Gesellschaft Freunde der Künste

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Besessen von Rache

Elektra, Oper von Richard Strauss, am 13.11.2009, Theater im Pfalzbau

Agamemnon wurde von seiner Frau Klytämnestra und ihrem Geliebten Aegisth ermordet. Seine Tochter Elektra ist besessen von dem Gedanken an Rache. Doch um die Tat zu vollbringen sucht sie Verbündete. Chrysothemis allerdings entzieht sich dem Wunsch der Schwester, sie sehnt sich nach einem normalen Leben ohne Angst, Blut und Tod. Die Rückkehr ihres Bruders Orest lässt neue Hoffnung in Elektra aufflammen. Als dieser Klytämnestra und Aegisth erschlägt, ist Elektras Rache und damit ihr Leben erfüllt.

Richard Strauss’ Oper Elektra schnürt uns auch heute noch die Kehle zu, denn sie führt uns unsere eigenen Ängste und unsere Ohnmacht vor Augen, zumal diese Welt Hugo von Hofmannsthals, anders als bei Sophokles oder Aischylos, gottlos ist – der Himmel ist leer. Den Regisseur Hansgünther Heyme reizte es insbesondere, in der Oper von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal die bittere Situation der Frau zu beleuchten.

Für ihn besteht kein Zweifel darin, dass die Elektra Hugo von Hofmannsthals 1903, also in der Zeit vor dem ersten deutschen Krieg anzusiedeln ist. Er stellt in seiner Inszenierung die Frage, welche Chance eine Frau in der damaligen Enge überhaupt hatte. Die Tragik der Elektra-Figur besteht vor allem darin, dass ihr eigentliches Leben im Tod stattfindet. Elektra lebt das eigene Leben lediglich als seelenlose Hülle und ist nur noch auf den Tod fixiert, um den Vater nach der Ermordung der verantwortlichen Vatermörder irgendwo in den Unterwelten oder über den Wolken zu begegnen.

Gegen die irdische Welt, die sie gefangen hält, bäumt sie sich auf, und diese radikale Auflehnung gilt gerade 1909 der männlichen Engstirnigkeit und nationalistischen Eitelkeit. Insofern ist das einzelne Individuum und gerade die Frau eng mit den gesellschaftlich-politischen Gegebenheiten verflochten, denn nicht zuletzt geht es um Macht und die Mächtigen. Nicht nur Elektra, auch den Mägden, der Aufseherin, der Schleppträgerin, der männlichen Dienerschaft wird ein eigenes Leben verweigert. Vor dem ersten Weltkrieg entstanden, prangert das Stück sowohl das Wilhelminische Preußen als auch das Habsburgische Österreich an.

Elektra sucht sich durch ihren Totentanz davon zu befreien. Frauenfiguren wie Wildes Salome, Ibsens Nora oder Wedekinds Lulu sind ihre Seelenverwandten. Richard Strauss hat für die Familientragödie der Elektra, die überdies in ein politisches Machtspiel verstrickt ist, eine Musik komponiert, die einerseits einen enormen Sog ausübt, andererseits aber immer auch präzise die Handlung und die darin eingebundenen Charaktere analysiert. Für Hansgünther Heyme, der erstmals Musiktheater inszenierte, das sich mit griechischer Antike beschäftigt, brachte diese Musik eine starke Reibung mit sich – eine Herausforderung, die von Erfolg gekrönt war:

»Eine schlüssige, bis ins kleinste Detail handwerklich perfekte Regie von Hansgünther Heyme, dazu ein Pfalztheaterorchester unter der Leitung seines Generalmusikdirektors Uwe Sandner, das wieder sein wahres Gesicht zeigte, sowie ein fantastisches Sängerensemble bescherten dem Kaiserslauterer Pfalztheater einen fulminanten Start in die Saison.«
Frank Pommer, Die Rheinpfalz, 15.9.2008

Aufführungen

13.11.2009

15.11.2009

Besetzung

Dichtung von Hugo von Hofmannsthal nach Sophokles
Regie und Ausstattung: Hansgünther Heyme
Musikalische Leitung: Uwe Sandner

Mit

Barbara Schneider-Hofstetter

Anna Maria Dur

Adelheid Fink

Alexis Wagner,

Steffen Schantz

Koproduktion von Pfalztheater Kaiserslautern  und Theater im Pfalzbau Ludwigshafen

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Links

http://www.theater-im-pfalzbau.de/theaterprogramm/musiktheater/elektra.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Elektra_(Strauss)

http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Strauss

http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_von_Hofmannsthal