Da lacht doch allen Royalisten und Monarchisten das Herz im Leibe - und dem Hausgeist KRÖN wächst sofort ein KRÖNchen:
Königstreffen im Krönbacken!
Denn auf die "Könige der Herzen" im Untergeschoss der Galerie Waidspeicher, angemessen bekrönt vom Stadtgoldschmied eine Etage höher, treffen jetzt die "KIEZKÖNIGE" in Gestalt der Gruppe "5-Raum-Wohnung", deren Existenz übrigens auf die gleichnamige Ausstellung 1995 in eben jenem Vorderhaus Krönbacken zurückzuführen ist!
Und danach gab es noch mehrere Gastspiele der Protagonisten in der Michaelisstraße 10 in beiden Häusern, zuletzt 2005 mit "Scharmützel im Schlaraffenland" zum Jahresthema "Paradies".
In diesem Jahr haben sich die 5 Künstler (4 Kiez-Könige und 1 Königin) - wiederum auf ihre unverwechselbare Weise - mit den Intentionen des Bauhausjubläums auseinandergesetzt:
Das Bauhaus gilt heute weltweit als Avantgardestätte der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst. Im Bauhaus wurden bislang traditionell getrennte Bereiche der bildenden, angewandten und darstellenden Kunst von verschiedenen Protagonisten in einem erweiterten Kunstbegriff miteinander verbunden.
„Das Bauhaus erstrebt die Sammlung allen künstlerischen Schaffens zur Einheit, die Wiedervereinigung aller werkkünstlerischen Disziplinen" (Walter Gropius)
Dies hatte andererseits auch wiederum eine starke Ausstrahlung auf Malerei, darstellende Kunst und Musik, und fand Eingang in Begriffe wie Funktionalismus, klassische Moderne, neue Sachlichkeit, internationaler Stil und neues Bauen.
So wie das Bauhaus vom Gründer Walter Gropius als eine Arbeitsgemeinschaft gedacht war, fügt auch die Künstlergruppe 5-Raum-Wohnung unterschiedliche Stile und Arbeitsmethoden in der Ausstellung zusammen. Sie spürt in der Ausstellung "Kiezkönige" den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten und der Formensprache der damaligen Protagonisten nach und transformiert die Konzepte von damals in die heutige Zeit.
CARLO BANSINI (Carsten Sturm - geb. 1962 in Erfurt und ebenda als Fotodesigner ansässig),
WOLFGANG HARTH (geb. 1962 in Bonn, lebt und arbeitet in Berlin),
VERENA KYSELKA (geb. 1957 in Erfurt, lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin ebenda),
GUNTHER LERZ (geb. 1960 in Neustadt/Dosse, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler und Dozent in Erfurt) und
THOMAS NICOLAI (geb. 1964 in Erfurt, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler ebenda)
präsentieren ihre persönliche Hommágen an die damaligen Hauptdarsteller. Mittels Fotografie, Video, Installation, Malerei und Objekten werden aktuelle verborgene Einflüsse und Bauhaus-Positionen unter einem erweiterten Kunstbegriff emotionalisiert.
WOLFGANG HARTH erinnert in seiner Arbeit an die politischen Zusammenhänge. 1933 wurde das Bauhaus durch die Nationalsozialisten zur Selbstaufgabe gezwungen.
In seiner Serie von 5 mittelformatigen Ölbildern thematisiert er Kontrolle und Stille sowie dadaistische Widerstandsformen der freien Kunst.
Die Situation der Frauen am Bauhaus kommentiert VERENA KYSELKA in ihrer für diese Ausstellung neu entstandenen Arbeit. Nachdem die neue Weimarer Verfassung den Frauen uneingeschränktes Lernrecht gewährte, kamen in den Anfangsjahren mehr Frauen als Männer ans Bauhaus. Einige von ihnen entschieden sich bewusst für die Weberei, die Mehrheit aber wurde vom Meisterrat in die Weberei geschickt. In ihrer Installation greift sie auf die typisch weiblichen Webrahmen zurück und bedient sich für einen durchaus humorvollen Blick des Trickfilms.
Auf den bildnerischen Spuren von Paul Klee ist GUNTHER LERZ, der Bezug auf eine Gemäldeserie des bekannten Bauhäuslers zu seiner legendären Ägyptenreise nimmt. Die Gemälde-Objekt-Installation „Pyramiden für Paul Klee“ visualisiert seine ägyptische Gemäldeserie in eine dritte Dimension.
Ganz im Sinne des Bauhauses, das Kunst und Technik als neue Einheit formulierte und die Entwicklung von Prototypen für eine seriell-industrielle Fertigung als einen programmatischen Schwerpunkt sah, stellt THOMAS NICOLAI sein Medienfassadenprojekt DAISY.WORLD vor.
Anhand der Natur nachempfundener Regeln errechnet die Computersimulation das dynamische Wachstumsverhalten zweier künstlicher Blumenpopulationen, die sich als lebendige Bilder an Fassaden visualisieren.
CARLO BANSINIs Fotoserie entstand in den letzten zwei Jahren beim Besuch verschiedener Seniorenheime in Thüringen: eine Werkreihe von Porträtfotografien, die eines der drängenden und doch meist verdrängten Themen unserer Gesellschaft künstlerisch hinterfragt und mit einer Bestandsaufnahme der Lebensituation alter Menschen nicht zuletzt auch an das soziale Engagement des Bauhauses anknüpft.
Im Sinne des Bauhaus-Gesamtkunstwerks fügt die Vernissage am 08.08. um 20.00 Uhr neben der Laudatio von Prof. Kai-Uwe Schierz, Direktor der Kunsthalle Erfurt, das Moment des bewegten Körpers im Raum mittels der Tanzperformance "Auszüge aus: Bauhaustanz – Oskar Schlemmers Experimentierfeld" von Ester Ambrosino und Daniela Backhaus hinzu.
Infos auch unter:
www.5-raum-wohnung.de; www.verena-kyselka.de ; www.lerz.de ; www.AAA-nicolai.de


© Wolfgang Harth