Schon in den nächsten Monaten drohen erste technische Störungen bei Theateraufführungen und Konzerten sowie anderen Live-Veranstaltungen, die unter Einsatz von drahtlosen Mikrofon-Anlagen (Mikroport-Anlagen) stattfinden.
Grund ist die Nutzung der für diese Anlagen eingesetzten, jedoch zwischenzeitlich an die Telekommunikations-Unternehmen versteigerten Frequenzen (790-862 Megahertz) für den Mobilfunk. Schneller als erwartet möchten die Unternehmen diese Frequenzen nun für ihre Zwecke verwenden. Eine parallele Nutzung der Frequenzen ist jedoch ohne Störung der drahtlosen Mikrofon-Anlagen je nach Standort nicht möglich.
Dieses Vorgehen ist aus Sicht des Bühnenvereins unverantwortlich. Weder die Bundesnetzagentur noch die Telekommunikations-Unternehmen sind bereit, einen geregelten Übergang der Frequenzen sicherzustellen. Die Mobilfunkbetreiber weigern sich sogar, die umgerüsteten Standorte überhaupt bzw. rechtzeitig bekanntzugeben.
Veranstalter und Kulturbetriebe müssen also jederzeit mit plötzlichen Störungen rechnen. „Das kann zu einem Ausfall von ganzen Veranstaltungen führen“, so Rolf Bolwin, Direktor des Deutschen Bühnenvereins, heute in Köln.
Eine Umrüstung ist in den meisten Unternehmen mit einem größeren Zeitaufwand verbunden. Zudem entstehen erhebliche Kosten. Nach Schätzungen des Bühnenvereins fallen für ein Dreispartentheater bis zu 350.000 Euro an.
Angesichts dieser Kosten kritisiert der Bühnenverein, dass die Bundesregierung eine angemessene Beteiligung an diesen Kosten verweigert. „Das ist überhaupt nicht nachzuvollziehen, schließlich hat der Bund hohe Einnahmen durch die Versteigerung der Frequenzen erzielt“, sagte Bolwin.
In Großbritannien sei ein angemessener Kostenersatz bereits zugesichert worden, bevor die Frequenzversteigerung überhaupt stattgefunden habe. Dort erhielten Antragsteller rund 55 Prozent des Neuwertes eines gleichwertigen Systems. Betroffen sind in Deutschland vor allem Theater, Konzertsäle, Kirchen, Konferenzzentren sowie viele Kleinunternehmen der Veranstaltungsbranche.
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