Gesellschaft Freunde der Künste

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Gute Aussicht - junge deutsche Fotografie 2008/2009 vom 15.5. bis 5.7.2009 in Frankfurt

Die zusammen 174 Motive der neun jungen Fotograf/inn/en von "gute aussichten - junge deutsche fotografie 2008/2009" sind bis Freitag, 10. Juli 2009, im Art Foyer DZ Bank zu sehen.

Adresse: Platz der Republik, D-60265 Frankfurt/M. Telefon +49 (0)69-7447-2386, www.dzbank.de. Eingang: Cityhaus I, Friedrich-Ebert-Anlage. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 11-19 Uhr.

 


Die Gewinner
Den Blick auf ihre "fotografische Wunderkammer" gerichtet, unternimmt Laura Bielau in "Color Lab Club" (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) in spielerischen wie humoristischen Bildern Streifzüge quer durch die Geschichte der Fotografie. Die fototechnischen Experimente (welche als Erfindung der Fotografie gelten können) des Franzosen Joseph Nicéphore Niepce (1765-1833) werden ebenso munter zitiert wie surrealistische Bildschöpfungen Man Rays (1890-1976). In "Labgirls" bittet die Fotografin professionelle Stripperinnen im roten Licht der Dunkelkammer zur erotischen Selbstdarstellung. Das Ergebnis ist ein visueller Parcours rund um Dunkelheit und Darkroom, welcher das Geheimnis der "dunklen Kammer" zelebriert.

Markus Georg praktiziert in "Die Macht der Bilder" (Hochschule für Gestaltung Offenbach) eine andere Form der Inszenierung: Hier mutiert eine fein säuberlich in Reih und Glied aufgestellte Anzahl von Möbelpackern mit Umzugskartons zu einem visuellen Abdruck des Brandenburger Tors. Oder ein hoch aufgereckter Mann mit aufgefaltetem Stativ wandelt sich zum Pariser Eiffelturm. Was als visuelle Verkleidung im Postkartenformat daher kommt, ist die Anrufung eben jener wirkungsvollen "Macht der Bilder", die aus Wäschestücken Assoziationen an Stonehenge zu zaubern vermag. Im drehbaren Postkartenständer stehen anschliessend unsere kollektiv gelernten Bildklischees zur Mitnahme bereit.

Maziar Moradi
bedient sich in seiner Arbeit mit dem für den Iran geschichtsträchtigen Titel "1979" (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) ebenfalls einer Inszenierung: Mit Mitgliedern seiner Familie, welche die Machtübernahme 1979 durch Ayatollah Khomeini und der iranisch-irakische Krieg aus ihrem bisherigen Leben herausriss und so manchen in die Emigration zwang, spielt er in symbolreichen Bildern exemplarisch ihre durch Kummer, Angst und Verlust gekennzeichneten Schicksale nach.

Reza Nadjis Arbeit "Tehran" (Fachhochschule Dortmund) ist eine fotografische Erforschung der am Fusse des Elburs-Gebirges gelegenen Hauptstadt des Iran. In der urbanen Vielfalt architektonischer Erscheinungsformen blitzt immer wieder das Spannungsfeld einer an westlichen Vorstellungen sich orientierenden Gesellschaft und einer unberechenbaren theokratischen Staatsführung hervor. So zeigt Reza Nadji anhand äusserer Gegebenheiten den inneren Zustand einer Gesellschaft auf, die in ihrer jüngsten Geschichte von grossen politischen Umwälzungen betroffen war.

Florian Rexroth erkundet in "Bäume der Stadt" (Lette-Verein Berlin) die Begrünung im heimischen städtischen Raum. Bäume, die in der urbanen Landschaft zumindest ein Minimum an kultivierter Natur repräsentieren, werden zu Protagonisten einer Portraitserie. Das städtische Umfeld, durch Verhüllung mit weissen Tüchern weitestgehend unsichtbar, tritt nahezu vollständig zurück. Dergestalt vereinzelt und isoliert verwandeln sich die Gewächse zu Individuen und werden als solche sichtbar gemacht.

Heiko Schäfer
legt in "Maritime Incidents" (Lette-Verein Berlin) sein Augenmerk auf jene Menschen, die alljährlich aus vielen Teilen Afrikas kommen und unter den gefährlichsten Bedingungen versuchen, europäisches Festland zu erreichen. Fotografien authentischer Flüchtlingsboote, unter schwierigen Umständen entstanden, sind mit offiziellen Informationstexten und einer Seekarte kombiniert, anhand derer die Routen und das Schicksal der betroffenen Boote verfolgt werden können.

Juergen Staacks
Arbeit "Transcription-Image" (Kunstakademie Düsseldorf) basiert auf einem ganzen Bündel bildtheoretischer Fragestellungen über die Entstehung und Wirkungsweise von Bildern. Analog einer wissenschaftlichen Versuchsreihe werden Menschen gebeten, ein bestimmtes Motiv in ihrer nativen Sprache zu beschreiben. Anschliessend schwärzen sie das Original des Künstlers. So entsteht ein neues Werk, welches das vorangegangene fotografische Bild als audiovisuelles Zeichensystem in sich birgt. Die Tondokumente werden anschliessend wieder in visuelle Zeichen transkribiert, woraus ein abstraktes Bild entsteht.

Sarah Strassmann erkundet in ihren grossformatigen Tableaus mit dem Werktitel "The Void _ Nothing but Space" (Fachhochschule Bielefeld) die Darstellbarkeit von Leere. Der physikalische Raum tritt in seiner Materialität vollständig zurück. Stattdessen übernehmen Licht- und Stimmungsqualitäten eine Raumgestaltung, die an persönliche Erinnerungen der Bildautorin geknüpft sind. Auf diese Weise entsteht ein bildhaft anschaulicher Denkraum, der über das Abgebildete hinaus in das Reich der Imagination weist.

Katrin Trautner widmet sich in ihrer Serie "Morgenliebe" (Fachhochschule Bielefeld) dem Thema Sexualität im Alter. Sie greift damit das in Politik und Gesellschaft viel diskutierte Phänomen einer zunehmend alternden Gesellschaft auf, dessen Auswirkungen auf nahezu allen Ebenen Gegenstand öffentlicher Debatten sind. Trotz des aufgeklärten Zustandes westlicher Gesellschaften galt bislang die fotografisch-dokumentarische Erforschung erotischer Begegnungen alternder Menschen weitestgehend als Tabu. So richtet sich Katrin Trautners Augenmerk auf "die Abbildung einer gelebten Normalität", die sich in der öffentlichen Wahrnehmung augenscheinlich erst noch als selbstverständlich etablieren muss.

Infos zum Projekt, Künstlern und Ihren Werken unter: www.guteaussichten.org

Ab Donnerstag, 18. Juni 2009, präsentieren wir "gute aussichten - junge deutsche fotografie 2008/2009" - in Auszügen - im Goethe Institut Washington DC.

Internationales, europäisches Parkett betritt "gute aussichten" bereits am 27. Mai 2009 in Brüssel. Dort wird das Hanse-Office, die Gemeinsame Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg und des Landes Schleswig-Holstein bei der EU, fünf Arbeiten von "gute aussichten"-Fotograf/inn/en vorstellen, die in Hamburg leben oder studiert haben.