1. Sie sind dafür bekannt, dass Sie als Interpret sehr intensiv mit dem Dirigenten und den Musikern im Orchester kommunizieren. Was bedeutet es in dem Zusammenhang, als "Artist in Residence" des hr-Sinfonieorchesters gleich mehrere Projekte mit einem Orchester zu realisieren?
Für mich bietet die Residenz beim hr-Sinfonieorchester in Frankfurt ideale Bedingungen, weil ich in den Konzerten ein gesamtes Portrait von mir als Komponist, Pianist und Kammermusiker zeichnen kann, inklusive einiger deutscher Erstaufführungen.
Meine Klavierspiel als Interpret ist bekannt, aber zum Beispiel meine Orchesterwerke sind in Frankfurt noch weniger bekannt. Ich freue mich, dass ich die Möglichkeit habe, diese Projekte in Frankfurt zu verwirklichen und bedanke mich sehr dafür.
2. Sie beginnen Ihre Zeit als "Artist in Residence" des hr-Sinfonieorchester ja mit einem "Fazil Say Weekend". Von Ihnen werden dabei u.a. die Istanbul Symphony und – in Deutscher Erstaufführung – die Universe Symphony aufgeführt. Wie wichtig ist es für Sie, mit Ihren
Werken Orient und Okzident zu verbinden?
Als türkischer Künstler habe ich diese Rolle als Brückenbauer immer ganz selbstverständlich angenommen. Wenn ich in der Türkei Mozart und Beethoven spiele, lernt das türkische Publikum eine andere Kultur kennen, und wenn ich in Deutschland zum Beispiel meine „Istanbul Symphony“ aufführen lasse, ist das genauso ein interkultureller Dialog.
In meiner Musik verwende ich sehr oft authentische ethnische Instrumente aus der Türkei; daraus ergibt sich eine ganz andere Orchestrierung.
3. Frankfurt gilt als eine besonders weltoffene, liberale und multikulturelle Stadt. Ist es für Sie, auf den diese Attribute ebenfalls
zutreffen, besonders inspirierend, in dieser Stadt und für ein solches Publikum zu spielen?
Ich freue mich sehr auf Frankfurt. Als „Artist in Residence“ war ich schon in Berlin Hamburg, Tokio, Dortmund, Paris und Istanbul. Diese Erfahrungen bringe ich mit nach Frankfurt. Es wird sehr gut!
4. Als Interpret und Komponist sind Sie in der ganzen Welt zu Hause. Wenn Sie drei Wünsche für den deutschen Klassikbetrieb frei hätten.
Welche wären das?
Man muss alles tun, um das jüngere Publikum stärker zu erreichen und auch die türkischen Bürger in Deutschland. Für die Integration ist es wichtig, dass auch diese Gruppe mehr zu klassischen Konzerten kommt. Zuletzt hoffe ich, dass der Klassikbetrieb auch weiterhin individuelle Talente fördern wird.


Paavo Järvi, Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters