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Evangelischen Buchpreis 2009 geht an Friedrich Christian Delius

Der Evangelischen Buchpreis geht in diesem Jahr an den in Berlin und Rom lebenden Schriftsteller Friedrich Christian Delius. Wie der Deutsche Verband evangelischer Bücherreihen mitteilte, gilt die Auszeichnung dem Roman "Bildnis der Mutter als junge Frau" (2007).

Der Roman spielt im Januar 1943 in Rom: Eine junge deutsche Frau steht kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes. An einem sonnigen Tag begibt sie sich auf einen Spaziergang durch die fremden Straßen. Trotz der verwirrend schönen Eindrücke ist sie mit ihren Gedanken woanders. Ihr Mann wurde überraschend an die afrikanische Front abkommandiert. Der Zeitpunkt seiner Rückkehr ist ungewiss. Und auf ihrem Gang durch die Ewige Stadt beginnt die junge Frau zu ahnen, dass der Krieg verloren gehen könnte…

In dieser Erzählung greift Friedrich Christian Delius seine eigene Familiengeschichte auf. Die junge Frau, die mit offenen Augen, bangem Herzen und nicht nachlassender Hoffnung durch die von Bomben noch verschonte Ewige Stadt läuft, ist seine Mutter. Ob es nun dieser autobiographische Bezug ist oder der Zauber Roms, die Ängste des Krieges oder die einfühlsam erzählte Liebesgeschichte - dieses Buch entwickelt eine Sogkraft, der man sich kaum entziehen kann.

Friedrich Christian Delius, geboren am 13. Februar 1943 in Rom, in Hessen aufgewachsen, lebt heute in Berlin und Rom. Mit zeitkritischen Romanen und Erzählungen wie der Trilogie "Deutscher Herbst" und "Die Birnen von Ribbeck", aber auch als Lyriker wurde Delius zu einem der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren. Zu seinen bekanntesten Werken gehören unter anderem: "Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde", "Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus", "Die Flatterzunge", "Der Königsmacher" sowie "Mein Jahr als Mörder" und "Bildnis der Mutter als junge Frau". Bereits vielfach ausgezeichnet, erhielt Delius zuletzt den Walter-Hasenclever-Literaturpreis, den Fontane-Preis und den Joseph-Breitbach-Preis. Delius ist augenblicklich Stadtschreiber von Bergen-Enkheim und wird die Auszeichnung am 27. Mai in Neumünster entgegen nehmen.

Der Evangelische Buchpreis wird seit 1979 in wechselnden Sparten verliehen. Er ist ein Leserpreis, dessen Auswahl ausschließlich auf Vorschlägen von Leserinnen und Lesern beruht. Ausgezeichnet werden Bücher, für die Christen sich einsetzen können. Aus den 104 Vorschlägen wählte die Jury "Das Bildnis der Mutter als junge Frau" aus und stellte eine Empfehlungsliste mit acht  empfehlenswerten deutschsprachigen Romanen zusammen. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

(red)