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deutschland soll sich schämen

Frauen holen auf – und bleiben zurück

Der Gleichstellungsbericht 2009, den die Europäische Kommission im März vorgelegt hat, zeigt trotz einiger Fortschritte weiterhin große Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern auf. Zwar erreichen zunehmend mehr Frauen einen hohen Bildungsabschluss und sind immer häufiger erwerbstätig. Doch das spiegelt sich nach wie vor nicht im Lohn und in der Besetzung von Führungspositionen wieder.

Die durchschnittliche Erwerbstätigenquote von Frauen in der EU stieg zwischen 1997 und 2007 von 51 Prozent auf über 58 Prozent an. Damit ist das für 2010 gesteckte Lissabon-Ziel, eine Frauenerwerbstätigenquote von 60 Prozent, fast erreicht. Allerdings sind zwischen den Mitgliedstaaten erhebliche Unterschiede zu verzeichnen: die Quoten schwanken zwischen 37 Prozent (Malta) und 73 Prozent (Dänemark). Deutschland liegt mit einer weiblichen Erwerbstätigenquote von 64 Prozent im oberen Drittel der EU-Länder und damit bereits deutlich über dem Lissabon-Ziel.

Betrachtet man jedoch Frauen und Männer mit Kindern unter zwölf Jahren, so sinkt die EU-weite Beschäftigungsquote im Vergleich zu kinderlosen Frauen um 12,4 Prozentpunkte, während sie für Väter im Vergleich zu kinderlosen Männern um 7,3 Punkte ansteigt. Teilzeitbeschäftigt waren 2007 in der EU laut Bericht gut 31 Prozent der Frauen, das sind viermal mehr Frauen als Männer. In Deutschland liegt die Teilzeitquote unter Frauen sogar bei fast 46 Prozent - nur in den Niederlanden arbeiten noch mehr Frauen Teilzeit. EU-weit gaben mehr als sechs Millionen Frauen in der Altersgruppe der 25- bis 49-Jährigen an, dass sie aus familiären Gründen nicht berufstätig sein oder nur eine Teilzeitbeschäftigung ausüben können. „Diese Zahlen spiegeln die ungleiche Aufteilung der Betreuungsaufgaben, das Fehlen von Kinderbetreuungseinrichtungen und den Mangel an Strategien zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wider“, heißt es in dem Bericht. Das verdeutliche, dass im Bereich der Kinderbetreuung - vor allem der unter Dreijährigen - noch viel zu tun bleibe.

Auch im Bildungsbereich ist die Situation ambivalent: Zwar stieg im Jahre 2006 in der EU die Zahl der Hochschulabsolventinnen geringfügig auf fast 59 Prozent (gegenüber 58 Prozent im Jahr 2004), doch sind hinsichtlich der Studienrichtungen deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede zu beobachten. Von den Menschen, die einen Abschluss in den Ingenieurwissen- und Computerwissenschaften schaffen, ist lediglich etwa ein Fünftel weiblich, in den Fächern Wirtschafts-, Betriebs- und Rechtswissenschaften hingegen beträgt der Frauenanteil 60 Prozent.

Der hohe Bildungsgrad von Frauen spiegelt sich allerdings nicht in ihren Berufsfeldern und
-positionen wider. Frauen sind seit Jahren unverändert vorwiegend in „weiblichen“ Sektoren und Berufen tätig, wo sie schlechter eingruppiert sind und geringere Aufstiegsaussichten haben. Auch der Anteil weiblicher Führungskräfte ist in den vergangenen Jahren konstant geblieben und liegt im Durchschnitt bei 30 Prozent, in den meisten Mitgliedstaaten allerdings darunter. Deutschland erreicht genau den EU-Durchschnitt. Der Anteil von Frauen, die bei den größten börsennotierten Unternehmen Vorstandsvorsitzende sind, beträgt EU-weit nur drei Prozent.

Eine Folge dieser geschlechtsspezifischen Segregation des Arbeitsmarkts, so die Kommission in ihrem Bericht, ist das anhaltende Lohngefälle. Es beträgt im EU-Durchschnitt 17,4 Prozent und 23 Prozent in Deutschland, das damit auf einem der hinteren Plätze liegt.

Was die Politik betrifft, so verzeichnet der Gleichstellungsbericht zwar in den meisten EU-Mitgliedstaaten eine positive Entwicklung. „Aber sie geht nur langsam voran und insgesamt gesehen bleiben die Zahlen niedrig“, heißt es. Der durchschnittliche Anteil von weiblichen Abgeordneten in den nationalen Parlamenten stieg von 16 Prozent im Jahr 1997 auf 24 Prozent im Jahr 2008, schwankt allerdings zwischen 9 Prozent (Malta) und 46 Prozent (Schweden). In Deutschland beträgt der Frauenanteil in Parlamenten 33 Prozent. In den Regierungen der Mitgliedstaaten beträgt der Anteil von Ministerinnen 25 Prozent (Deutschland: 38 Prozent), wobei die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten von gar keinem weiblichen Regierungsmitglied (Rumänien) bis 60 Prozent (Finnland) variieren.

Quelle: www.frauenmachenkarriere.de