Mit Eran Kolirins Tragikkomödie "Die Band von nebenan" setzt die Deutsch- Israelische Gesellschaft (DIG)ihre Filmreihe in der Kleinen Synagoge fort:
Am Mittwoch, dem 19.11.2011 um 19:00 Uhr landen interessierte Besucher zusammen mit einer achtköpfigen Polizeikapelle aus Alexandria/Ägypten durch ein sprachlich bedingtes Missverständnis in Bet Hatikva, einem israelischen Kaff irgendwo in der Negev-Wüste.
Dr. Martin Borowsky, der Vorsitzender der DIG, führt die Gäste in den Film ein, der knapp eineinhalb Stunden dauert. Der Eintritt in die Kleinen Synagoge
ist frei.
„Die Band von nebenan“ ist eine der erfolgreichsten israelischen Produktionen der letzten Jahre und hat national sowie international zahlreiche Auszeichnungen erhalten.
Der Film erzählt anhand einer ägyptischen Polizeikapelle, die gezwungenermaßen eine Nacht in einem israelischen Dorf verbringt, den Austausch zweier Völker, der jedoch vorerst Utopie bleibt.
Beide Staaten - Israel und Ägypten - verbindet seit dem Friedensvertrag von 1979 bis heute lediglich ein „kalter“ Friede. Die Entwicklungen in den politischen Beziehungen beider Länder der letzten Wochen geben darüber hinaus vorerst keinen Anlass zur Hoffnung auf eine positive Veränderung.
Die Deutsch-Israelische Gesellschaft hat es sich zum Ziel gesetzt,
über Filme ein aktuelles und vielschichtiges Bild des heutigen Israels zu vermitteln. Der Tragikomödie "Die Band von nebenan" gelingt dies nicht nur hervorragend, sondern auch unterhaltsam:
In Bet Hatikva, dem Dorf, in das es die ägyptischen Musiker verschlägt, existiert weder ein arabisches Kulturzentrum, noch fährt ein Bus an dem Abend zurück; auch Hotelzimmer für die Nacht gibt es nicht. Doch dank der pragmatischen jüdischen Bistro-Besitzerin Dina finden die acht Männer bei ihren Freunden und Bekannten eine Bleibe für die Nacht.
In der folgenden Nacht kommen sich die benachbarten Kulturen, die israelisch-jüdische und ägyptischarabische, ein Stück näher. Existieren zu Anfang noch Berührungsängste und einmal mehr sprachlich bedingte Missverständnisse zwischen den Männern in den hellblauen Polizeiuniformen und ihren israelischen Gastgebern, so wird im Laufe des Abends und der Nacht die Distanz zwischen beiden Kulturen überwunden.
Es wird musiziert, getanzt, geflirtet und getrunken und in tiefgreifenden Gesprächen wird so manch eine Scheu voreinander abgelegt. Am nächsten Morgen verlässt die Truppe den Ort, um zu ihrem eigentlichen Bestimmungsort, Petah Tikva, aufzubrechen, und hinterlässt beim Zuschauer ein positives Gefühl.
KRITIK von Kino.de
In Cannes galt Eran Kolirins warmherzige Komödie als Geheimtipp, beim Filmfest München gewann sie den CineVision Award und den begehrten Publikumspreis.
Völkerverständigung auf ganz andere Art propagiert der Israeli Eran Kolirin: nicht von oben, sondern von unten. Schon bei der Ankunft am Flughafen stößt das kleine ägyptische Polizei-Orchester auf Probleme. Niemand holt sie ab, am Telefon wird ihr feinsinniger Chef Tewfik (herzzerreißend liebenswürdig:
Sasson Gabai) abgewimmelt und dann landet die achtköpfige Truppe nicht an dem gewünschten Ort, wo sie bei der Eröffnung eines Kulturzentrums aufspielen sollen, sondern strandet in ein Nest im Nirgendwo der Wüste.
Da stehen sie nun in ihren properen knallblauen Uniformen auf der staubigen Straße. Ein absurdes Bild. Nur dank der bodenständigen Imbiss-Wirtin Dina (stark, verletzbar und praktisch: Ronit Elkabetz) finden sie Unterschlupf für eine Nacht. Und die hat es in sich.
Der junge Regisseur, der mit melodramatischen ägyptischen Filmen aufwuchs, erinnert an gemeinsame kulturelle Wurzeln und lässt verschiedene Lebensstile aufeinanderprallen.
Gerade in der Personenzeichnung des älteren Ägypters und der jungen Israeli werden die tiefen Gräben klar, auf der einen Seite das Festhalten an einer traditionellen Kultur und moralischen Werten , auf der anderen die Hast des modernen Israel, der Pragmatismus und die schnelle Lust an der Improvisation.
In dieser Komödie voll surrealem Witz, seelischer Rührung und zarter Melancholie treffen gegensätzliche Individuen aufeinander, die alle mit den Imponderabilien des Lebens auf Kriegsfuß stehen - wie Dina, die ihre Einsamkeit unter einer rauen Schale und mit wechselnden Lovern kaschiert, der zurückhaltende Tewfik, der nach dem Tod seiner Frau mit Trauer und Selbstvorwürfen fertig werden muss und Dinas Avancen widersteht.
Sein abenteuerlustiger Kollege Khaled dagegen, macht mit jungen Israelis eine Roller-Disco unsicher und zeigt einem schüchternen Jungen in einer der komischsten Szenen, wie man Frauen behandelt und mit ihnen anbandelt und tröstet auch die taffe Dina. Andere Band-Mitglieder verbringen die Stunden des Wartens in einer nicht gerade harmonischen Familie.
Wenn dann alle "Summertime" intonieren, ist dieser Sprung in die musikalische Gemeinsamkeit zum Lachen und Weinen schön. Ein rundum gelungenes Märchen vom trockenen Humor über die aufbrechenden Gefühle bis hin zur schauspielerischen Ensemble-Leistung und Shai Goldmans präziser Kamera. mk.
Sybille Glaubrecht
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