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"Their crisis - our jobs" steht in fetten Lettern auf einem Plakat

Goodbye London - Radical Art and Politics in the Seventies bis zum 15.8.2010 in Berlin

"Their crisis - our jobs" steht in fetten Lettern auf einem Plakat, das gegen Arbeitslosigkeit und für echte Arbeitsplätze wirbt. Doch dieses Plakat stammt nicht etwa von heute, sondern ist mehr als dreißig Jahre alt, als schon einmal eine einschneidende soziale Eruption die britische Gesellschaft erschütterte, an deren Ende  Margaret Thatcher und die Geburt des Neoliberalismus standen. Wie aktuell manche Themen heute wieder oder noch immer sind, zeigt die Ausstellung „Goodbye London“ in einer vielschichtigen Präsentation zu Politik, Alltag und Kunst, die das Lebensgefühl in einer tief greifenden Krise widerspiegelt.

Düstere Fotografien von John Savage oder Homer Sykes zeigen ganze Londoner Stadtteile, die durch spekulativen Leerstand zugrunde gingen, aber auch alle Formen des wachsenden Protests, der in seiner konstruktiven Form neuen Zusammenhalt erzeugte. Neben der Hausbesetzerszene thematisiert die Ausstellung die feministische und die Schwulenbewegung, den Arbeitskampf in den Fabriken und die Solidarität mit den internationalen Befreiungskämpfen.

Vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Niedergangs des Landes entwickelte sich in der Hauptstadt eine vitale Kunstszene, die die leer stehenden Fabriken und Warenhäuser kreativ nutzte. Am Tolmers Square etablierte sich die Druckerei eines Poster-Kollektivs, in dem Aktionsgruppen ihre Plakate für die politische Arbeit drucken lassen konnten. Künstler wie Peter Kennard, die sich auf die Bildästhetik von John Heartfield bezogen, reagierten mit Collagen und Fotos unmittelbar auf die internationale Tagespolitik. Margaret Harrison formulierte, wie auch Jo Spence mit dem Hackney Flashers Women's Photography Collective, feministische Positionen.

Der Video-Künstler David Hall sezierte die Militanz der Medien, Victor Burgin nutzte Werbeästhetik, um die weitreichenden Folgen ungerechter Besitzverhältnisse zu analysieren.

Derek Jarmans frühe 16-mm Filme schlagen einen anderen Ton an. Sie weisen mit ihren ästhetisch aufgeladenen Bildern auf seine späteren Verfilmungen hin, die homosexuelles Verlangen in eine gewaltsam-schöne Bildsprache übersetzen. Ein ästhetisches Gegenprogramm verkörperten in jener Zeit die Performances von Stuart Brisley. In ihnen setzt sich der Künstler existentiellen Grenzerfahrungen wie beispielsweise tagelanger völliger Isolation aus.

Die Ausstellung veranschaulicht das Potential, das aus einer Krise erwachsen kann, beleuchtet die Möglichkeiten und Grenzen der Radikalisierung und macht mit den gezeigten künstlerischen Positionen auf eine politisch engagierte Kunstszene in London aufmerksam, die zumindest in Deutschland bis heute weitgehend unbekannt geblieben ist.

Die Ausstellung wird kuratiert von der Projektgruppe der NGBK: Boris von Brauchitsch, Peter Cross, Astrid Proll und Jule Reuter.

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