«, zum anderen in einem Entwicklungsstrang, den um 1915 auch englische und skandinavische Komponisten verfolgt haben:
»Vaughan Williams oder Delius haben weiterhin für einen großbesetzten spätromantischen Orchesterklang geschrieben, allerdings geprägt von modalen Tonleitern, die von der Volksmusik auf die kirchliche Musik übergegangen waren.«
Zugleich betont Simone Young aber auch das zukunftsweisende an der »Palestrina«-Musik: »Was als sehr modern auffällt, ist etwa die Orchestrierung. Es gibt einige ungewöhnliche Instrumentenkombinationen, manche klingen an den ‚Rosenkavalier’ an.«
Unter der Leitung von Simone Young singt ein hochkarätiges Sängerensemble, das umfangreiche Stimmenaufgebot vereint neben drei Gästen fast das gesamte männliche Hamburger Ensemble und Mitglieder des Internationalen Opernstudios.
Die Titelpartie übernimmt der Tenor Roberto Saccà, der in Hamburg als Dämon in Hans Werner Henzes »L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe« begeisterte. Sein Widersacher und Mäzen Kardinal Borromeo wird von Hamburgs Wotan Falk Struckmann gesungen, er wirkte bereits bei der Münchner Produktion mit.
Hamburgs Alberich Wolfgang Koch, ebenfalls in München dabei, wechselt innerhalb des Rollenverzeichnisses zum Kardinallegat Morone, der als Präsident des Konzils die Fäden in der Hand zu halten versucht.
Katerina Tretyakova (Ighino) und Ann-Beth Solvang (Silla) singen die beiden Hosenrollen, in den weiteren Partien sind unter anderem Diogenes Randes, Jürgen Sacher, Wilhelm Schwinghammer, Jun-Sang Han, Moritz Gogg, Viktor Rud, Peter Galliard, Dovlet Nurgeldiyev, Jongmin Park, Jan Buchwald, Paulo Paolillo, Chris Lysack und Dong-Hwan Lee zu hören. Die Leitung des Chores übernimmt Florian Csizmadia.
Koproduktion mit der Bayerischen Staatsoper
Premiere A: 5. Juni 2011, 17.00 Uhr
Premiere B: 8. Juni 2011, 18.00 Uhr
Aufführungen: 13. und 16. Juni 2011, 18.00 Uhr
Vor der Premiere: Einführungsmatinee mit Mitwirkenden der Produktion am
29. Mai 2011, 11.00 Uhr, Probebühne 1
Einführungsveranstaltungen: 40 Minuten vor jeder Vorstellung
Begleitveranstaltungen
Zu dieser Premiere bieten wir das folgende Rahmenprogramm an:
Hans Pfitzner – im Netz der Politik
6. Juni 2011, 20.00 Uhr, Probebühne 1 der Staatsoper Hamburg
»Palestrina« zwischen Dichtung und Wahrheit
7. Juni 2011, 20.00 Uhr, Katholische Akademie Hamburg, Herrengraben 4, Anmeldung: programm@kahh.de, www.kahh.de
Opernwerkstatt zu »Palestrina«
3. und 4. Juni, Probebühne 1
Karten sind an der Tageskasse der Hamburgischen Staatsoper, unter der Telefonnummer
040 / 35 68 68, im Internet unter www.staatsoper-hamburg.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.
Hamburgische Staatsoper GmbH
Bettina Bermbach
Pressesprecherin
Große Theaterstraße 25, 20354 Hamburg
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