12 Monate - 425.000 Besucher - 1,5 Mio. Klicks - 390 Tassen Kaffee - 55 Redaktionssitzungen - 235 Lunch-Newsletter - 988 Fotos - 850 Artikel - 2575 Termine - 1103 Adressen - 73 Partner
Mal ganz im Ernst - wie soll das funktionieren? Ein Hyperlokalmagazin im Internet, das täglich neue Storys, Interviews, Portraits und Kolumnen bringt - und im ersten Jahre arbeiten alle für lau? Das kann nicht funktionieren.
Kann es doch - wenn fünfzehn Köpfe, eine gute Idee und der schönste Stadtteil Kölns zusammentreffen.
„Meine Südstadt“ heißt Kölns erstes lokaljournalistisches Online-Magazin. Am 15. April wird es genau ein Jahr alt. Angefangen hat alles mit den drei Gründern Tamara Soliz, Dirk Gebhardt und Andreas Moll.
Die drei Freunde hatten 2009 die fixe Idee, dass es für ihren Stadtteil endlich ein echtes Online-Forum geben müsse - mit Nachrichten, Reportagen, Terminkalender, Mittagessen-Newsletter und einem Branchenteil, der alle Geschäfte und Einrichtungen umfasst.
Davon konnten sie zwar damals keine Bank überzeugen, dafür aber eine Handvoll anderer Südstädter. Mittlerweile trifft sich eine bunte Schar
von Autorinnen und Autoren zur wöchentlichen Redaktionssitzung am Esstisch von Andreas Moll:
Eine Redaktion aus Fernsehjournalisten, Radioreportern, Musikern, Romanautoren, einer Weinhändlerin und einer Hochzeitsplanerin entscheidet dann gemeinsam, was zwischen Waidmarkt und Gürtel, zwischen Eifelstraße und Rheinauhafen berichtenswert ist.
„Die meisten von uns sind Anhänger eines freien Journalismus. Sie lieben ihren Stadtteil und haben einfach Spaß daran, mal kritisch, mal liebevoll, auf jeden Fall ohne äußere Zwänge, das Leben hier einzufangen“, sagt Chefredakteurin Dorothea Hohengarten.
Interviews mit Prominenten wie dem Regisseur Rosa von Praunheim, dem Buchautor Frank Schätzing, dem Kabarettisten Wilfried Schmickler, den Schauspielerin Jessica Schwarz und Mario Adorf oder dem Erdmöbel-Sänger Markus Berges sind dabei entstanden.
Die Seite gibt aber auch ganz „normalen“ Südstädtern ein Gesicht - und fördert dabei spannende Geschichten zutage. So berichtete Petra Zimmermann, Inhaberin eines Schreibwarenladens, in einem Interview von den Drangsalierungen, die sie rund um den Kölner U-Bahn-Bau erleiden musste.
Eine türkische Familie gewährte Einblicke in ihre Opferfest-Vorbereitungen. Der Braslianer Ernesto Solis, auf Südstadt-Besuch, führte online Tagebuch über seltsame Deutschland-Begegnungen und zeichnete dazu eine bemerkenswerte Foto-Novela.
Natürlich schauten sich Tausende von Usern die Karnevals- Fotogalerie aus der Südstadt an und clickten neugierig auf die „Knutschbörse“, in der verlorene
Karnevalsbekanntschaften wiedergefunden werden konnten.
Und die Berichterstattung rund um die „Bananenrepublik“, den mit Bananenstauden bepflanzten Kreisverkehr, wurde deutschlandweit zitiert. „Meine Südstadt“ ist im ersten Jahr auch immer mehr zum Forum für umstrittene Themen geworden.
Die Besucher der Seite diskutierten heftig die Eröffnung eines Waffenladens auf der Bonner Straße - aus der Online-Diskussion entwickelte sich später die Bürgerinitiative „Veedel ohne Waffen“.
Viel Aufmerksamkeit erzielte in jüngster Zeit auch die Berichterstattung zu den dubiosen Grundstücksgeschäften rund um den geplanten Fachhochschulneubau in Bayenthal, die zwei Redakteure umfassend recherchierten.
Aktuellstes Projekt ist die Serie „Eine Südstadt für alle!“, in der sich die Redakteure in Reportagen, Interviews und Features mit den unterschiedlichen Facetten des Wandels, mit der Gentrifizierung der Südstadt auseinandersetzen und die viele Bewohner zum Mitdiskutieren animiert hat.
Auch erste Micro-Docs (Mini-Dokumentarfilme) finden sich auf der Seite - zum Beispiel über den evangelischen Pfarrer Hans Mörtter und die türkischstämmige Schneiderin Melek Alabogaz.
Nachbarn berichten für Nachbarn - das scheint den Menschen im Kölner Süden zu gefallen. Der Blick auf die Zahlen zeigt es. Dirk Gebhardt, Fotograf und Webmaster: „Am Anfang wurden wir von den meisten belächelt. Aus den 16.000 Besuchern der Website im Mai 2010 sind im März 2011 80.000 geworden.
Wir haben jetzt an einem Wochentag im Schnitt 2.050 Besucher.“
Dass die Redaktion eines Tages von der wachsenden Aufmerksamkeit für ihre Arbeit profitiert, daran haben die drei Gründer von Anfang an gearbeitet.
Unter den Firmen der Südstadt werden immer mehr zu Partnern von „Meine Südstadt“ und tragen die Seite mit einem monatlichen Betrag. Dafür
sind sie - klar getrennt vom unabhängigen redaktionellen Teil - im Branchenteil mit Portraits, in der Rubrik „Aufgeschnappt“ mit Nachrichten und im Lunchnewsletter mit ihren Mittagessenangeboten
vertreten.
Ein Teil der Einnahmen wird mittlerweile an die AutorInnen ausgeschüttet - ihre Aufbauarbeit, im ersten Jahr noch unentgeltlich, macht sich endlich bezahlt.
„Meine Südstadt“ hat auch wissenschaftliches Interesse erregt.
Das Portal ist Teil einer Studie zum Hyperlokaljournalismus gewesen, die Imke Emmerich 2010 im Rahmen ihrer Master-Abschlussarbeit an der Uni Bielefeld durchgeführt hat. Lesen Sie hier das Interview zur Studie (Drehscheibe, Bundeszentrale für Politische Bildung): http://www.drehscheibe.org/interview-mit-imke-emmerich.html
Auf der Seite können Sie die Studie auch als pdf herunterladen. Haben Sie Fragen? Brauchen Sie noch mehr Informationen für Ihre Berichterstattung?
Haben Sie Interesse, unsere wöchentliche Redaktionssitzung zu besuchen?
Dann rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
Dirk Gebhardt, Andreas Moll und Tamara Soliz
Mobil 0160-9414 8174 / 0171-3623 990 / 0157-7238 3285
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