Seit über 30 Jahren fördert der Kunstverein Eisenturm zeitgenössische und historische Kunst. In Deutschland ist er der einzige auf ehrenamtlicher Basis geführte Kunstverein, der einen bundesweit ausgeschriebenen Kunstpreis ausrichtet. Und das mit Erfolg: Bereits zum 23. Mal wurde der Mainzer Kunstpreis Eisenturm verliehen. Allein in diesem Jahr gingen 779 Bewerbungen von Künstlerinnen und Künstlern zu dem Thema "Fragment" ein.
Digitales trifft auf Traditionelles
Eine zweifellos heterogene und spannende Zusammenstellung ergeben die 42 Werke, die von der End-Jury in die engere Wahl für den Kunstpreis gezogen wurden. Der fragmentarische Charakter ist aber in jedem einzelnen Ausstellungsobjekt verwirklicht. "Wir haben bewusst einen offenen Begriff gewählt, damit man ein bisschen fabulieren kann, weil nicht jedes Bild gleich aussieht", erklärt Dr. Otto Martin, Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm. Entscheidend bei der Bewertung war, inwiefern das Fragmentarische auf inhaltlicher, technischer oder materieller Ebene umgesetzt wurde. Sowohl moderne Gestaltungsmethoden, wie digitale Bildbearbeitung, als auch traditionelle Varianten, wie etwa Drucktechnik, tragen zur Vielfalt der Ausstellung bei.
Fragmentarisches zwischen Lichtspielen und Zeitlosigkeit
Als beste Arbeit konnte der Bremer Matthias Haun mit der digital bearbeiteten Fotografie "Terrassen" die Jury überzeugen. Zu sehen ist darauf eine mediterrane Terrassenarchitektur bei Nacht, deren Konturen nur schattenhaft wahrnehmbar sind. Drei Lichtinseln erhellen die Szenerie. Hinter zweien lassen sich glaubwürdig künstliche Lichtquellen unter den Dachaufbauten vermuten. Doch beim dritten Lichtfragment handelt es sich um eine Manipulation: Die Licht-Zelle um das Urlaubspaar speist ihre Kraft aus einer imaginären Quelle. Fragmentarisch zeigt sich hier ein Refugium menschlicher Wärme inmitten eines nur ausschnittweise sichtbaren Gebäudekomplexes.
Auch der zweite Preis ging an ein digitales Kunstwerk. Dazu hat das Berliner Künstler-Duo Springer Parker Videobilder von einer Webcam in New York, die live ins Internet sendet, mit einer selbst entwickelten Software abgefangen, um daraus eigene Bilder zu gestalten. Herausgekommen ist die 12-teilige Reihe "On Broadway". Bei jedem einzelnen Bild überlappen sich dabei verschiedene Zeitschichten, Hell und Dunkel existieren nebeneinander und die Fußgänger huschen schemenhaft über den Bordstein, so dass die Momentaufnahmen in einem nahezu zeitlosen Zustand einfrieren.
Als regionaler Künstler gewann Jürgen Daut aus Ingelheim den dritten Preis. Hinter dem Titel "Gräber, Kreuzweg I, Gerät zum Absägen von Stämmen unter Wasser, Lichtung" verbirgt sich eine fragmentarische Zusammensetzung von vier schmalen Einzeltafeln, die in eine Holzkonstruktion, ähnlich einem Wandelaltar, eingefasst sind. Fragmetarisch und verfremdet sind darauf Landmaschinen und surreale Gerätschaften sowie der vom Kreuz losgelöste Christus abgebildet. Das ebenfalls aus einer 14-teiligen Serie stammende Werk vereint etliche traditionelle Techniken der Gestaltung, wie Druck, Zeichnung oder Collage – dabei ist keins der angedeuteten Gebilde komplett.
Ein Unikat unter den Kunstliebhabern
Keine Frage, auf so viel ehrenamtliches Engagement wie im Kunstverein Eisenturm trifft man selten. Und dazu auch noch auf einem hohen fachkundigen Niveau. So setzt sich etwa die Jury aus Kunstkundigen wie Clemens Jöckle, dem Leiter der städtischen Galerie Speyer, dem Feuilleton-Chef der Allgemeinen Zeitung Mainz, Jens Frederiksen, sowie Vereinsvertretern und freischaffenden Künstlern zusammen. Besonders stolz ist Dr. Otto Martin darauf, dass der Kunstverein Eisenturm mit einer Kontinuität von über 20 Jahren einen eigenen Kunstpreis ausschreiben kann, was er nicht zuletzt auch seinem Sponsor, der Mainzer Volksbank, und den rund 400 Mitgliedern zu verdanken hat. "Damit haben wir unter den ehrenamtlichen Vereinen einen Unikat-Charakter", verrät der ehemalige Leiter des Druckladens am Gutenberg-Museum. Rund vier Ausstellungen organisiert der Verein pro Jahr. Zur Präsentation werden unter anderem die Räumlichkeiten der Mainzer Volksbank genutzt. Doch dem historischen Eisenturm wird auch weiterhin die Treue gehalten werden.
Infos unter: www.kunstverein-eisenturm-mainz.de


Quelle: Mainzer Eisenturm