Gesellschaft Freunde der Künste

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anlässlich seiner ausstellung in dresden bis 28.2.2010

Georg Baselitz: Dresdner Frauen von Ulrich Bischoff und Andreas Henning

20 Jahre nach dem Fall der Mauer lenkt dieser Band den Blick auf exakt die Werkgruppen, die Georg Baselitz in dieser Zeit geschaffen hat. Nicht zuletzt aufgrund der eigenen Biografie befasst sich Baselitz wie kein anderer Künstler seiner Generation mit der Geschichte der Deutschen: und zwar vor und nach 1945. Dass er unmittelbar vor und nach der Wende Schlüsselwerke zur deutschen Geschichte geschaffen hat, ist gewiss alles andere als zufällig. Im Sommer '89 stellt Baselitz wenige Wochen vor dem Mauerfall die 20-teilige Arbeit ›'45‹ fertig. Dieses Hauptwerk zur deutschen Geschichte nimmt ein nicht nur in der Erinnerung des Künstlers prägendes Ereignis auf: die Zerstörung von Dresden und das in einer Feuerapotheose apokalyptisch aufleuchtende Ende des Zweiten Weltkrieges.

Das in ›’45‹ vorherrschende Motiv – eine Frau, die vor meist dunklem Hintergrund wie aus einem Fenster verstört in die Welt blickt – findet seinen Gegenpart in der 13-teiligen Serie der ›Dresdner Frauen‹, die in der Hauptsache 1990, im Jahr der Vereinigung, entstanden sind. Es handelt sich dabei um eine Serie von gelb gefassten, grob behauenen monumentalen Holzskulpturen auf hohen Sockeln, die sowohl einzeln, vor allem aber als Gruppe gewaltigen Eindruck machen: eine Hommage an die nach Kriegsende (nicht nur in Dresden) beherzt zur Tat und zum Wiederaufbau schreitenden Trümmerfrauen. Die Damen tragen so poetische Titel wie ›Die Heide‹, ›Die Elbe‹, ›Besuch aus Prag‹, ›Giebel‹, ›Hanka‹, ›Der Soldat‹, ›Uta‹, ›Karla‹, ›Die Wendin‹, ›Die Lachende‹, ›Die Kranke aus Radebeul‹, ›Die Russin und Daneben Elster‹.
Ergänzt wird die Auswahl durch weitere Arbeiten mit Bezug zu Baselitz’ sächsischer Heimat – ›Nachtessen in Dresden‹, ›The Bridge Ghost’s Supper‹, ›Wermsdorfer Wald‹, ›Sandteichdamm‹ – und mit Bezug zu seinen künstlerischen Vorbildern – Ludwig Richter, Ferdinand von Rayski, Edvard Munch und die Künstler der ›Brücke‹.

Texte
Georg Baselitz, Ulrich Bischoff (Gemäldegalerie Neue Meister), Andreas Henning (Gemäldegalerie Alte Meister), Eric Verhagen, Erich Franz (Westfälisches Landesmuseum Münster) sowie eine kommentierte Biografie von Detlef Gretenkort.

Künstler
Georg Baselitz wurde 1938 als Hans Georg Kern in Deutschbaselitz/Oberlausitz geboren. Nach einem Verweis wegen ›gesellschaftspolitischer Unreife‹ wechselt er 1957 von der Kunst-Akademie in Ost-Berlin an die Hochschule der Bildenden Künste in West-Berlin. Legendär ist der Skandal um seine erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie Werner & Katz 1963: Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte die Gemälde ›Die große Nacht im Eimer‹ und ›Der nackte Mann‹, die Hitler-Parodien mit erregiertem Penis zeigten.
Mittlerweile gehört Baselitz längst zu den international gefeierten Kunststars aus Deutschland. Seine Arbeiten sind gesucht und mittlerweile in nahezu allen wichtigen Sammlungen vertreten. Bedeutende Museen widmen ihm regelmäßig große Ausstellungen.

Erschienen bei Dumont Buchverlag; Auflage: 1 (8. Oktober 2009) www.dumont-buchverlag.de

Auch erhältlich bei www.amazon.de

Informationen zur Ausstellung in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden finden Sie hier http://www.skd-dresden.de/de/ausstellungen/aktuell/baselitz.html

Gemäldegalerie Alte Meister im Semperbau am Zwinger, Dresden

10. Oktober 2009 bis 28. Februar 2010