Dem in Düsseldorf lebenden und arbeitenden, weltweit anerkannten Fotokünstler Andreas Gursky (geboren1955 in Leipzig) widmet das Museum Kunstpalast eine opulente Ausstellung, die drei Jahrzehnte seines künstlerischen Schaffens umfasst. Für die Schau hat Gursky 60 Arbeiten ausgewählt.
Unter Verzicht einer chronologischen Hängung wird die Durchmischung alter und neuer, kleiner und zum Teil sehr großformatiger Arbeiten dem Betrachter neue und auch ungewohnte Ansichten von Gurskys Fotokunst ermöglichen. Oberbürgermeister Dirk Elbers wird die Ausstellung am 22. September eröffnen.
Das Spektrum von Gurskys Arbeiten umfasst Themen wie Architektur, Landschaft, Innenräume, aber auch große Events mit riesigen Menschenmassen. In der Düsseldorfer Ausstellung, deren Bogen sich von Arbeiten aus den frühen 80er-Jahren bis zu den Werkreihen "Ocean I-VI" (2010) oder "Bangkok" (2011) spannt, präsentiert Andreas Gursky erstmals auch einige seiner neuesten, bislang noch nicht öffentlich gezeigten Arbeiten. Die Ausstellung im Museum Kunstpalast am Ehrenhof läuft bis zum 13. Januar 2013.
"Es ist keine reine Fotografie, was ich mache", beschreibt Gursky das eigene Werk. "Alle meine Bilder beruhen auf einer direkten visuellen Erfahrung, aus der ich eine Bildidee entwickle, die im Atelier der Prüfung ihrer Bildwürdigkeit unterzogen und schließlich am Computer ausgearbeitet und präzisiert wird."
Fast jeder von Gurskys Fotoarbeiten liegt eine Vielzahl von Aufnahmen zugrunde, die von ihm mit großem Aufwand am Computer zu einer Gesamtkomposition verdichtet werden. Nicht dokumentarische Objektivität, nicht Darstellung eines subjektiven Blicks ist das Ziel, sondern die künstlerische Synthese visueller Strukturen, die Konstruktion eines perfekten Einzelbildes oder einer Werkreihe.
Beat Wismer, Generaldirektor der Stiftung Museum Kunstpalast: "Gursky ist immer zuerst ein Bilder-Finder, erst in einem zweiten Schritt ein Bild-Erfinder. Seine Bilder entstehen nicht aus dem Nichts, da gibt es immer ein vorgefundenes - egal, wie weit das Vor-Bild danach weiter bearbeitet wird, bis es endlich der Vorstellung von Gurskys Bild entspricht."
Stärker noch als bei dem auf Satellitenaufnahmen beruhenden "Ocean"-Zyklus zeigt die Serie "Bangkok" Gursky als einen konzeptuell arbeitenden Künstler und zugleich als einen fotografierenden Maler. Den Arbeiten fehlen jegliche Verortungsmerkmale, allein der Titel "Bangkok" gibt einen Hinweis zur Lokalisierung des hier uferlos fließenden Wassers.
Zwischen Realität und fiktionaler Wirkung changierend, weisen insbesondere die Werke der "Bangkok"-Serie einen hohen Grad an Abstraktion auf und bieten Raum für eine Vielzahl malerischer Assoziationen. Sie lassen an Werke der informellen Kunst, an Bilder des abstrakten Expressionismus denken.
Zu den bislang noch nicht öffentlich gezeigten Arbeiten Gurskys gehört die mit "Katar" betitelte, aus dem Jahr 2012 stammende, großformatige Fotoarbeit eines zu Reinigungszwecken völlig entleerten riesigen Gas-Tanks auf einem Transportschiff. Um die gigantischen Ausmaße des wie ein Tresor wirkenden Raumes fotografisch festhalten zu können, musste Gursky 40 Meter tief in den mit goldschimmernden Aluminiumpanelen ausgestatteten Tank hinabsteigen. Mit der Winzigkeit des Menschen im Riesentank und mit den zahlreichen Lichtreflexen des klaustrophobisch wirkenden Raumes verleiht der global arbeitende Bildkomponist Gursky dieser Arbeit eine große poetische Wirkung.
Gurskys Fotokunst in der Düsseldorfer Werkschau macht deutlich, dass er seinen Standort abhängig von Bildmotiv und -thema wählt. In einigen seiner extrem großformatigen Werke wird mit Hilfe der digitalen Bildbearbeitung die Vielzahl perspektivischer Möglichkeiten - Frontalansicht, Aufsicht, Untersicht oder Übersicht - zusammengefasst.
Viele seiner Werke weisen daher eine perspektivische Ambivalenz zwischen distanzierter Übersicht und fokussierter Detailschärfe auf. Werke wie "Chicago Board of Trade III", (1999), "Madonna" (2001) oder "Boxenstopp" (2007) beruhen auf einem sehr komplexen Bildaufbau und verzichten auf die Betonung einer Zentralperspektive, alle Einzelheiten scheinen in diesen Bildern gleichwertig.
Andreas Gursky, der mit seinen Arbeiten einen wesentlichen Beitrag zur internationalen Bedeutung der zeitgenössischen deutschen Fotografie leistet, studierte 1977 bis 1981 an der Folkwang-Universität. Daran schloss sich ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf an, wo er von 1985 bis 1987 Meisterschüler von Bernd Becher war.
Gursky gehört mit Candida Höfer, Axel Hütte, Thomas Ruff, Jörg Sasse und Thomas Struth und anderen zur Gruppe der Becher-Schüler, für die der Begriff "Düsseldorfer Fotoschule" geprägt wurde. 2010 wurde Andreas Gursky als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf berufen und unterrichtet hier eine Klasse für Freie Kunst.
Begleitend zur Ausstellung erscheint im Steidl-Verlag ein 68 Seiten umfassender Katalog. Er kostet 24,80 Euro.


Bild 1: Blick in die Gursky-Ausstellung im Museum Kunstpalast. (c)düsseldorf.de
Bild 2: Das bisher noch nicht öffentlich ausgestellte Werk 'Katar' zeigt den Flüssiggastank eines Transportschiffes. (c)düsseldorf.de