Frankreich zu Zeiten des Hundert-jährigen Krieges. Das Mädchen Johanna, das in der lothringischen Provinz die Schafe hütet, wird zur Retterin vor der englischen Besatzungsmacht. Sie kämpft im Glauben an die Allmacht ihres Gottes, den sie als den "Schlachten-Gott" erkannt hat, und führt das französische Heer, dessen verzagender Führer, der französische König Karl, kurz vor der Kapitulation stand, von Sieg zu Sieg.
In Zeiten von Glaubenskriegen und religiösen Fundamentalismen wirft der Stoff nicht nur ein Licht auf die Allianz zwischen Religion und Krieg. Schiller lotet mit der Geschichte der jungfräulichen Heldin das Rätsel Mensch und dessen, wozu er fähig ist, die Grenzen seines Willens und seiner Macht aus. Wie auch im "Wilhelm Tell" oder im "Wallenstein" fragt Schiller nach den Möglichkeiten und Bedingungen des außergewöhnlichen Menschen in politischen Krisenzeiten. Die Begabung des Einzelnen und seine Berufung zu Größtem und Höchstem stehen einem schroffen Abgrund bedrohlich nahe. Völlig überrascht sieht sich denn auch die scheinbar unbeugsame Jungfrau mit einer Macht konfrontiert, vor der sie die Waffen dann doch strecken muss. Ungewollt gerät sie auf das Schlachtfeld der Liebe, wo sie dem Feind, den sie im Krieg noch bezwungen hat, unterliegt. Im Zweikampf mit dem Engländer Lionel verliebt sie sich. Die Verwirrung dieses Gefühls lässt sie straucheln - die Anschuldigungen ihres eigenen Vaters, der Teufel habe ihr ihre Macht verliehen, lassen sie fallen.
Anders aber als in der Legende der historischen Johanna endet Schillers Geschichte nicht auf dem Scheiterhaufen. Seine Heldin fällt auf dem Schlachtfeld und wird in einer Apotheose zur göttlichen Jungfrau und Märtyrerin.
"Der jungen Schauspielerin gehört der größte Jubel nach der begeistert aufgenommenen Premiere. Trautwein meidet den hohen Ton und die visionäre Entrücktheit, die dieser jungen Kriegerin gerne gegeben werden. Mit ihrer starken Stimme und der sehr direkten Art könnte sie auch bei der Nachtschicht am Raststätten-Tresen bestehen. Hier aber hat sie höhere Aufgaben. Mit Lionel tanzt sie für einen Augenblick den Schlachtfeld-Blues, Montgomery bricht sie mit lautem Knacken das Genick. Und auf dem Höhepunkt dieses Erfolgs stellt Schmiedleitner seine Heldin wie Sterntaler in einen blinkenden Goldregen, halb selig vom Erfolg, halb traurig, als ahnte sie, was kommen wird, während das Herren-Sextett im Hintergrund die Schlacht besingt, als seien die Comedian Harmonists aus dem Krieg zurückgekehrt.... Als Heldin gefeiert, als Hexe verbannt, als Feindin gefoltert: An der unerschütterlichen Selbstgewissheit, mit der Dascha Trautweins Johanna diesen wechselvollen Weg beschreitet, hat der Zuschauer bewegt Anteil." (Darmstädter Echo)
"...Schmiedleitner bietet beides: den klassisch zugespitzten Konflikt, vorgetragen mit angemessenem Pathos. Und er demonstriert einen lockeren Umgang damit... das alles auf einer Bühne, die mal leergeräumt ist, um im nächsten Bild vollgemüllt zu werden - so kurzweilig haben die Feiern zu Schillers 250. Geburtstag auf der Bühne begonnen." (Stuttgarter Nachrichten)
Inszenierung: Georg Schmiedleitner
Bühne und Kostüme: Florian Parbs
Dramaturgie: Volker Bürger
Bühnenmusik: Sebastian Weber
Die Jungfrau von Orleans: Dascha Trautwein
Erzähler: Jens Atzorn, Thorsten Danner, Michael Fuchs, Reinhard Mahlberg, Jacques Malan, Matthias Thömmes
http://www.nationaltheater-mannheim.de/
Im Posthof Linz am 16.1.2010 um 20 Uhr www.posthof.at

