Oliver Hirschbiegel gelingt nach "Der Untergang" ein weiterer packender Film, der sich mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte auseinandersetzt. Hier setzt er dem früh Widerstand leistenden Hitler-Attentäter Georg Elser ein Denkmal.
Elser - Er hätte die Welt verändert demnächts im Kino
Das Drama um den frühen und lange nicht als solchen gewürdigten Widerstandskämpfer Georg Elser packt, ohne aufgesetzt oder wie Bildungsfernsehen zu wirken und auch ohne eine eindimensionale Heldengeschichte zu erzählen. Ein starkes, gut durchdachtes und konstruiertes, ausgewogenes Drehbuch von Fred Breinersdorfer, der bei "Sophie Scholl" bereits erfolgreich ähnliches Terrain bearbeitete, und Tochter Leonie Claire, liefert die Basis.
Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang") sorgt mit Kamerafrau Judith Kaufmann dafür, dass engagiertes, erwachsenes Kino daraus entsteht mit Bildern, die das Landleben am Bodensee und in der schwäbischen Provinz in leuchtenden, bunten Farben ausmalt und mit dem trist schmutziggrau des Verhörraums kontrastiert. Dort wird Elser (Christian Friedel) kurz nach seinem missglückten Anschlag - 13 Minuten (so der englische Titel) zündete der Sprengsatz zu spät - im November 1939 von zwei gegensätzlichen Männern, dem auch mitfühlenden Kripochef Neber (Burghart Klaußner) und dem linientreuen SS-Karrierist Müller (Johann von Bülow), in die Mangel genommen.
Hirschbiegel schildert die Gestapofoltertechniken offen, schmerzhaft auch für den Zuschauer, der umso mehr Respekt vor Elsner gewinnt, der anfangs auf den Druck noch mit Frechheit reagiert. Die geschickt eingebauten Rückblenden in die Vergangenheit Elsners, als er die Frauen und insbesondere die verheiratete Elsa (Katharina Schüttler) als Musiker und Charmeur erobert, nimmt man dankbar auf. Sie schildern auch anschaulich die Entwicklung Elsers vom Pazifisten zu jemandem, der nachdem er u.a. die Verhaftung seines Freundes miterlebt, etwas tun muss und dabei auch den Tod von Unschuldigen in Kauf nimmt. Elser wird auch in seiner Schwäche gezeigt, etwa wenn er anfangs zusieht, wie Elsa von ihrem Mann drangsaliert wird, ohne einzugreifen.
Friedel, hochgelobt für "Das weiße Band" legt als Elser erneut einen formidablen, vielschichtigen Auftritt hin und reüssiert auch als Sänger und Musikant. Die von ihm vorgetragenen (Volks)lieder passen sich hervorragend in den modernen, zurückhaltenden Score ein, tragen viel zur emotionalen Involvierung bei. Aber auch Klaußner, von Bülow und Schüttler passen sich perfekt in ihre Rollen. Einen Heimat- und einen Liebesfilm und einen Politkrimi wollte Hirschbiegel nach eigener Aussage machen und Elser als Widerstandskämpfer würdigen. All das ist ihm gelungen. hai.
Georg Elser hätte die Geschichte verändern können
Kinostart: 09.04.2015


13 Minuten haben ihm gefehlt, dann hätte die von ihm gebaute Bombe Adolf Hitler getötet; (c) NFP (Tobis)




