„Es führt von der Poesie kein direkter Weg ins Leben, aus dem Leben keiner in die Poesie“ postulierte Hugo von Hofmannsthal. Diesem Dichter der vorletzten Jahrhundertwende haben der Komponist Hans Werner Henze zusammen mit seinen Librettisten W.H. Auden und Chester Kallman ihre dreiaktige Oper „Elegie für junge Liebende“ gewidmet, die 1961 uraufgeführt wurde. Das moderne Werk begibt sich nun auf just jenen Weg, der Poesie und Leben verbindet.
In den signifikante Titel tragenden Szenen zeigt es, wie ein Gedicht entsteht, dessen Titel auch die Oper bezeichnet. Der poetischen Geburt des arrivierten Dichterfürsten Gregor Mittenhofer steht der reale Gebirgstod des Liebespaares Elisabeth Zimmer und Toni Reischmann nicht nur gegenüber – sie bedingen sich gegenseitig.
Der metaphorische Olymp der Kunst und die alpine Bergwelt um den pittoresken Spielort im Gasthaus „Der Schwarze Adler“ fallen so ineinander. Dabei wird der ornithologische Name des Hotels zum Programm:
Von Gregors Frühstücksei, über zahlreiche Liebes- täubchen und „eine aristokratische Gans“ bis hin zur vampiresken Ausbeutung durch Mittenhofer wird eine Welt durch sanften Flügelschlag und hackende Schnäbel kreiert.
Die Musik ist dabei von einer luziden Künstlichkeit, die mit Montage, Zitaten und auch Parodie arbeitet. So erhält beispielsweise die Visionärin Hilda Mack, die seit 40 Jahren auf die Rückkehr ihres nach der Hochzeitsnacht entschwundenen Bräutigams wartet, Züge der wahnsinnigen Lucia di Lammermoor.
Die Figuren werden durch obligate Instrumente charakterisiert – Hilda mit der Flöte, Elisabeth mit der Violine, Gregor mit der Blechgruppe, so dass ein artifizielles Netz aus Beziehungen entsteht, das die Zuhörer in dem gefangen hält, was Hofmannsthal als „traumhaft deutlichen, flüchtigen Seelenzustand …, den wir Stimmung nennen“ beschrieb.
Das Henze-Projekt. Neue Musik für eine Metropole Als Komponist, Festivalleiter, Förderer junger Talente und Impulsgeber gehört Hans Werner Henze zu den prägenden Persönlichkeiten und Pionieren der Moderne.
Für die Hommage an den Künstler und Musikdenker hat sich die gesamte Musiklandschaft der Region zu einem Netzwerk für Neue Musik zusammengeschlossen. 35 Partner präsentieren von Januar bis Dezember 2010 Henzes musikalisches Werk und gesellschaftliches Handeln. Initiiert von der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010.
Besetzung
Musikalische Leitung Noam Zur
Inszenierung Karoline Gruber
Bühne Roy Spahn
Kostüme Mechthild Seipel
Videoinstallation Corinne Rose / Janina Janke
Dramaturgie Alexander Meier-Dörzenbach a. G.
Aufführungen bis zum 16.7.2010
Kontakt
Theater und Philharmonie Essen GmbH
Opernplatz 10
45128 Essen
Presse
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