Nach der fruchtbaren Zusammenarbeit im vergangenen Jahr, legen die Kunsthalle Mannheim und das Cinema Quadrat 2009 eine zweite Staffel der gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Film & Kunst" nach.
Max Ernst. Mein Vagabundieren - Meine Unruhe
BRD 1991, R.: Peter Schamoni, 100 Min.
In geschickter Collage setzt Regisseur Peter Schamoni in seinem Dokumentarfilm Archivmaterial und eigene Aufnahmen zu einem Mosaik zusammen. In seinem Film, der zum 100. Geburtstag von Max Ernst entstand, folgt er Ernsts Reisestationen an Originalschauplätzen.
Auch der Künstler selbst kommt zu Wort und erklärt die verschiedenen Phasen seines revolutionären Werkes, wie die aufrührerische DADA-Zeit in Köln, den Surrealismus in Paris, die Flucht nach New York und schließlich seine Rückkehr nach Europa. In der kaleidoskopartigen Aneinanderreihung von Bildern und Szenen gelingt Schamoni eine kongeniale filmische Annäherung an eine brillante Künstler-Persönlichkeit.
Die Kunsthalle Mannheim besitzt - neben Gemälden und Grafiken - mit der monumentalen Plastik „Capricorne" (1948-64, Guss 1979) ein Hauptwerk von Max Ernst. Die Kunsthistorikerin Dr. Dorothee Höfert gibt eine Einführung in die Arbeiten des Künstlers. Das Grußwort spricht Klaus Heuser von der Max-Ernst-Gesellschaft.
Freitag, 09.10.2009, Kunsthalle Mannheim, 19.30 Uhr (Einlass: 19 Uhr)
Schön ist's im Labyrinth - George Grosz in Amerika
BRD 1992, R.: Norbert Bunge, 98 Min.
Das Filmporträt von Norbert Bunge zeichnet die zweite Lebenshälfte von George Grosz nach. Es beginnt 1933 direkt nach der Machtübernahme der Nazis, als Grosz mit seiner Familie nach Amerika übersiedelt.
Im Exil, an Originalschauplätzen, lässt Bunge Zeitzeugen sprechen - Grosz' Söhne, sein letzter Schüler, sein Galerist, Freunde und Kollegen berichten über die amerikanischen Jahre des deutschen Grafikers und Malers, der erst 1959 nach Berlin zurückkehrte und kurz darauf tödlich verunglückte.
Kuratorin Stefanie Müller widmet sich in ihrer Einführung dem „Porträt des Schriftstellers Max Herrmann-Neisse", mit dem Grosz 1925 nicht nur ein treffendes Porträt seines Freundes, sondern zugleich ein zeittypisches Bildnis eines Intellektuellen der Weimarer Republik geschaffen hat. Im Zentrum ihres Vortrags stehen die wechselvolle Geschichte des Bildes und die im Briefwechsel dokumentierte Freundschaft zwischen Grosz und Neisse.
Donnerstag, 19.11.2009, Kunsthalle Mannheim, 19.30 Uhr (Einlass: 19 Uhr)
Niki de Saint Phalle: Wer ist das Monster - Du oder ich?
BRD/CH 1995, R.: Peter Schamoni, 95 Min.
Als aggressiven Akt gegen die Gesellschaft kann man Niki de Saint Phalles erste Schießaktionen von 1961 verstehen, bei denen sie mit einem Gewehr auf reliefartige Bilder schoss, wodurch hinter dem Gipsgrund verborgene Farbbeutel ihren Inhalt verspritzten. Sie macht die Zerstörung zum Teil des kreativen Prozesses. 1964 schuf sie die ersten „Nanas".
Zunächst stellte sie die drallen, bunten Frauengestalten aus Wolle, Garn, Pappmaché und Drahtgerüsten her, später dann aus Polyester. Mit ihnen ist Niki de Saint Phalle berühmt geworden. In seinem vergnüglichen Dokumentarfilm lässt Regisseur Peter Schamoni sowohl Protagonisten und Zeitzeugen erzählen als auch die Bilder selbst sprechen. Fast meint man, in einem Familienalbum zu blättern.
Dr. Inge Herold führt vorab ein in die Kunst der Niki de Saint Phalle, deren „Schwarze schwangere Nana" (1968) und „Tir à la Carabine" (1961) in der Kunsthalle gezeigt werden. Darüberhinaus stellt die Kunsthistorikerin aber auch andere Vertreter der 1960 gegründeten Künstlergruppe der „Nouveaux Réalistes" vor, von denen die Kunsthalle ein bedeutendes Konvolut an Werken besetzt - von Arman über Raymond Hains bis Yves Klein und Jean Tinguely.
Donnerstag, 10.12.2009, Kunsthalle Mannheim, 19.30 Uhr (Einlass: 19 Uhr)
Lange Goya-Nacht
Goya oder: Der arge Weg der Erkenntnis
DDR 1971, R.: Konrad Wolf, 134 Min.
Insgesamt 120 Gemäldekopien wurden für Konrad Wolfs preisgekrönte Verfilmung nach Lion Feuchtwangers gleichnamigem Roman angefertigt. Der Regisseur schildert in eindrucksvollen Bildern die historische Situation zur Zeit Goyas und analysiert die Wandlung des erfolgreichen Malers vom höfischen Karrieristen zum engagierten Moralisten.
Darüber hinaus deckt Wolf aber auch Goyas persönliche Dämonen auf, die ihn als alten Mann ins Exil nach Frankreich getrieben haben. Die extrem aufwändige deutsch-sowjetische Koproduktion aus dem Jahre 1971 plädiert für die Unabhängigkeit der Kunst von jeglicher staatlicher Bevormundung.
Goya
E 2000, R.: Carlos Saura, 104 Min., DF
Carlos Saura erzählt die Geschichte von Goya in Rückblenden, ausgehend vom Exil des 82-Jährigen in Bordeaux. Der Künstler blickt in Gedanken und in Gesprächen mit seiner Tochter zurück auf sein Leben und Schaffen, was mitunter zu einer Abfolge albtraumhafter Delirien mutiert. Nach und nach enthüllt der Maler die Geheimnisse seines Lebens, das eng mit der Geschichte Spaniens und Europas verwoben ist.
Ein Wendepunkt stellt seine plötzliche Taubheit mit gerade mal 46 Jahren dar. Die opulente Künstlerstudie von Saura ist kein klassischer Historienfilm, sondern eine filmische Hommage, kombiniert mit den Mittel des Theaters, an einen bedeutenden Bahnbrecher der modernen Malerei.
Dr. Thomas Köllhofer zeigt, wie sich beide Filme von der historisch fassbaren Person Goya entfernen und wie dennoch jeder auf seine Art ganz unterschiedliche Facetten des Künstlers und seines Werks erfahrbar macht.
In der Pause zwischen den Filmen werden spanische Tapas serviert.
Samstag, 16.01.2010, Cinema Quadrat, 18.00 Uhr
Caravaggio
GB 1996, R.: Derek Jarman, 93 Min., OmU
Subjektiv, streckenweise provozierend, ohne Anspruch auf biografische oder historische Genauigkeit porträtiert der Maler und Filmemacher Derek Jarman den genialen Maler Michelangelo Caravaggio. Dieser führte ein Leben als Außenseiter, am Rande der gesellschaftlichen Normen. Weil auch sein Leben geprägt war von Skandalen, Kontroversen und Widerständen gegen die Gesellschaft, sah Jarman sich mit ihm seelenverwandt.
Er erzählt die Geschichte vom Sterbebett des Künstlers aus in Rückblenden mit einem überwältigenden Bilderreichtum. Das exzellente Drehbuch macht auch vor der Kritik des eitlen Kunstbetriebs im London der 80er nicht Halt.
Der Einführungsvortrag von Dr. Friederike Sczakiel beschäftigt sich mit den beiden Künstlerpersönlichkeiten und ihren kontroversen Positionen. Sie thematisiert sowohl Jarmans Filmsprache in Wechselbeziehung zur Bildsprache Caravaggios als auch den Blick des Künstlers Jarman auf den Barock-Maler.
Donnerstag, 25.02.2010, Cinema Quadrat, 19.30 Uhr
Basquiat
USA 1996, R.: Julian Schnabel, 102 Min., OmU
In den 1980er Jahren wurde der amerikanische Maler Julian Schnabel als Shooting-Star der Kunstszene gefeiert. Seine zweite Karriere als namhafter Regisseur begann er 1996 mit dem Spielfilm über einen Maler-Kollegen: Er porträtiert darin Jean-Michel Basquiat, der als Graffiti-Künstler und Obdachloser auf den Straßen New Yorks lebt und dem er damit ein Denkmal setzte.
Als Basquiat 1979 von Andy Warhol entdeckt wurde, rissen sich Galeristen und Sammler um seine Bilder. Sein kometenhafter Aufstieg endete 1988, als er mit gerade mal 27 Jahren an einer Überdosis stirbt. Als Darsteller glänzen David Bowie, Dennis Hopper und Courtney Love.
Vor der Filmvorführung erläutert Dr. Dorothee Höfert die Tatsache, dass Regisseur Julian Schnabel selbst bildender Künstler ist und dadurch einen ganz spezifischen Blick auf den Künstler Basquiat wirft. Die Kunsthistorikerin fragt nach der Möglichkeit von Authentizität im Fiktionalen.
Donnerstag, 25.03.2010, Cinema Quadrat, 19.30 Uhr
Kunsthalle Mannheim
Moltkestraße 9
68165 Mannheim
Telefon: +49 (0)621-293 6433
Mobil: +49 (0)173-445 30 15
Telefax: +49 (0)621-293 47 6433
tanja.binder@mannheim.de
www.kunsthalle-mannheim.de
Treffpunkt für Führungen
Eingang Friedrichsplatz 4
Beratung zu Veranstaltungen und Führungen
Dr. Dorothee Höfert
T 0621 293 6440
dorothee.hoefert@mannheim.d
Anmeldung zu Veranstaltungen und Führungen
Marita Vogt
T 0621 293 6445 (Mo-Fr 9.00-15.00 Uhr)
F 0621 293 47 6445
marita.
Konzertkarten
T 0621 293 6452/6430
oder
T 0621 714 0086

