Am 1. April 1882 verschwindet ein Mädchen in dem ungarischen Dorf Tisza-Eszlàr. Das Mädchen ist Christin. Schnell fällt der Verdacht auf die jüdischen Einwohner. Sie hätten das Mädchen bei ihrem Pessachfest als Blutopfer dargebracht. Der Mob ist angestachelt, die ungarischen Behörden müssen in weiten Teilen des Landes den Notstand ausrufen, die Folgen sind verheerend und reichen weit ins 20. Jahrhundert hinein. In dem Gerichtsprozess, der in die Geschichtsbücher als »Affäre von Tisza-Eszlár« eingehen wird, sagt auch der Sohn des Schammes aus. Durchs Schlüsselloch der Synagoge habe er beobachtet, wie sein eigener Vater das Messer an den Hals des Kindes gelegt hat.
Der Theater- und Filmregisseur Kornél Mundruczo gehört zu den wichtigsten jungen Künstlern Ungarns. Seine Arbeiten sind auf zahlreichen internationalen Festivals zu sehen. Zu Beginn der Spielzeit wird er die Cumberlandsche Bühne in ein ungarisches Dorf des ausgehenden 19. Jahrhunderts verwandeln, zurückschauen auf ein vermeintlich abgeschlossenes Kapitel der Geschichte und gemeinsam mit den Spielern den Mechanismus dieser katastrophalen Erregung untersuchen.
Aufführungen bis zum 26.9.2010
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