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Assoziationen an eine barocke Du-Paquier-Vase

Expo Shanghai: Österreich-Tag im Zeichen der Architektur Revolutionärer Pavillon von SPAN & Zeytinoglu

Am 21. Mai steht die Expo Shanghai im Zeichen Österreichs. Der
„Österreich-Tag“ rückt einmal mehr den Pavillon der Wiener Architekten
SPAN & Zeytinoglu in den Mittelpunkt. Der Bau ist das Ergebnis computergesteuerter Entwurfsprozesse, die natürliche evolutionäre Entwicklungen zum Vorbild haben.

Mit seiner Verbindung von Dynamik und Harmonie, futuristischen und poetischen Elementen sowie seinen baulichen Referenzen an das Gastgeberland zählt der österreichische Pavillon zu den fünf beliebtesten auf dem Expo-Gelände.

Die effizientesten Systeme schafft die Natur selbst – dafür sorgt die Evolution.
Was natürlich über extrem lange Zeitspannen passiert, können Computerprogramme heute beschleunigt simulieren. Solche Programme haben die Wiener Architekten SPAN & Zeytinoglu mit dem Österreich-Pavillon erstmals auf architektonischem Gebiet anwendbar gemacht.

„Evolutionäre Prozesse sind schon lange ein wichtiger Teil unserer Entwurfspraxis“, so Matias del Campo von SPAN. „Wir steuern sie am Computer mit festgesetzten Parametern. Selbst intensive Kräfte – Umweltfaktoren wie die Besonnung, Windströmung oder das Verhalten von Schallwellen im Raum – werden zu Parametern von digitalen Simulationen, also zu massiv formgebenden Faktoren.“

Diese Parameter führten beim Pavillon beispielsweise zu einem organisch in das Volumen gedrückten Eingangsbereich, der vor Sonne und Wind geschützt ist.

Digitale Modelle


In der Entwurfsphase arbeiteten SPAN & Zeytinoglu ausschließlich digital. Die am Computer generierten Modelle erwiesen sich als essenzielles Tool zur Abstimmung von Architekten, Fachplanern und ausführenden Unternehmen. Zur Herstellung der stählernen Tragwerkskonstruktion wurden im Abstand von sechzig Zentimetern Schnitte generiert.

„Auf der Baustelle wurde mit einem 3-D-Scanner kontrolliert, ob digitales Modell und Gebäude übereinstimmen“, erklärt Arkan Zeytinoglu. „Die regelmäßige Überprüfung garantierte Präzision bei der Umsetzung des Entwurfs.“


Kontinuierliche Raumhülle


Um die digitalen Modelle baulich umsetzen zu können, haben sich die Architekten Erkenntnisse aus der Topologie zunutze gemacht, die sich mit komplex gekrümmten Oberflächen befasst. „Die Geometrien der Natur sind unmittelbar in den Entwurf eingeflossen“, erklärt Sandra Manninger, ebenfalls von SPAN.

„Das erlaubte uns, die räumlichen Elemente bruchlos ineinander zu überführen.“ Erkennbar wird das an der organisch geschwungenen Hülle des Pavillons ebenso wie in der kontinuierlichen Wegeführung im Inneren, geprägt durch nahtlose Übergänge zwischen den Räumen sowie harmonisch sich erweiternde und verengende Bereiche.

Die Trennung von Boden, Wand und Decke ist aufgehoben; im Restaurant verzahnt sich die Decke mit dem Boden. Auch das von SPAN & Zeytinoglu entworfene Mobiliar folgt rigoros diesem Entwurfsgedanken und fügt sich nahtlos ins Gesamtbild des Pavillons.


Porzellanfassade

Mit einer von rot nach weiß changierenden Haut aus nicht weniger als zehn Millionen Porzellanfliesen erweckt der Pavillon Assoziationen an eine barocke Du-Paquier-Vase – eine Anspielung auf Porzellan als verbindendes Element zwischen Österreich und dem Gastgeberland:

China hat die Porzellanherstellung entwickelt, Österreich zählt zu den ältesten Herstellern Europas. Die Oberfläche knüpft darüber hinaus an eine Linie österreichischer Architektur an, die sich mit Keramik als Oberflächenabschluss beschäftigt, wie Otto Wagners Majolicahaus oder der „Schrein des Buches“ von
Friedrich Kiesler.

Zur Optimierung von Modulgröße, Farbabstufung und Verlegung kam wiederum Hightech ins Spiel. Scripting und Parametric Modeling führten zur Wahl kleiner hexagonaler Steine von 2,5 Zentimetern Durchmesser. Sie verteilen die Spannungskräfte gleichmäßig über die Fläche und sorgen für einen ebenmäßigen Farbverlauf.

ArchitektInnen


Matias del Campo, geboren 1970 in Santiago, Chile, studierte Architektur an der Universität für angewandte Kunst Wien. Seit 2003 Projekte, Ausstellungen und Publikationen unter dem Label SPAN gemeinsam mit Sandra Manninger. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen, 2008 Kurator, ABB Architecture Biennale Beijing. Seit 2008 Gastprofessor für Architekturentwurf am Dessau Institute of Architecture.


Sandra Manninger, geboren 1970 in Graz, studierte Architektur an der Technischen Universität Wien. Zahlreiche Projekte, Ausstellungen und Publikationen in Zusammenarbeit mit Matias del Campo unter dem Label SPAN. Mehrfach ausgezeichnet für die Architekturentwürfe von SPAN. Seit
2008 Gastprofessorin für Architekturentwurf am Genetic Architecure Studio, ESARQ, Barcelona.


Arkan Zeytinoglu, geboren 1968 in Klagenfurt, studierte Architektur an der Technischen Universität Graz, anschließend „5th Year Design Studio“ an der Cooper Union in New York. Generalplaner für private und staatliche Bauherren im Bereich Architektur und Interior Design, Konzeption und Umsetzung von Hotel- und Resortprojekten im In- und im Ausland. Seit 1995 Büro in Wien, Partnerbüros in Wien und im Ausland.


www.span-arch.com / www.span.vox.com
www.arkan.at

Sonja Illa-Paschen

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