Gerhart Hauptmann vereint in „Einsame Menschen“ eine Familienkatastrophe, ein Liebesmelodram und ein Intellektuellendrama und erzählt damit eine jener klassischen Geschichten des späten 19. Jahrhunderts, die an ihrer Faszination und Wirksamkeit nichts verloren haben: die Geschichte vom aussichtlosen Kampf emanzipierter Seelen gegen die fatale Macht der „Wonnen der Gewöhnlichkeit“, wie Thomas Mann später das ordinäre Alltagsleben mit seinen Freuden, Schmerzen und Leiden genannt hat.
Abergläubischen Seelen gilt der Müggelsee bei Berlin als unheimliches Gewässer. Ausgerechnet hierhin, ins idyllische Friedrichshagen hat sich Johannes Vockerat, ein philosophierender Freigeist aus frommer Familie, mit Frau und Kind zurückgezogen, um in der Abgeschiedenheit ein wissenschaftliches Werk niederzuschreiben, das seine Zeit in die Schranken fordern soll. Doch das Idyll wird zur tödlichen Falle. Denn im Vockeratschen Hause erscheint eine Frau aus einer anderen Welt: Anna Mahr, eine junge, weltgewandte Intellektuelle.
Da hilft keine Mahnung, kein Tadel, kein liebendes Wort aus dem Kreis der Familie: Johannes verfällt der geistigen Faszination der Fremden, die ihm alles bietet, was seine Frau ihm versagen muss. Zwei gehobene Geister versinken in innigster, wenn auch platonischer Seelenfreundschaft. Das führt – wie anders – zu schlimmen Verdächtigungen, die den Familienfrieden aufs Empfindlichste gefährden. Erst der Vater vermag den Sohn, den er schon für verloren hält, zur Räson zu bringen – allerdings mit ungeahnten Folgen.
Gerhart Hauptmanns Frühwerk wird in der Inszenierung von Christian Pade, der dem Bremer Publikum durch seine Inszenierungen „Wilhelm Tell“, „Künstler“, „Der zerbrochne Krug“ und „Das stille Kind“ wohl bekannt ist, auf der Bühne des Neuen Schauspielhauses zu sehen sein.
Besetzung
Regie Christian Pade
Austattung Alexander Lintl
Musik Andreas Guth
Dramaturgie Diana Insel
Regieassistenz Clara Weyde
Regiehospitzanz Denise Biermann
Ausatattungsassistenz Mareen Biermann
Inspizient Michael Mrukwa
Souffleuse Roswitha Knüpfer
Vockerat Siegfried W. Maschek
Frau Vockerat Irene Kleinschmidt
Johannes Vockerat Jan Byl
Käthe Vockerat Franziska Schubert
Braun Sven Fricke
Anna Mahr Varia Linnéa Sjöström
Aufführungen bis zum 22.6.2010
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