Wussten Sie, dass Skorpione Paarungstänze aufführen? Und dass eine Tänzerin auch ein Erdbeben tanzen kann? Die Verbindung zwischen Tanz und Natur besteht schon lange, hat aber keineswegs an Faszination verloren. Deshalb hat sich die Dampfzentrale in einem kleinen und feinen Festival die Natur als thematischen Überbau gesetzt und tänzerische wie performative Arbeiten zusammengetragen.
Pro Abend präsentieren wir Ihnen künstlerische Welten, die in sehr unterschiedlicher Weise mit dem Thema Natur umgehen: Der Associated Artist der Dampfzentrale Bern, Emma Murray, setzt sich mit dem Erdbeben in ihrer Heimatstadt Christchurch auseinander, der Franzose Pierre Droulers lässt die Sonne für Sie scheinen. Just zur Stunde des Einnachtens versetzen Sie Ingri Fiksdals TänzerInnen mit rituellen und psychodelischen Naturtänzen in Trance und Misato Inoue tanzt im Solo zu Ludovico Einaudis Klaviermusik einen schwarzen Schwan. Auf sehr performative und kunstvolle Art wiederum setzt sich die Finnin Sonja Jokiniemi in «OH NO» mit der Natur auseinander – sie agiert in einer modellhaften Landschaft aus Papier als Riese, der Berge versetzen kann und grosse Flüsse durchquert.
Festival in Bern
Ein Festival ganz nach Goethe: «Die Kunst ist nichts anderes als das Licht der Natur». Freitag: Kleiner Preis: 25.–, Normaler Preis: 30.–, Liebhaberpreis: 35.– Samstag / Sonntag: Kleiner Preis: 20.–, Normaler Preis: 25.–, Liebhaberpreis: 30.–
Festival: From Black Swans To Eartquakes
13. bis 15. Dezember 2013
Freitag, 13. Dezember 2013
18:30 Uhr bis 19:25 Uhr: Sonja Jokiniemi: OH NO
19:30 bis 20:20 Uhr: Emma Murray: naturalcauses
21:00 bis 22:00 Uhr: Pierre Droulers: Soleils
Samstag, 14. Dezember 2013
16.30 bis 17:30 Uhr: Ingri Fiksdal: Night Tripper
18.00 bis 18:55 Uhr: Sonja Jokiniemi: OH NO
19.30 bis 20:20 Uhr: Emma Murray: naturalcauses
Sonntag, 15. Dezember 2013
16.30 bis 17:30 Uhr : Ingri Fiksdal: Night Tripper
18.00 bis 18:15 Uhr: Misato Inoue: Black Swan
«OH NO» von Sonja Jokiniemi (FIN)
Performance
Sonja Jokiniemi kniet inmitten einer Miniaturlandschaft und bewegt einen Kugelschreiber zwischen spitzen Bergen hindurch. «Where are we?» fragt sie und schneidet kurz darauf mit einer Schere kleine Papierbäumchen. Jokiniemi ist eine Riesin. In ihrer Solo-Performance «OH NO» versucht die Finnin Sonja Jokiniemi herauszufinden, wie wir die Welt um uns herum verstehen. Objekte, Materialien und sie als Person agieren in dieser kleinen grossen Welt als Protagonisten, die fähig sind zu kreieren und zerstören und Fragen zu stellen. Jokiniemi reisst Bäume aus, der Kugelschreiber taucht symbolisch in Wasser ein.
«Schwimmt, taucht!» ruft sie, dann wieder sucht der Kugelschreiber seinen Weg zwischen Miniaturbergen hindurch. Die Performerin hat in ihrer einnehmenden Arbeit einen Weg gefunden, plakativ und eingängig von unserem Umgang mit der Natur, der Welt zu erzählen. Ihre rhythmischen Bewegungen und ihr Umgang mit Objekten und Materialien stellen die Zuschauenden vor Tatsachen und regen zum denken an. Zur Performance hat die ausgebildete Theaterfrau, Tänzerin und Choreographin Zeichnungen herausgegeben, welche sie im Buch «Disastrous Events, VOL 1: OH NO» in limitierter Auflage verkauft.
Biographie
Sonja Jokiniemi Sonja Jokiniemi ist eine Choreographin und Performerin aus Finnland. Sie lebt momentan in Amsterdam, wo sie an der Hochschule der Künste Theater studierte. Davor genoss sie eine Ausbildung in zeitgenössischem Tanz und Choreographie im Laban Centre in London. Jokiniemi hat sich zudem länger der klassischen Musik gewidmet und ist leidenschaftliche Zeichnerin.
issuu.com/miguelangelmelgares/docs/disastrous
«naturalcauses» von Emma Murray (NZ)
Tanz
Nach dem Erdbeben in ihrer Heimatstadt Christchurch brachte die Tänzerin Emma Murray «Naturalcauses» auf die Bühne: ein Tanz-Solo über ein Erdbeben, das nicht kommen will.
Sie erkannte ihre Heimatstadt kaum wieder: Als die in Bern lebende Tänzerin und Choreographin Emma Murray ein halbes Jahr nach dem Erdbeben vom 22. Februar 2011 Christchurch besuchte, waren die Folgen der Erschütterungen der Stärke 6,3 auf der Richterskala noch gut sichtbar. Doch das Erdbeben hatte nicht nur in den Strassenzügen Spuren hinterlassen. Auch mit der Gesellschaft war etwas passiert – die Menschen in Christchurch rückten zusammen. Von diesem neu aufgekeimten Gemeinschaftsgefühl beeindruckt, machte sich Emma Murray auf die Suche nach positiven Aspekten des Unglücks. Und sie wurde neugierig: Ob sich jemand etwas Schlimmes herbeiwünschen könnte, um Schönes zu erfahren?
Die Protagonistin in Emma Murrays neuem Stück «Naturalcauses» tut genau das. Sie ist eine einsame Seele, die sich nach einem Erdbeben sehnt. Die Figur will die Katastrophe, um sich lebendig zu fühlen und um menschliche Nähe zu erfahren. «We will all be one after the event», lautet ihr Glaubenssatz. Und um vor Ort zu sein, wenn die anderen Menschen kommen, hat sie sich schon mal am richtigen Ort eingefunden: in der Notunterkunft. Sie verkürzt sich die Wartezeit mit Abhandlungen über die Seismologie, bereitet die Liegen für mögliche Neuankömmlinge vor. Doch das Erdbeben bleibt aus. Die Dame wird sich selbst helfen müssen, die tektonischen Platten werden ihr diesen Dienst nicht erweisen.
Choreographie/Konzept/Performerin: Emma Murray, Dramaturgie/Text: Oded Littmann, Musik: Thomas Jeker, Bühnenbild: Jasmine Wiesli, Licht: Demian Wohler, Administration: Eliane Keller, Produktion: Marcel Leemann Physical Dance Theater, Foto: Oliver Neubert, Company Produktionen, Emma Murray, Idee, Konzept, Interpretation: Emma Murray, Dramaturgie: Oded Littman, Bühnenbild: Jasmine Wiesli, Musik: Thomas Jeker, Licht: Demian Wohler
Biographie Emma Murray
Emma Murray stammt aus Neuseeland und trat nach ihrer Ausbildung an der New Zealand School of Dance 1993 der Royal New Zealand Ballet Company bei. Sie tanzte vornehmlich das klassische Repertoire und wurde 1996 zur Solistin befördert. Im selben Jahr erhielt sie den Preis «Dancer of the Year» der ECNZ, der es ihr ermöglichte, ihre Tanzausbildung durch Studien in Kanada und Europa zu ergänzen. 1999 zog Emma Murray nach Bern, um dem Berner Ballett unter der Leitung von Félix Duméril beizutreten. Hier tanzte sie ein breites Repertoire und durfte eigene Choreographien aufführen. Emma Murray ist seit 2007 freischaffende Tänzerin und Choreographin und lebt in Bern. «My body is an island» (2008) war ihre erste Koproduktion mit der Dampfzentrale Bern, gefolgt von «You Should Have Seen Me» (2010), sowie dessen Weiterentwicklung im Jahr 2011.
«Soleils» von Pierre Droulers (F)
Tanz
Ob man in blendendes Licht schaut oder der Dunkelheit ausgesetzt ist, in beiden Fällen sieht man nichts. Zwischen diesen Extremen aber liegt eine Spannbreite an Helligkeit. Mit den Facetten und Effekten des Lichtes und seiner Energie spielt der belgisch-französische Choreograph Droulers in seinem neuen Stück «Soleils».
Pierre Droulers fokussiert in seiner neusten Kreation auf das Licht. Das Licht mit all seinen Bedeutungen, Formen, Gestalten und seinen Effekten. Zwei Gedichte haben ihn dazu inspiriert: «Do not go gentle into that good night» von Dylan Thomas und «There’s a certain slant of light» von Emily Dickinson. Mit diesen Texten im Kopf suchte der in Frankreich geborene 62-jährige Droulers nach einem tänzerischen Ausdruck des Lichtes und fand die Basis in karnevalesken Ritualen und Prozessionen. «Soleils», ein Tanzstück aus neun jungen TänzerInnen, beginnt langsam und beinahe immobil und endet in einem verrückten Tanz voller Effort, Talent und Vitalität.
Kreation: Pierre Droulers in Zusammenarbeit mit den TänzerInnen, TänzerInnen: Yoann Boyer, Malika Djardi, Stanislav Dobak, Michel Yang, Louis Clément Da Costa, Benjamin Pohlig, Peter Savel, Jonathan Schatz, Katrien Vandergooten, Künstlerische Zusammenabeit: Yuji Oshima, Originalmusik: Beth Gibbons, Eric Thielemans, Lichtkonzept: Pierre Droulers, Marc Lhommel, Kostümdesign: Jean-Paul Lespagnard, Bühnenbild: Chevalier-Masson, Künstlerische Assistenz und Sound-Design: Arnaud Meuleman, Choreographische Assistenz: Michel Yang, Technische Koordination: Marc Lhommel, Lichtkontrolle: Philippe Fortaine, Sound-Kontrolle: Benoît Pelé
Produktion: Charleroi Danses, Centre chorégraphique de la Fédération Wallonie-Bruxelles, Koproduktion: Kunstenfestivaldesarts / Festival de Marseille / Maison de la Culture de Tournai / Next Festival
«There’s a certain slant of light», Emily Dickinson
There’s a certain slant of light,
On winter afternoons,
That oppresses, like the weight
Of cathedral tunes.
Heavenly hurt it gives us;
We can find no scar,
But internal difference
Where the meaning are.
None may teach it anyhting,
’Tis the seal, despair, --
An imperial affliction
Sent us of the air
When it comes, the landscape listens,
Shadows hold their breath;
When it goes, ’tis like the distance
On the look of death
«Do not go gentle into that good night», Dylan Thomas
Do not go gentle into that good night,
Old age should burn and rave at close of day;
Rage, rage against the dying of the light.
Though wise men at their end know dark is right,
Because their words had forked no lightning they
Do not go gentle into that good night.
Good men, the last wave by, crying how bright
Their frail deeds might have danced in a green bay,
Rage, rage against the dying of the light.
Wild men who caught and sang the sun in flight,
And learn, too late, they grieved it on its way,
Do not go gentle into that good night.
Grave men, near death, who see with blinding sight
Blind eyes could blaze like meteors and be gay,
Rage, rage against the dying of the light.
And you, my father, there on the sad height,
Curse, bless, me now with your fierce tears, I pray.
Do not go gentle into that good night.
Rage, rage against the dying of the light.
Biographie Pierre Droulers
Pierre Droulers (F, 1951) ist ein belgisch-französischer Choreograph und Tänzer. Er verbrachte drei Jahre an der Mudra – der Tanzschule von Maurice Béjart in Brüssel – und studierte beim Theaterdirektor Jerzy Grotowski in Polen. Später nahm er an Workshops von Bob Wilson in Paris teil. 1978, während eines Trips nach New York, entdeckte er Steve Paxtons Arbeit, die ihn sehr inspirierte. Seit 2005 ist er Ko-Direktor von Charleroi Danses.
«Night Tripper» von Fiksdal/Langgård/Becker (NO)
Performance
Wenn die Sonne untergeht, startet das Ritual «Night Tripper». Das norwegische Stück ist ein sozialer Event, in dem Mythologien, Vodookultur, Geister und die Seele der Natur thematisiert werden. Und der Zuschauende staunend in die Nacht entführt wird.
In «Night Tripper» erkunden die Choreographin Ingri Midgard Fiksdal, die Komponistin Ingvild Langgård und die Bühnenbildnerin Signe Becker die Natur. Die ist für die Norwegerinnen beseelt und wird durch heilende als auch zerstörende Kräfte verwaltet. Die drei Frauen aus dem Norden lassen Mythologien auf das moderne alltägliche Leben treffen und zu einem überirdischen, kaum greifbaren Märchen verschmelzen. «Night Tripper» ist inspiriert von den Vorstellungen und der Ästhetik der Voodookultur. «It’ s a journey into the dark sides of your soul. No drugs required.» beschreibt Thomas Frank, künstlerischer Leiter von brut Wien das Stück, das nicht nur durch seine Thematik packend ist – «Night Tripper» ist ebenso eine überzeugende Kollaboration zwischen TänzerInnen, MusikerInnen, der Natur und der untergehenden Sonne. Es ist eine Konzertperformance, ein Ritual, ja ein gesellschaftliches Ereignis, das die Dämmerung nutzt, um das Publikum in die Nacht zu entführen.
Konzept, Choreographie: Ingri Midgard Fiksdal, Ingvild Langgård, Signe Becker, Performance: Ingri Midgard Fiksdal, Ingvild Langgård, Signe Becker, Jørn Tore Egseth, Pernille Holden, Ane Marthe Sørlien Holen, Gunhild Mathea Olaussen, Musik: Jørn Tore Egseth, Pernille Holden, Ane Marthe Sørlien Holen, Gunhild Mathea Olaussen. Eine Kollaboration zwischen Brut Wien, Black Box, In Between Time, Anti Festival and Maska, Koproduziert durch brut-künstlerhaus (Wien), Inbetween Time Productions (Bristol), ANTI festival (Kuopio) und Black Box Theatre (Oslo), Unterstützt durch Up to Nature, The Norwegian Arts Council, Fond for lyd og bilde and Fund for performing artists. Night Tripper wird von The Norwegian Arts Council, vom Fond for lyd og bilde und vom Fond for utovende kunstnere unterstützt.
«An extraordinary piece, simple yet powerfully affecting» The Guardian
Biographie: Ingri Midgard Fiksdal (FIN)
Die norwegische Performerin Ingri Midgard Fiksdal schloss 2006 ihr Tanzstudium an der National Academy of the Arts in Oslo ab. Ihre Arbeiten «Night Tripper» und «The Orchard Ballads» waren bereits auf mehreren Bühnen und Festivals zu sehen u.a. im brut-Wien, Kampnagel (Hamburg), LIMIT (Belgrade), MDT (Stockholm), IBT13 (Bristol), Homo Novus (Riga), The Armory Show (NYC), HIFA (Harare). In Fiksdals Arbeiten sind die Zuschauenden oft integraler Bestandteil. Damit schafft sie Aufmerksamkeit und eine direkte und sinnliche Übertragung der Inhalte. Ein durchgehendes Thema in Fiksdals Stücken ist das Ritual.
«Black Swan» von Misato Inoue (JPN)
Tanz
In «Black Swan» entfaltet sich Misato Inoue auf spielerische und ästhetische Art, als würde ein Origami zerlegt. Erst in weiss eingehüllt, steht die Tänzerin und Partnerin von Félix Duméril danach als schwarzen Schwan vor dem Publikum. Das 15-minütige Tanzstück ist eine Hymne an die Kreativität ist und hat am Choreographie-Concours in Belgrad den 2. Preis erhalten.
Choreographie und Tanz: Misato Inoue, Musik: Ludovico Einaudi, Thomas C Gas, Kostüm: Cathy Sharp, Coaching: Cathy Sharp, Felix Dumeril, Elayne Phillips, Foto: Peter Schnetz, Produktion: T42 DANCE PROJECTS
Biographie: Misato Inoue (JPN)
Inoue studierte Tanz in Japan und schloss am Laban Centre in London mit dem BA hons Dance Theatre Course ihre Ausbildung ab. Sie tanzte bei der Okamoto Ballet company, in der Produktion von Pierre Favre für die «Expo 02» und bei Hideto Heshiki. Seit 2006 kreierte sie gemeinsam mit Félix Duméril diverse, zum Teil abendfüllende Choreographien und führte diese in der Schweiz, in Portugal, in Frankreich, in Japan, in Irland und in der Tschechischen Republik auf. Sie tritt seither ebenfalls mit Félix Duméril als Tänzerin auf und ist Mitbegründerin des T 4 2 DANCE PROJECTS. Seit 2008 ist Misato Inoue als Tänzerin beim Cathy Sharp Ensemble engagiert.
Biographie Félix Duméril (CH)
Félix Duméril absolvierte seine Ausbildung bei Anne Woolliams an der Schweizerischen Berufsballettschule Zürich, an der John-Cranko-Schule in Stuttgart und am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Es folgten Engagements bei De Rotterdamse Dansgroep, beim Ensemble T®ansform, der Company Pretty Ugly, bei der Pool Company, bei inFlux company und Hideto Heshiki. Seit 1994 als Tänzer engagiert, wurde Félix Duméril 1999 Ballettdirektor und Hauschoreograph des Stadttheaters Bern, wo er in den folgenden fünf Jahren 16 Choreographien kreierte. Seit August 2004 ist er als freischaffender Gastchoreograph, Tänzer und Pädagoge tätig.


Ein Festival ganz nach Goethe: "Die Kunst ist nichts anderes als das Licht der Natur". Bild 1: Black Swan Quelle: Veranstalter
Bild 2: Soleils © Dominique Libert
Bild 3: Murray © Oliver Neubert
Bild 4: Fiksdal © Signe Becker