Filmfest Dresden zeigt „Weibsbilder“ | Weiblichkeit, Lebensentwürfe und Rollenmodelle von Frauen in der DDR in sieben Kurzfilmen aus den Jahren 1963 bis 1989 | außerdem Buchpräsentation:
Im Schatten der DEFA
Wie hat die Frau in der sozialistischen DDR gelebt? Mit dieser und anderen
Fragen beschäftigt sich das diesjährige DEFA-Programm auf dem Filmfest
Dresden. Unter dem Titel „Weibsbilder“ beleuchten sieben Kurzfilme
verschiedene Facetten von sozialistischer Weiblichkeit. Trotz der
Ernsthaftigkeit, mit der die Streifen gedreht worden sind, werden sie auch für so
manchen Schmunzler sorgen. „Weibsbilder“ ist in Zusammenarbeit mit der
DEFA-Stiftung entstanden. Die Buchpräsentation Im Schatten der DEFA rundet
das Angebot des Kurzfilmfestivals zu dem Thema ab. Das 23. Filmfest Dresden
findet vom 12. bis 17. April 2011 statt.
„Wenn Mutti früh zur Arbeit geht…“ – schon Kindergartenkinder in der DDR wussten
dank dieses Liedes, was die sozialistische Frau auszeichnet: Sie geht arbeiten und sie übernimmt Verantwortung – für sich, ihre Familie und für ihren Staat. Die Frau dem Mann gleichzustellen, war ein erklärtes Ziel der DDR-Frauenpolitik. Bedeutete aber formale Gleichstellung auch Emanzipation? Wie sah die weibliche Realität vor 1989 zwischen Ostsee und Fichtelberg aus?
Diesen und anderen Fragen widmet sich das Filmfest Dresden in dem Spezialprogramm „Weibsbilder“. Sieben kurze Filme erzählen Geschichten über Beruf und Privatleben verschiedenster Frauen, über ihre Wünsche und Hoffnungen, aber auch über ihre Enttäuschungen. „Das Faszinierende dabei: Die meisten Filme sind heute noch genau so aktuell wie zu ihrer Entstehungszeit“, so Alexandra Schmidt von der Filmfest-Leitung, die an der Zusammenstellung des Programms beteiligt war. Programm-Kuratorin Franziska Neumann ergänzt: „Damals wie heute gab bzw. gibt es nicht das eine, allgemeingültige Frauenbild. Weiblichkeit hat viele verschiedene Facetten.“
Folgerichtig ist das filmische Spektrum von „Weibsbilder“ breit gefächert. Regisseur
Jürgen Böttcher etwa beobachtet in Stars die heiteren und schlagfertigen Frauen
einer Brigade im Berliner Glühlampenwerk. In Die Falle setzt eine Frau ihre Reize
gewinnbringend ein, um über den männlichen Besitzer an sein großes Autos zu
kommen. Und dann ist da noch der Lehm-Mann in dem Animationsfilm Spiel mit
Lehm, der sich gleich zwei Traumfrauen formt, dabei aber nicht ihre Eifersucht
bedenkt.
Mit der privaten DDR-Filmproduktionslandschaft beschäftigt sich Im Schatten der
DEFA, ein Buch von Ralf Forster und Volker Petzold, das von den Autoren und
weiteren Gästen am 13. April im Rahmen des Filmfest Dresden präsentiert wird.
Forster und Petzold räumen mit der vorherrschenden Meinung auf, DDR-Film sei
gleichzusetzen mit DEFA-Film. Im Osten Deutschlands gab es immerhin 48 private
Filmstudios und professionelle Einzelfilmer. Sie haben etwa 1.500, heute zumeist
vergessene „Gebrauchsfilme“ gedreht, darunter auch einige der berühmten DDRWerbefilme.
Die Buchpräsentation wird illustriert mit selten zu sehenden
Filmbeispielen, welche die thematische Vielfalt und die formalen
Qualitäten der Produktionen verdeutlichen.
„Retro: Weibsbilder“: Zeiten und Orte im Überblick
Mittwoch, 13.4., 19.00 Uhr (Filmtheater Schauburg / Tarkowski-Saal)
Freitag, 15.4., 17.00 Uhr (Filmtheater Schauburg / Tarkowski-Saal)
Samstag, 16.4., 20.30 Uhr (Programmkino Ost)
Sonntag, 17.4., 17.30 Uhr (Programmkino Ost)
Buchpräsentation: Im Schatten der DEFA
Mittwoch, 13. 4., 16:00 Uhr, THALIA (Eintritt frei)
Über das Filmfest Dresden
Das Filmfest Dresden wurde im Frühjahr 1989 gegründet – als Forum verbotener bzw.
selten gezeigter Spielfilme. Der Internationale Wettbewerb existiert seit 1992. 1998
folgte die nationale Variante. Seit 2004 wird der mit 20.000 Euro dotierte Förderpreis
der Sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst vergeben. Das Filmfest
Dresden versteht sich nicht nur als Fachveranstaltung, sondern in erster Linie als
Publikumsfestival. Neben der Ausrichtung des Festivals organisiert das Filmfest-
Team alljährlich eine umfangreiche Tournee durch mehrere deutsche Städte, die in
den Sommermonaten auch unter freiem Himmel stattfindet.
Pressekontakt
Stefan Bast
T: 0351-3745549
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