Die Jury des "Memminger Freiheitspreises 1525" hat sich für das Jahr 2009 in großer Einhelligkeit für eine Preisvergabe an den Autor und Lyriker Reiner Kunze entschieden. Damit würdigt die Jury seine Lebensleistung. Bis heute sei Kunzes "gleichermaßen scharfsinniger wie sensibler Umgang mit der deutsch-deutschen Vergangenheit" unerreicht. Seine Prosa und vor allem seine Gedichte sind ein Bekenntnis zum Leben und zu seinem Recht auf Entfaltung. Seine originären Sprachbilder berühren durch ihre Einfachheit, Präzision und ein Äußerstes an Menschlichkeit.
Reiner Kunze wurde am 16. August 1933 im erzgebirgischen Oelsnitz geboren. Er studierte er in Leipzig Philosophie und Journalistik und publizierte 1953 seine ersten Gedichte. Die Gewaltanwendungen zur Auflösung des Prager Frühlings waren für ihn Anlass zum Austritt aus der SED. Kunze stand unter der Beobachtung des Ministeriums für Staatssicherheit und die Veröffentlichung seiner Werke in der DDR wurde immer schwieriger. 1976 erschienen in der Bundesrepublik Prosatexte unter dem Titel "Die wunderbaren Jahre". Es wurde Kunzes bekanntestes Buch, das zugleich den endgültigen Bruch mit der DDR-Regierung bedeutete. In diesem Werk kritisiert Kunze das unmenschliche DDR-System, das sich unter anderem durch unbedingten Anpassungsgehorsam auszeichnet. Ein Jahr später beantragte der Autor die Ausreise aus der DDR, die ihm kurz darauf genehmigt wurde. Er siedelte nach Obernzell-Erlau bei Passau über, wo er bis heute lebt. Reiner Kunze erhielt zahlreiche Literaturpreise, u. a. den Georg Büchner-Preis, den Friedrich Hölderlin Preis, den österreichischen Georg Trakl-Preis und den slowakischen Ján Smrek-Preis. Seine Lyrik und Prosa wurden in dreißig Sprachen übersetzt.
Der mit 15 000 Euro dotierte Preis wird am 20. März 2009 verliehen. Bundespräsident Horst Köhler wird nach Angaben der Stadt Memmingen die Laudatio halten. Mit dem "Memminger Freiheitspreis" soll an die "Zwölf Bauernartikel" erinnert werden, die 1525 in Memmingen abgefasst wurden. Das Manifest aus der Zeit der Bauernkriege gilt als erste freiheitliche Verfassungsurkunde auf deutschem Boden. Alle vier Jahre werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich für Freiheit und Gerechtigkeit sowie gegen Machtmissbrauch einsetzen. Erster Preisträger war 2005 der ehemalige ungarische Außenminister Gyula Horn.


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