Gesellschaft Freunde der Künste

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von Johann Wolfgang Goethe

Goethe schilderte beide Varianten und führt sie gegeneinander - Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand am 18.11.2010 in Hamburg

Wer war Götz von Berlichingen? Nein, nicht der Erfinder des populärsten Zitats der Weltliteratur (das war Goethe), sondern ein Ritter an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, mit Sitz in Jagsthausen (wo sommers regelmäßig Goethes Schauspiel gezeigt wird).

Eine historische Gestalt; der Kaiser, dem er untertan war, Maximilian, führte den Beinamen »Der letzte Ritter«. Eine Umbruchszeit also – ein bestimmter gesellschaftlicher Typus hatte ausgedient und nur die Wahl, sich den neuen Machtstrukturen, die sich herausbildeten, anzuschmiegen, also an den Hof eines der neuen Feudalherren zu gehen, oder zu versuchen, seine Unabhängigkeit gegen diese zu behaupten – ein Unterfangen, das zum Scheitern verurteilt war.

Goethe schildert beide Varianten und führt sie gegeneinander: in der Figur des Höflings Adalbert von Weislingen, der dem Erzbischof von Bamberg zu Diensten ist, und eben des Götz, des Ritters mit der eisernen Hand, dessen körperliche Beschädigung auf seine gesellschaftliche vorausweist.

Beide einstmals Jugendfreunde, jetzt Antagonisten eines historischen Konflikts, der auf der persönlichen Ebene seine Entsprechung findet: hier der wankelmütige, nicht sehr charakterstarke Karrierist, der zum Spielball fremder Interessen wird – und scheitert; ihm gegenüber der geradlinige, ehrliche »Kraftkerl« Götz, der sich und »seinen« Kaiser gegen die Zumutungen der Moderne verteidigt und, als er sich zu schlechter Letzt auch noch auf die Seite der rebellierenden Bauern schlägt, zwischen sämtlichen Mühlrädern zermahlen wird und – sinnlos, aber ergreifend – stirbt.

Hier schließt sich der historische Fall mit den aktuellen Interessen des jungen Dichters Goethe kurz; was später in der literarischen Registratur unter »Sturm und Drang« abgeheftet wurde, hat hier seine vitale Quelle.

Eine Heldengestalt, die sich fern der höfischen Regelmäßigkeit des Klassizismus wie eine Urgewalt ihre Bahn bricht und darin von der beim bewunderten Shake speare entliehenen Dramaturgie nicht gebremst wird.

Was die Zeitgenossen als umstürzlerische Neuheit sofort wahrnahmen, veränderte sich unter der Last deutscher Geschichte zunehmend, denn im Zuge allmählicher reaktionärer Verfinsterung trat dem treuen, aufrechten, »deutschen« Götz zunehmend deutlicher die (art-)fremde, moderne, »westliche«, verweichlichte, intrigante Zivilisation gegenüber, eine Lesart, die nach 1945 dem Bühnengötz das Leben schwer machte. Heinrich George dampfte überall.

Und heute? Ein tschechischer Regisseur ist es, der mit dem Blick von außen auf deutsche Verhältnisse schaut und seine deutsche Trilogie – Kleists »Hermannsschlacht«, Schillers »Kabale und Liebe«, Büchners »Dantons Tod« – mittels eines Satyrspiels zur Tetralogie erweitert. Der taumelnde Held.

Der tschechische Regisseur Dušan David Parizek ist einer der prägendsten Regisseure seines Landes. Nach dem Studium in Prag und München gründete er 1998 das freie Ensemble »Prager Kammertheater«, das 2002 von der Stadt Prag eine feste Spielstätte erhielt und sich ausschließlich der Gegenwartsliteratur widmet.

2007 wurde Parizek gleich zweimal ausgezeichnet: Seine Inszenierung von »Der Prozess« wurde in der Kritikerumfrage der Prager Theaterzeitung zur Inszenierung des Jahres gewählt, das von ihm geleitete Theater zum Theater des Jahres.

Darüberhinaus inszenierte er häufig im deutschsprachigen Raum, u. a. in Berlin, Dresden, Köln und Zürich. Mit Heinrich von Kleists »Die Hermannsschlacht « und Friedrich Schillers »Kabale und Liebe« eröffnete er jeweils im September 2007 und 2008 die Spielzeiten am Schauspielhaus. 2009 inszenierte er hier Büchners »Dantons Tod«.

Aufführungen bis zum 6.12.2010

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