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Noch 2 mal in Wiesbaden

Emilia Galotti am Staatstheater Wiesbaden - Regisseurin Ricarda Beilharz setzt ein ganz starkes Signal zu Beginn ihrer Inszenierung

Der italienische Prinz Gonzaga ist ebenso charmant wie gewissenlos. Als er zufällig Emilia Galotti begegnet, erfasst ihn sofort eine rasende Leidenschaft für das junge Mädchen. Sein Hauptziel ist es nun, sie zu besitzen, und er vernachlässigt darüber seine Staatsgeschäfte und seine Geliebte, die Gräfin Orsina.

Als er erfährt, dass Emilia im Begriff ist, den Grafen Appiani zu heiraten, versucht er mit aller Macht, diese Hochzeit zu vereiteln. Doch die Trauung findet statt und Prinz Gonzaga wendet sich an seinen skrupellosen Kammerherrn Marinelli, der für ihn einen heimtückischen Plan ausheckt:

Das Brautpaar wird überfallen, Appiani getötet und Emilia in das Anwesen des Prinzen gebracht.

Emilia schaudert bei dem Gedanken an ein Wiedersehen mit dem Prinzen, der ihr am Morgen seine leidenschaftliche Liebe gestanden hat. Gleichzeitig fürchtet sie, seinen Verführungskünsten zu erliegen. Währenddessen treffen Orsina und Odoardo Galotti, Emilias Vater, ein.

Die eifersüchtige Gräfin gibt Odoardo einen Dolch, mit dem er sich und seinen ermordeten Schwiegersohn rächen soll. Gerade als Odoardo das Schloss verlassen will, um die Rache Gott zu überlassen, trifft er auf Emilia...

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) vollendete ‚Emilia Galotti’ 1772, im gleichen Jahr fand auch die Uraufführung in Braunschweig statt. Neben der zeitlosen Kritik an Herrschaft und Korruption geht es in ‚Emilia Galotti’ aber vor allem um den echten Gefühlskonflikt eines jungen Mädchens, das seine Verführbarkeit erkennt und an der Unmöglichkeit seiner Sinnlichkeit zugrunde geht.

Die Regisseurin und Bühnenbildnerin Ricarda Beilharz ist dem Wiesbadener Publikum mittlerweile gut bekannt. So inszenierte sie im Schauspiel ,Der Nachlass’ von Maja Das Gupta, die Komödie ‚Der Gott des Gemetzels’ von Yasmina Reza und Schillers Trauerspiel ‚Die Räuber’.

Die Schülerin des Bühnenbildners Prof. Achim Freyer entwirft die Ausstattung für ihre Inszenierungen meist selber und arbeitete mit verschiedenen Regisseuren, wie zum Beispiel Andreas Kriegenburg und Tina Lanik.

Ricarda Beilharz gehörte zum künstlerischen Leitungsteam von Stefan Bachmann am Theater Basel, sie arbeitete u.a. am Thalia Theater Hamburg, bei den Salzburger Festspielen, den Berliner Festwochen. Mehrere Produktionen, an denen sie als Bühnenbildnerin mitwirkte, wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Wunderbar spielerisch-verliebt schäkert Emilia mit ihrem Verlobten Graf Appiani; grandios die erdig-erotische Begegnung Emilias mit dem Prinzen, die die schöne Rose gleichzeitig gießt und besudelt; erschreckend intensiv, wenn Marinelli dem Prinzen seine Ergebenheit mit einer am eigenen Kopf zerborstenen Bierflasche bekunden muss.

Michael von Burg spielt ihn überzeugend als gewissenlos-verschlagenen Totengräber, der einem Mafiosi gleich die Strippen zieht. (...)Franziska Werner schließlich füllt die Titelrolle mit dem ihr eigenen somnambulen Spiel. Eine grandiose Leistung. Das Publikum würdigte sie mit Bravos und spendete dem Abend starken Beifall.

Wiesbadener Tagblatt, 12.04.2010

Regisseurin Ricarda Beilharz setzt ein ganz starkes Signal zu Beginn ihrer Inszenierung. Dass alle im tragischen Knoten verstrickt sind, macht die konzentrierte und dramaturgisch kluge Figurenpräsenz deutlich.

Franziska Werners Geschichte, ist eine voller Gefühl und wird beinah schlafwandlerisch vollzogen. Bravourös über Lessing hinaus. Eine Aufführung, die manche Text- und Sehgewohnheiten verschiebt – also eine anregende.

Wiesbadener Kurier, 12.04.2010

Ricarda Beilharz lässt Gotthold Ephraim Lessings Trauerspiel zügig in Gang kommen. (...) Im gerafften Fortschreiten der Handlung bleibt Florian Thunemann als Appiani aber Gelegenheit, in einem pointierten Duett zu klären, dass Emilia sein Glück gewesen wäre. Zweihändig spielen sie auf dem Akkordeon.

Mehr Zeit hat Jürg Wisbach als Prinz, seiner Leidenschaft zu frönen. Er ist brutal, aber kein Vergewaltiger und ansehnlich. Ironischerweise mag er ‚La Traviata‘.

Lessings ein wenig absurde Volte, dass Emilia vor allem sterben will, weil sie Angst hat, dem Mann zu erliegen – was sei schon Gewalt, meint sie, obwohl Gewalt eine ganze Menge ist -, war selten so plausibel.

Frankfurter Rundschau, 13.04.2010

Regisseurin und Bühnenbildnerin Ricarda Beilharz verdichtet und transportiert die Story mit antiken Wurzeln auf eine für den Zuschauer unserer Tage zugängliche Ebene, ohne die klare Sprache Lessings zu untergraben oder mit billigen Anbiederungen zu kokettieren.

Franziska Werner erfüllt die Titelrolle mit herber Anmut, in auswegsloser Anfechtung lässt sie noch Lebenslust aufblitzen. Ihre Emilia ist kein Opfer, sondern eine selbstbewusste junge Frau, die persönliche Konsequenzen zieht: ‚Eine Rose gebrochen, eh der Sturm sie entblättert.‘

Frankfurter Neue Presse, 12.04.2

Regie und BühneRicarda Beilharz
KostümeJelena Miletic
DramaturgieDagmar Borrmann
Mit:
Emilia GalottiFranziska Werner
Odoardo GalottiUwe Kraus
Claudia GalottiMonika Kroll
Hettore Gonzaga, Prinz von GuastallaJürg Wisbach
MarinelliMichael von Burg
Gräfin OrsinaDoreen Nixdorf
Graf AppianiFlorian Thunemann

Tragödie von Gotthold Ephraim Lessing

Kleines Haus

Aufführungsdauer: 1 Stunde 45 Minuten. Keine Pause.

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