Im Mai 2009 wird in Moskau der nächste "Eurovision Song Contest" ausgetragen. Deutschland wird dieses Mal auf einen Direktkandidaten setzen. Moskau will sich mit einem großen Spektakel modern und europäisch präsentieren. Doch der Kaukasus-Konflikt und die Absage Georgiens sowie die Ausladung des Moskauer Bürgermeisters an die schwule Fangemeinde des ESC dämpfen die Vorfreude.
Wie inzwischen bekannt wurde, wird es in Deutschland keinen Vorentscheid wie in den vergangenen Jahren geben. Nach den schlechten Platzierungen der vergangenen Jahre wird stattdessen auf einen Direktkandidaten gesetzt."Für 2009 nehmen wir uns ganz bewusst eine Auszeit vom bislang üblichen Verfahren des deutschen Vorentscheids. Wir erhoffen uns eine höhere Teilnahmebereitschaft von international erfolgreichen Künstlern, da wir ihnen den direkten Weg ins Finale in Aussicht stellen.", so der Thomas Schreiber, ARD Koordinator Unterhaltung.
Darüber hinaus rückt die Veranstaltung, die sich die russische Regierung 27 Millionen Euro kosten lassen will, derzeit aus einem ganz anderen Grund ins schlechte Licht: Schwule und Lesben sind in Moskau nicht willkommen. Laut einer DPA-Meldung warnte der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow davor, wenn Schwule und Lesben den "Eurovision Song Contest" für öffentliche Paraden und Kundgebungen nutzen wollen würden. Die Zurschaustellung von Homosexualität werde an öffentlichen Plätzen nicht geduldet. Obwohl Homosexualität seit 1993 nicht mehr unter Strafe steht, macht besonders Luschkow immer wieder mit homophonen Äußerungen und Handlungen von sich reden.
Welche Ironie, dass vom russischen Siegesträger Dima Bilan, der den ESC nach Moskau holte, vor nicht allzu langer Zeit selbst Nacktbilder in schwulen Zeitschriften und auf Webseiten aufgetaucht sind. Auch andere Künstler sind selbst lesbisch oder schwul, wie beispielsweise die Sängerin Lucy Diakovska von der Girl-Band "No Angels", die im vergangenen Jahr für Deutschland beim Song Contest antrat. Mit Marija Serifovic gewann 2007 auch eine offen lesbisch lebende Frau für Belgrad. Durch die jüngsten Äußerungen des Moskauer Bürgermeisters sind Konfrontationen vorprogrammiert.
Während die einen nun den ESC als musikalisches, völkerverständigendes Ereignis von negativen Schlagzeilen freihalten möchten, formulieren andere die ersten Boykottaufrufe, - und die Moskauer Lesben- und Schwulenaktivisten planen zusammen mit Freunden aus Weißrussland ihren "Christopher Street Day" zeitgleich mit dem ESC abzuhalten. Bei den vergangenen drei CSDs war es in Moskau wiederholt zu Angriffen und Übergriffen der russischen Ultra-Rechten gekommen – die Polizei schützte dabei die DemonstrantInnen nicht. Durch den Blick der europäischen Öffentlichkeit auf den ESC erhoffen sich die Organisatoren für 2009 einen besseren Schutz.


