Fran Healy, Kopf der Britpop-Institution Travis, wandelt nach eineinhalb Jahrzehnten im Dienst seiner Hauptband erstmals auf musikalischen Solopfaden. Im Oktober erschien „Wreckorder“, ein schlicht gehaltenes, klanglich dezentes Werk aus zehn erstaunlichen Songs.
Das Album erlaubt den Blick auf einige bislang ungeahnte künstlerische Seiten des Sängers und Hauptsongwriters von Travis, der neben Coldplay wichtigsten Britpop-Band des zurückliegenden Jahrzehnts.
Nahezu komplett allein eingespielt und in seiner Wahlheimat Berlin aufgenommen, lernt man mit den liebevoll ausgestalteten Kompositionen auf „Wreckorder“ einen stimmlich wie stilistisch vielseitigen Musiker auf eine überraschend neue Weise kennen.
So wird auch sein vorerst einziges Deutschland-Konzert am 3. März in Berlin ein denkwürdiger Abend, bei dem sich ein internationaler Superstar von seiner intimsten Seite vor Publikum präsentiert.
Gleich mehrere ihrer Singles dienen einer ganzen Generation von Rockmusikhörern als sinnstiftender Soundtrack ihres Lebens. Mit Songs wie „Why Does It Always Rain On Me?“, „Sing” oder „Driftwood” haben sich Travis einen internationalen Ruf als Englands virtuoseste Melancholiker erworben.
Jedes ihrer sechs Alben stieg in ihrer Heimat in die Top 20 der Charts. Ihre beiden erfolgreichsten CDs „The Man Who“ (1999) und „The Invisible Band“ (2001) schafften es sogar bis auf die Spitzenposition. Noch bedeutender aber ist ihre Rolle als inspirationsstiftende Vordenker eines neuen Britpop-Sounds:
Keine Rock’n’Roll-Klischees und lauten Töne, sondern ein warmer, epischer und authentischer Bandklang, der Zustände wie Sehnsucht, Unglück, Sinnsuche oder Traurigkeit in brillante junge Evergreens überträgt.
So waren es Travis, die mit ihrem Debüt „Good Feeling“ für die zweite Britpop-Welle der 90er sorgten, aus der zahlreiche Top-Acts wie Coldplay, Keane oder Starsailor hervorgingen.
So signifikant und unverwechselbar der Travis-Sound ist, so limitierend erwies er sich für den ideellen Vater. „Ich liebe die Arbeit mit Travis “, erzählt der 36-jährige Fran Healy. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir jemals aufhören werden zu existieren.
Aber gleichzeitig leide ich immer ein wenig unter den Kompromissen, die ich eingehen muss, bis die Songs dem Konzept der Band entsprechen. Man stimmt Texte ab, Melodien, Stimmungen, ja ganze Parts, weil sie nicht zum Feeling von Travis passen.“
Sein erster Alleingang „Wreckorder“ erfüllt nun die Rolle, in den Genuss des möglichst ursprünglichen Songwriters zu kommen. „Jeder Song auf dem Album klingt exakt so, wie ich ihn mir auf dem Demo gedacht habe – ja, mehr noch:
Mehr als die Hälfte der Songs sind tatsächlich die Demos, die ich zuhause in einem aufrichtigen Moment aufgenommen habe“, erklärt Fran Healy. Auch die übrigen Aufnahmen entstanden weitestgehend allein.
Lediglich für die finale Produktion lud er den Produzenten Emery Dobins ins Studio, mit dem er bereits am letzten Travis-Longplayer gearbeitet hatte. Für die Bass-Parts schaute kein Geringerer als Paul McCartney in Berlin vorbei.
So erlebt man auf „Wreckorder“ den persönlichsten und authentischsten Fran Healy, den es bislang zu hören gab. „Es ist ein kleines, unaufgeregtes, schönes Album geworden, das ich mir eigentlich nur selbst schenken wollte“, verkündet Healy.
„Aber alles, was mit ihm und darum herum passiert ist, hat mein Leben grundlegend verändert. Jetzt habe ich Blut geleckt und will mehr davon.“
Termine
| 03.03.2011 | Do. | Berlin / Magnet |
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Karim Muna
Marek Lieberberg Konzertagentur GmbH & Co.KG
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