Die kestnergesellschaft zeigt vom 12. August bis zum 25. Oktober 2009 raumbezogene Arbeiten der amerikanischen Künstlerin Phoebe Washburn sowie der in Köln lebenden Brüder Gert und Uwe Tobias.
Beide Präsentationen sind auf unterschiedliche Weise von einer Auflösung der Grenze zwischen Betrachtern und Werk gekennzeichnet. Phoebe Washburn wird zwei Hallen der kestnergesellschaft mit einer Skulptur aus Holz ausfüllen, die sich den Betrachtern als ein zusammenhängendes Projekt darstellen soll.
Während Washburn prozessual arbeitet, haben die Installationen von Gert und Uwe Tobias eher bildhaften Charakter. Ihre Schreibmaschinenzeichnungen, Künstlerbücher, Aquarelle und Keramiken sind eingebettet in eine streng komponierte räumliche Inszenierung.
Die New Yorker Künstlerin Phoebe Washburn (1973) konzipiert von Mal zu Mal größere und komplexere Installationen, für die sie alltägliche und weggeworfene Materialien verwendet. Ihre Werke nutzen dabei immer auch den gegebenen Raum und sehen, obwohl genau geplant, wie wahllos zusammengezimmert aus. Die neueste und bisher größte dieser Installationen ist derzeit in der kestnergesellschaft zu sehen:
Durch zwei Hallen wuchert eine Skulptur aus Holz (über 3000 laufende Meter Kantholz, mehr als 20.000 verbaute Schrauben), winden sich meterlange Wasserschläuche und Elektrokabel durch die Treppenhäuser und verbinden Teiche, Filteranlagen und Springbrunnen.
Die Konstruktion ergibt ein weitgehend autarkes Kreislaufsystem, mit dessen Wasser zwei Waschmaschinen betrieben werden, in denen Secondhand T-Shirts gewaschen, anschließend aufgehängt, getrocknet und bedruckt werden. Sinn und Zweck dieser T-Shirts ist es, dem System eine Daseinsberechtigung zu geben.
Mit großformatigen Holzschnitten sind die Zwillingsbrüder Gert und Uwe Tobias (1973) bald nach ihrem Studienabschluss an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig aufgefallen und sahen sich zunächst dem Verdacht der Bauernmalerei ausgesetzt. Das ist erstmal nicht verwunderlich, da die Künstlerbrüder aus Rumänien stammen und mit den transsylvanischen Draculamythen kokettieren.
Andererseits findet sich ihre Strategie der Aneignung tradierter volkstümlicher Kulturtechniken in bester Gesellschaft. Kasimir Malewitsch war ein entschiedener Verfechter des Neoprimitivismus, einer Erneuerungsbewegung der russischen Kultur, deren Quelle die Volkskunst war.
Ebenso wäre die Pop Art, mit Hamilton, Warhol, Lichtenstein und vielen anderen ohne die Reflexion über pop(ulär)-kulturelle Ästhetiken undenkbar gewesen. Gert und Uwe Tobias bewegen sich in dieser Traditionslinie. Vielleicht nur als kalkulierte Strategie, um die vermeintliche Unentrinnbarkeit aufgedrängter Vorurteile ihrer Herkunft zu kontern.
Quelle:
http://www.kestner.org
links:
http://www.kunstmarkt.com/pages/kue/kuenstler_portraitbericht.html?id=132907
http://www.galeriemichaeljanssen.de/index.php?/artist/gert--uwe-tobias/
http://www.kunstaspekte.de/index.php?action=webpages&k=4426
http://www.buchhandlung-walther-koenig.de/cat/gert_uwe_tobias_2009/pid_170000000000766280.aspx
http://www.art-in.de/incmeldung.php?id=1967
http://www.hannover.de/archiv/madeingermany/kuenstler/Gert_und_Uwe_Tobias/index.html
http://www.amazon.de/Gert-Uwe-Tobias/dp/3940953091
http://www.deutsche-guggenheim-berlin.de/d/ausstellungen-phoebewashburn01.php
http://www.zachfeuer.com/phoebewashburn.html
http://newsticker.welt.de/index.php?channel=kul&module=dpa&id=22069060
http://www.focus.de/kultur/diverses/kunst-phoebe-washburn-stellt-in-hannover-aus_aid_426538.html
http://www.db-artmag.com/de/55/news/phoebe-washburn-in-der-kestnergesellschaft/

