Sie sind billiger als Billiglohnkräfte und haben keinerlei Rechte. Sie heißen Olanka, Anjuschka, Olga, Irina und kommen aus Ländern wie der Schlamparei, Mogelei, Stohlen, Rostland oder Ukulele. Das Land ihrer Träume heißt Knautschland. Dorthin kommen sie in der Hoffnung auf ein besseres, schöneres, aufregendes Leben. Sie sind die Dienstmägde der Globalisierung und nennen sich „Au Pair“. „Au Pair“ bedeutet „auf Gegenseitigkeit“. Was das heißt, diktieren allerdings die anderen.
Gegen Kost und Logis erhalten die jungen Frauen eine Lektion nach der anderen im Ökospießertum der ehemals Linksbewegten. Felicia Zeller stapelt, was da an unterschiedlichen Lebenshaltungen und Bedürfnissen aufeinander prallt, zu einem kakofonen babelschen Turm. Die Ausflüchte genervter Au Pairs werden überflutet von den Wortkaskaden gestresster Powerfrauen, unterbrochen von dem Geschrei tyrannischer Kinder ... Einzig die Väter sind in diesem virtuosen Zellerschen Wortschwall nicht hörbar, schweben im All oder kommen gegen halb zehn oder heute vielleicht später oder gar nicht mehr.
Felicia Zeller wurde 1970 in Stuttgart geboren. Sie lebt heute als freie Autorin und Medienkünstlerin in Berlin und erhielt die unterschiedlichsten Stipendien, Förder- und Autorenpreise. Sie schreibt Theatertexte, unter anderem Bier für Frauen, Club der Enttäuschten und deutsches hysterisches museum, macht Kurzfilme, Werke auf Neuen Medien und Leseperformances. Ihr erster Prosaband Einsam Lehnen am Bekannten erschien 2008. Für Kaspar Häuser Meer erhielt Felicia Zeller den Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen 2008.
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