GLOBALIZE:COLOGNE startet mit einem spannenden Aufeinandertreffen: Herman Diephuis 5 Frauen-Stück "Ciao Bella", entstanden im Rahmen des Festival International Montpellier Danse, wird MOUVOIRs überarbeiteten Erfolgsproduktion "Under green Ground" gegenüber gestellt. Ikonographien des Weiblichen, die Posen und Rollenklischees überlieferter und aktueller Frauenbilder und ihrer Unterdrückungsmechanismen sind Knotenpunkte der in beiden Choreografien. Man kann gespannt sein auf konträre Sichtweisen oder überraschende Gemeinsamkeiten, vielleicht auf einen männlichen und weiblichen Blick? Oder ist auch dieser Gedanke wieder bloß ein Klischee? Erst der Blick auf beide Stücke wird diese Frage beantworten. Das Solo "Misunderstood" des kenianischen Tänzers Kepha Oiro findet seinen Platz zwischen den beiden Stücken.
Herman Diephuis „Ciao Bella” (Paris, Frankreich)
Ciao bella ist ein Stück mit 5 Performerinnen, in dem die Relation zu den vorherrschenden Frauenbildern oder genauer zu der Art wie die Körper diese Bilder reflektieren, in Frage gestellt wird. Die Performance untersucht wie man sich selbst in Beziehung zu diesen Bildern setzt, die meistens von Männern entworfen wurden. Das Stück arbeitet mit einem subtilen Spiel von Stereotypen, dem Einsatz von Kult-Songs, aber auch mit der Partitur von Schwanensee und den damit verbundenen Illusionen, um die dahinter verborgenen Mechanismen der Unterdrückung zu entlarven.
SpecialNight-Guest: Kepha Oiro „Misunderstood“ (Nairobi, Kenia)
Kepha Oiro widmet sich in seinem Solo den Riten und manchmal missverständlichen Traditionen, die das Sterben begleiten. Für GLOBALIZE:COLOGNE 10 schafft er gemeinsam mit Stephanie Thiersch eine neue fragmentarische Version des Stücks.
Kepha Oiro lebt und arbeitet in Nairobi. Er wurde im traditionellen afrikanischen und im zeitgenössischen Tanz ausgebildet, war Sozialarbeiter für das Njia Yetu Project (ein Rehabilitierungsprojekt), Regisseur, Choreograf und Tänzer für das Kunja Dance Theatre (Choreograf James Mweu), mit dem er 2006/2008 an afrikanischen Tanzplattformen in Paris und Tansania teilnahm, bevor er seine eigene Company „Tuchangamke Group” gründete.
MOUVOIR/Stephanie Thiersch „Under green Ground“
Am 6.3. ab 21:30 Uhr, am 7.3. ab 21:00 Uhr.
„Under green Ground“ feierte im April 2005 im tanzhaus NRW in Düsseldorf Premiere und führt damit die Arbeit der zwei Künstlerinnen Stephanie Thiersch und Alexandra Naudet fort, die 2002 mit dem preisgekrönten Tanzfilm „Georgia“ (arte/ZDF) begann. Thiersch reflektiert in „Under green Ground“ eindringlich das Bildergedächtnis weiblicher Ikonographien, das unser gesellschaftliches Agieren beeinflusst.
Die Welt als Bild und Vorstellung: Im Medienzeitalter gibt es kein unvermitteltes Ich. Vorbilder bestimmen unsere Identität und unser Denken. Und doch schafft die Vielfalt der möglichen Rollen auch eine neue, spezielle Art von Freiheit. Die Choreographin erkundet das komplizierte Zusammenspiel von Idee und Fleisch, von Bildergedächtnis und weiblichem Körper. Eine Versuchsanordnung, für die sie atemberaubende, sehr konkrete optische Umsetzungen findet. Rätselhaft, leicht morbide und aufreizend wie ein Film von David Lynch.
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