Mit „Alpenrepublik“ wird zuweilen Österreich bezeichnet, zuweilen auch ein fiktiver Alpenstaat, ein separatistisches Konstrukt. Alpenrepublik als Titel einer Ausstellung im Kunstraum Innsbruck und dem Artdepot meint jedoch ein Terrain der Kunst, in dem Eigenheit, Eigenbrödelei, Anderssein, Archaisches und Anarchisches zuhause sind.
Es sind Fiktionen, um einen Zustand zu schildern, der entgegen der allgemeinen Schwerkraft den Schwebezustand des Ausgesetztseins umschreibt. Sei es, dass die Künstler dem Alpenterritorium entstammen, da geboren sind oder leben (Bayern, Allgäu, Salzburg, Tirol und Südtirol, Schweiz, Trentino und Bellunese), sei es, dass sie sich mit Alpenthemen beschäftigt haben wie etwa John Bock mit dem nach vielen Jahren wieder aufgefundenen Bergschuh und dem skelettierten Fuß des am K2 verschollenen Südtiroler Bergsteigers Günther Messner.
Eben nicht die faszinierende Landschaft, sondern der innere Zustand der Alpenbewohner ist das Thema der Ausstellung. Visionen der Bergwelt, in der ihre Bewohner noch eng mit der Natur, der Religion und dem Tierreich verknüpft sind (Elisabeth und Elmar Trenkwalder), auch wenn dies zuweilen groteske Züge annimmt.
Schicksalhaftigkeit im weitesten Sinne, von Grillparzers Dialektik des „Alpenkönigs und Menschenfeinds“ (Martin Gostner) über das Eingeschlossensein des Ich in der Bergnatur (Luca Rento) bis zu den Dämonen der Alpenregion in der NS-Zeit (André Butzer, Alexander Wolf).
Am Ende auch der Alpenhumor, etwa mit der Lola- Installation (Kuhfellen) von Stefano Cagol. Im Zentrum stehen also Mythen alter und neuer Art, auch selbsterfundene Mythen, die mit der Alpenregion verbunden sind wie König Ludwig II. von Bayern (Olivia Berckemeyer, Felix Burger), Andreas Hofer in einer grotesken Zeichnungsserie von Thomas Palme und die poetischen Verweise einer Sandra Boeschenstein oder eines Alessandro dal Pont.
Das groteske Element im Gehabe der Gebirgsleute, dem Eingebundensein von Tieren und dem Auftauchen von Kadavern schimmert bei Markus Schinwald, Hans Weigand und Thomas Helbig hindurch.
In den unterschiedlichsten Medien – Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien, Videos und Rauminstallationen – wird eines sichtbar: alpenländischer Mutterwitz und Groteske zum einen, Tiefsinn und Melancholie zum anderen. Es gibt wohl keinen besseren Platz für solch eine Ausstellung als Innsbruck, sozusagen die Hauptstadt der Alpenrepublik.
Zur Ausstellung finden folgende Veranstaltungen statt:
Do 14.06.2012, Artdepot
19.00 Uhr Höhenrausch - eine Musikperformance von Fritz Moßhammer
Do 05.07.2012, Artdepot und Kunstraum Innsbruck
17:30 Uhr Führung im Artdepot und danach im Kunstraum Innsbruck mit Veit Loers
19:00 Uhr Konzert im Kunstraum Innsbruck: Lissie Rettenwander (Gesang, Zither, Effekte), supported by Bobby Malhotra und Flo Anich „Aber Diandl, sei nit launig/ But sweetheart, don´t be moody“ volkselektronischepopavantgarde
Do 12.07.2012, Artdepot
19:00 Uhr artKino
Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:
Markus Bacher, Olivia Berckemeyer, John Bock, Sandra Boeschenstein, Felix Burger, André Butzer, Stefano Cagol, Alessandro Dal Pont, Piotr Dluzniewski, Hansjörg Dobliar, Michael Fliri, Martin Gostner, Thomas Helbig, Thomas Palme, Lukas Posch, Luca Rento, Markus Schinwald, Elmar und Elisabeth Trenkwalder, Alexandra Vogt, Marcus Weber, Hans Weigand, Alexander Wolf
Zur Ausstellung erscheint ein kleines Katalogbuch, das in beiden Veranstaltungsräumen an der Kasse zum Sonderpreis von 14,- Euro aufliegt, mit Texten von Veit Loers, Adalbert Stifter, Dino Buzzati, N.C. Kaser, Sepp Schluiferer.
Bildlegende:
Michael Fliri, Ways around the Urschlamm, 2010, 180x400x35 cm, Holz, kreative Umsetzung der Skulptur: Beat Tscholl, courtesy: Galleria Raffaella Cortese
Marcus Weber, Innsbruck, 2004, 60x50cm, Öl auf Leinwand
KUNSTRAUM INNSBRUCK
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6020 Innsbruck, Austria
T +43-512-584000
F +43-512-584000 15
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Di-Fr 11-18 Sa 11-17 So/Mo geschlossen
Eintritt frei!


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